Samstag, Juni 22, 2024

Skylla & Charybdis: A man’s best friends

Immerhin: der Nehammersche Heurigenbesuch enthüllt mehr Klassenbewusstsein als die Stracheschen Einkaufslisten, die sich zu einem Mahnmal des größenwahngetriebenen Mittelmaßes verfestigen.

Julya Rabinowich

Wien, 09. April 2022 | Es ist endlich Frühling. Die Monsterjägerin aka die Autorin sitzt in der Prater Hauptallee in einem Lokal, der Hund ist unter, der Kaffee auf dem Tisch und man kann von Glück reden, dass es so und nicht umgekehrt ist. Das, was sich hier abspielt, sind die kleinen Freuden des Autorinnenlebens: arbeiten Auge in Auge mit den ausschlagenden Bäumen. Man muss sie ja nicht gleich umarmen. Die Sonne verspricht viel und hält auch schon einiges. Die Temperatur, der Eiskaffee und die Frühlingsgefühle sind lauwarm. Auf der Allee radeln muskelstrotzende Sportliche. Das Leben ist schön.

Dass die Einkäufe noch erledigt werden müssen: geschenkt. Ich werde es einfach so handhaben wie Frau Nehammer oder H.C. Strache, nur ohne Ansaufen! Der Fall Nehammer hinterlässt sowieso einen Schädel voll brummender Fragen, unter anderem, warum, wozu, weshalb? War es der Heuriger, die Küche, die Nachtigall oder die Lerche? Personenschutz: ja, natürlich. Notwendig und verständlich. Aber dass die Boys gleich zu Hausarbeiten aller Art herangezogen worden sein könnten, lässt Assoziationen mit der Bezaubernden Jeannie aufkommen. Nur hätte sie sich vermutlich nie so volllaufen lassen, dass sie beim Verhör ohne zu zwinkern ins Reich der Träume entschwebte. Wahrscheinlich. Auch die brennende Frage, ob man die Beamten, sollten sie zur Essensbeschaffung herangezogen worden sein, Cobra Thai hätte nennen können, wenn schon nicht Bezaubernder Jean?

Der Kanzler sah durch die Berichterstattung das Sicherheitskonzept in Gefahr, was wiederum die nächste Frage provoziert: wie sicher ist ein Sicherheitskonzept, wenn der Sicherheitsbetraute alkoholbedingt weder parken noch fahren noch stehen kann? Mir persönlich würde es Sorgen bereiten, wenn meine Beamten links und rechts zu liegen kommen, statt auf meine Familie aufzupassen. Aber ich bin nicht Kanzler Nehammer. Mein Vorschlag zur Sicherung des Sicherheitskonzeptes wäre folgerichtig die totale Ausnüchterung. Der Ort der Promilleerwerbung changiert jedenfalls beachtlich, mal ist es die Küche, mal ein Heuriger. Vielleich gibt es morgen brisante Enthüllungen zum Kanzlerbad! Wobei der mutmaßliche Heurigenbesuch in Hietzing – nicht gesetzt den Fall, dass es doch die Nehammersche Küche war und nicht die Nachtigall – immerhin mehr Klassenbewusstsein enthüllt als die Stracheschen Einkaufslisten, die sich zu einem Mahnmal des größenwahngetriebenen Mittelmaßes verfestigen: mit einem gehobenen Bein im Revier des kleinen Mannes von der Straße markierend, mit dem anderen im Halbseidenen. Hundefutter, abgepackter Käse, Gummibärli und Kaviar. Bierdose und Moet. H.C. Strache verfasst Einkaufslisten, die ein wenig nach gestresstem Hausmann klingen und nicht unbedingt nach ausgewogener Ernährung. Alkohol und Kaviar sind a man’s best friends!

Die Strache-Einkaufslisten sind so langwierig, dass ich an seiner Stelle vermutlich lieber selbst einkaufen gegangen wäre, bevor ich mich mit so viel Tipperei am Handy beschäftigen müsste. Aber dann wäre der entscheidende Zusatz „Bitte Rechnung übernehmen“ vermutlich schwerer zu realisieren gewesen. Apropos Rechnung: Die Sonne ist weg, der Wind pfeift, der Hund will jetzt gehen. Ich wage zu bezweifeln, dass er übernehmen wird.

Titelbild: APA Picturedesk

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