Freitag, Februar 23, 2024

Omikron-Welle: Horror-Lockdown in Shanghai

Omikron-Welle:

Die Bevölkerung Shanghais sitzt seit über zwei Wochen in einem harten Lockdown, der sie in die Verzweiflung und zu Protesten treibt.

Shanghai, 13. April 2022 | Shanghai befindet sich seit Anfang April in einem harten Corona-Lockdown, der die Menschenzur Verzweiflung bringt. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur in einzelnen Ausnahmen, etwa für die regelmäßige Corona-Testung, verlassen. Zwar versucht die chinesische Führung die Kontrolle über die Informationen, Bilder und Videos in den sozialen Medien zu behalten, aber selbst das mit Message-Control und Überwachung so erfahrene Regime kommt der Flut an Erfahrungsberichten und Text- und Bildform nicht ganz nach.

Ebenso hat der gnadenlose, harte Lockdown nicht verhindert, dass die positiven Corona-Fälle in die Höhe schnellen – die Omikron-Variante ist zu ansteckend. China verfolgt eine Zero-Covid-Strategie. Wurden Fälle bekannt, folgten sofort Lockdowns und andere harte Maßnahmen, um das Virus einzudämmen. Innerhalb eines Monats stiegen nun aber dennoch die täglich registrierten neuen Fälle laut Our World in Data – Quelle für die Google-Corona-Statistiken – in Shanghai von 27 auf 1.190 Fällen, in ganz China von rund 1.230 auf rund 23.160.

Dystopische Zustände

In den sozialen Netzwerken kursieren Videos von Kindern, die Corona haben, daher von ihren Eltern getrennt und in einem Spital in Shanghai untergebracht wurden. Laut „New York Times“ hat eine Gesundheitseinrichtung, aus der Videos aufgetaucht waren, deren Echtheit bestätigt.

Haustiere, die unbeaufsichtigt bleiben, etwa weil ihre Halter in Corona-Quarantäne verfrachtet wurden, werden getötet – Katzen im Vorfeld zu mehrt in Säcke gesteckt, Hunde mit Greifzangen festgehalten. Wer einen positiven Test, aber keine oder kaum Symptome hat, darf die Quarantäne nicht zu Hause aussitzen, sondern muss in ein Quarantäne-Großquartiere gehen.

Ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt einen Mann, der von Menschen in weißen Schutzanzügen auf dem Balkon bedrängt wird. Laut Begleittext ist die Polizei in Schutzmontur in seine Wohnung eingebrochen, um ihn zwangsweise in ein Quartier zu bringen, nachdem der Mann sich geweigert hatte, freiwillig zu gehen. Es kursieren in den sozialen Medien auch Videos von Corona-Beamten, die Menschen zu Boden stoßen oder schlagen, wenn sie nicht spuren wollen.

Und, es klingt wie aus einer Folge “Black Mirror”, wie bereits im ersten Lockdown sind Roboterhunde in den Straßen unterwegs, etwa um Maßnahmen zu verkünden und einzumahnen.

Desolate Quarantäne-Quartiere

Die britische Journalistin Emma Leaning dokumentiert ihre Quarantäne seit 23. März auf Twitter. Als Person mit milden Symptomen wurde sie in die Weltausstellungs-Halle gebracht, in der Platz für 7.000 Quarantänierte ist.

Ruhe gibt es dort kaum, berichtet sie einem Kollegen vom „Shanghai Daily“. Über Nacht brennt das Licht, die Menschen sind zu zweit in Zellen untergebracht, die durch dünne und niedrige Trennwände voneinander abgetrennt sind, iPads und Handys sind zu jeder Tages- und Nachtzeit in Betrieb. Duschen gibt es keine, man muss sich mit einem Handtuch und Wasser aus einem Kübel behelfen. Die mobilen Klos sind weder mit Wasser, noch mit Seife oder Klopapier ausgestattet. In den sozialen Medien kursieren Bilder von verschmutzten Unterkünften.

Versorgung scheitert, Verzweiflung steigt

Schwer Kranke werden Berichten zufolge nicht oder nur unzureichend versorgt. Zu Beginn des Lockdowns hatte die Führung angekündigt, die Nahrungsmittelversorgung aufrechtzuerhalten und darauf zu achten, dass es aufgrund von Engpässen nicht zu Wucherpreisen kommt. Das scheint nicht so gut gelungen sein, wie es angekündigt war – wohl auch wegen des plötzlich verlängerten Lockdowns. Die Supermärkte waren nach Ankündigung des Lockdowns ausverkauft. Essenslieferanten konnten Berichten zufolge keine ausreichende Versorgung sicherstellen, staatliche Essenslieferungen lassen teils auf sich warten. Anfang der Woche hatten in manchen Nachbarschaften Menschen gegen den Lockdown und die fehlende Versorgung protestiert.

In einer nächtlichen Entertainment-Aktion versuchen die in Weiß gekleideten Corona-Beamten mit einer Lichtshow die Menschen in den umliegenden Wohnblocks zu unterhalten.

Das wird wohl nicht reichen, um die Menschen aufzuheitern. In Videos auf Twitter ist zu hören, wie Menschen aus Protest und Verzweiflung aus Fenstern und von Balkonen schreien ihrer Wohnungen schreien. Drohnen fordern die Menschen auf, den „Seelenwunsch nach Freiheit“ zu kontrollieren.

Härtester Lockdown seit Anfang der Pandemie

Anfang März wurde eine erste lokale Corona-Infektion seit Monaten offiziell bekannt. Zuerst versuchte die Stadt, dem Ausbruch mit Nachbarschafts-Lockdowns beizukommen: Je nach Inzidenz sollten Stadtteile eigenständig entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen. Am 28. März wurde die Osthälfte Shanghais – Pudong – in einen harten Lockdown geschickt, der bis 1. April dauern sollte. Die Westhälfte Puxi sollte von 1. bis 5. April drankommen. Damit sollte der wirtschaftliche Schaden eingedämmt werden. Shanghai ist das größte Wirtschaftszentrum Chinas. Es ist zu erwarten, dass die harten Lockdowns wirtschaftliche Langzeitfolgen für Chinas Wirtschaft haben werden.

Entgegen der ursprünglichen offiziellen Pläne hält der harte Lockdown bislang an. Die chinesische Führung hat nun einen leichten Kurswechsel angekündigt: Am Montag sollen Medienberichten zufolge Maßnahmen in jenen Gebieten gelockert werden, in denen seit zwei Wochen keine positiven Fälle aufgetreten sind. Sie behält sich aber vor, wieder strengere Isolationsmaßnahmen zu ergreifen.

(pma)

Titelbild: APA Picturedesk

Pia Miller-Aichholz
Pia Miller-Aichholz
Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

28 Kommentare

  1. 1984 von George Orwell ist zu einem Ammenmärchen verkommen. In China zu leben bedeutet nichts anderes, als auf den Tod zu warten. Auch ohne irgendein Virus.

    • Wer gehorsam ist bekommt genug Sozialkreditpunkte um in einer besseren Gegend auf den Tod zu warten und muss brav bleiben – sonst sind die Punkte weg und das Kind fliegt von der guten Schule.
      Was wiederrum gaaaanz schlecht für das Punktekonto des Kindes ist …

      Sklavenhaltung v3.0 – der feuchte Traum aller Tyrannen: Sklaven die sich selbst disziplinieren und bei Bedarf gegenseitig auspeitschen.

  2. Was immer die Chinesen damit auch bezwecken.
    Das Virus ausrotten werden sie damit mit absoluter Sicherheit nicht.
    Daher wird es vermutlich eine Unterrichtseinheit in Sachen “Unterwerfung für Fortgeschrittene” sein.

    Bisserl Off-Topic:Die Soldaten des Jahres 2030 –> https://www.youtube.com/watch?v=tF4DML7FIWk
    … weil der Roboterhund mit Megaphon durch die chinesischen Straßen zog.

  3. Interessant das keiner nach Sanktionen schreit wenn man hier mit 20 Millionen Menschen so unwürdig umgeht. CN, die verlängerte Werkbank von Europa, da drückt man beim Thema Menschenrechte zu Gunsten der Wirtschaft doch lieber die Auge zu ……..

  4. US-Verteidigungsministerium finanzierte Covid-19-Forschung in Ukraine lange bevor Virus bekannt war

    Dass die US-„Defense Threat Reduction Agency“, eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums, im Rahmen des „Biological Threat Reduction„-Programms mit Bio-Laboren unter anderem in der Ukraine zusammenarbeitet, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

    Warum wird dass denn nirgendwo aufgegriffen? Alles Heuchler und Profiteure
    https://www.usaspending.gov/award/CONT_AWD_0004_9700_HDTRA108D0007_9700

    12. November 2019 getätigt und belief sich auf immerhin 369.511 Dollar. Der Zweck: „SME MANUSCRIPT DOCUMENTATION AND COVID 19 RESEARCH„

    Sub-Awards 19-6192 – 11.12.2019 – Adresse: Ukraine❗

  5. “Zero-Covid-Strategie” Einige Virologen haben diese Strategie bereits am Anfang bemängelt. Hoffentlich haben das unsere Politiker inzwischen auch gelernt. Träumen darf man ja immer noch.

    • Wir hatten niemals eine Zero Covid Strategie. Höchstens ganz am Beginn der Pandemie als man noch nichts über das Virus wusste und kein Impfstoff zur Verfügung stand und da ist so ein Vorgehen wohl legitim und logisch. Von einer Zero Covid Strategie waren wir ansonsten immer weit entfernt. Es ging immer nur darum die Krankenhäuser über Wasser zu halten.

      • Und haben wir es bis jetzt geschafft?
        Oder sterben die Alten mit Vorerkrankungen weiter, wie seit jeher schon?

      • Warum haben wir noch immer Maßnahmen, die nichts nutzen, nur schaden? Sie haben sicher schon von psychischen Problemen zB bei Kindern gehört.
        Die KH brauchen nicht länger über Wasser gehalten werden.
        Vbg KH Betriebsgesselschaft 13. April Update: Insgesamt sind 80% aller C19-PatientInnen „vollimmunisiert“. Auf der Intensivstation sind es 80% und auf der Normalstation ebenfalls 80%.
        Zur Erinnerung: Die Zahl der Vollimmunisierten in Vorarlbergs Gesamtbevölkerung liegt bei 64,6%. Erst ab der Gruppe der Menschen über 75 Jahren liegt der Anteil der Menschen mit gültigem Impfzertifikat höher als 80%.

        Rund 80% der COVID-19-Patienten werden derzeit wegen einer anderen Erkrankung in den Spitälern behandelt, die Corona-Erkrankung ist die Nebendiagnose.
        75 “COVID-19-Patienten” stationär betreut
        5 C-PatientInnen auf der Intensivstation.

        Das klingt nicht nach Überlastung.

        Warum trauen sich die anderen Bundesländer nicht, Zahlen zu veröffentlichen?

  6. Totalitäre Systeme sind unfehlbar und deswegen können sie auch eine obsolete oder obsolet gewordene Politik nicht ändern, denn dies würde ja bedeuten, zuzugeben, sich zuvor geirrt zu haben. Aber es ist nicht nur das: ein totalitäres System kann nicht gestatten, daß sich irgendetwas, und seien es auch nur Viren, der staatlichen Kontrolle entzieht.

    Und wie lange brauchten im ‘freien’ Westen die meisten Politiker, einzusehen, daß das “Heilmittel”, die berüchtigten Maßnahmen, schlimmer waren als die Krankheit (in Wien haben sie es bis heute nicht begriffen).

    • Also ich fand die Krankheit schlimmer als die Maßnahmen. Es ist gruselig mit der offenen Büchse der Pandora dazusitzen und nicht zu wissen, was sie letztendlich für einen breit hält. Dieses Virus ist zum kotzen, meine Freundin hat nach 16! Monaten noch immer keinen Geruchsinn.

      • Das Problem ist nur, daß die “Maßnahmen” nicht oder nur marginal wirken – auch Ihre Freundin bekam ja Corona trotz der “Maßnahmen”. Ohne “Maßnahmen” wäre es ihr um nichts schlechter ergangen.
        Nicht einmal die Terror-Maßnahmen in Schanghai scheinen zu wirken; der Virus breitet sich trotzdem aus. Die Menschen sterben dort zwar nicht am Virus (weil harmlos), aber weil sie vor Hunger und Verzweiflung aus den Fenstern springen.

        • Meine Freundin bekam Corona im ersten Pandemie Winter. Sie hat sich noch mit Alpha angesteckt zu einer Zeit, als es schon eine Impfung gegen Alpha gab. Sie hat sich nicht impfen lassen weil sie Angst hatte dann keine Kinder mehr bekommen zu können. Sie hat den Schwachsinn der dies bezüglich verbreitet wurde geglaubt wie so viele andere Frauen auch.

          • Ich wünsche Deiner Freundin von Herzen alles Gute!

            Es muß fürchterlich sein,wenn der Geruchssinn nicht da ist,weil der schützt uns vor vielen und rettet auch unser Leben,alleine wenn ich mir vorstelle,man riecht nicht mehr,wenn das Essen schlecht geworden ist,oder wenn es z.b. brennt und der Feuermelder nicht funktioniert.Also vor dem Verlust habe ich Angst und ich weiß von einigen die es auch erwischt hat,obwohl der Geschmackssinn funktioniert,aber eben der Geruchssinn nicht,daß ihnen das Essen nicht schmeckt,einige haben viel abgenommen deswegen.

            Soll ja niemand kommen und sagen,sie hätte ja impfen können,ich verstehe jeden jungen Menschen,der zu der Zeit Angst davor hatte,weil grade Frauen denen mach Angst gemacht hat,daß sie keine Kinder kriegen können.
            Also nein, kein Vorwur,ja,ich bin selber 3 x geimpft aber eben weil ich keine Angst davor hatte,ab einem gewissen Alter denkt man sich,wenn was nicht passt,also irgendwelche Nebenwirkungen,dann ist es eben so,die Gefahr krank zu werden,war für mich um vieles schlimmer,aber jeder muß es selber entscheiden.

            Alles,alles Gute,für Deine Freundin,möge der Geruchssinn bald wieder kommen.

  7. Ein schon seit langem gescheitertes System, dass versucht seine Bürger unter Kontrolle zu halten.

Kommentarfunktion ist geschlossen.

ZackZack gibt es weiter gratis. Weil alle, die sich Paywalls nicht leisten können, trotzdem Zugang zu unabhängigem Journalismus haben sollen. Damit wir das ohne Regierungsinserat schaffen, starten wir die „Aktion 3.000“. Wir brauchen 3.000 Club-Mitglieder wie DICH.