Sonntag, Juni 16, 2024

Kreml-Diktator startet zweite Angriffswelle in Ukraine

Putins brutaler Krieg gegen die Ukraine geht in die nächste Phase, die „Schlacht von Donbass hat begonnen“. Der ukrainische Präsident Selenskyj versicherte: „Wir werden kämpfen“.

Kiew, 19. April 2022 | Wladimir Putins Krieg gegen die ganze Ukraine könnte nach Ansicht vieler Beobachter in eine entscheidende Phase gehen. So hat Russland nach Angaben des ukrainischen Generalstabs mit der erwarteten Offensive im Osten des Landes begonnen. “Es werden Anzeichen des Beginns der Offensive in der Östlichen Operationszone festgestellt”, teilte der Generalstab am Montagabend in Kiew mit. In der Nacht auf Dienstag gab es erste Meldungen verheerender Angriffe.

„Schlacht von Donbass hat begonnen“

Hervorgehoben wurden dabei die Gebiete Charkiw und Donezk. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte via Video-Botschaft auf der Social Media-Plattform Telegram: “Die Schlacht von Donbass hat begonnen.” Die russischen Streitkräfte hätten sich darauf lange vorbereitet, sagte Selenskyj. “Ein sehr großer Teil der ganzen russischen Armee wird nun für diese Offensive verwendet.” Von Isjum im Gebiet der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw aus werden demnach Vorstöße in Richtung Donezker Gebiet erwartet. “Ganz gleich, wie viele russische Truppen dorthin getrieben werden: Wir werden kämpfen”, versicherte der Präsident.

“Die zweite Phase des Krieges hat begonnen”, schrieb unterdessen der ukrainische Stabschef Andriy Yermak auf Telegram. Auch der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, sprach von russischen Angriffen. “Es ist die Hölle. Die Offensive, von der wir seit Wochen sprechen, hat begonnen”, erklärte er am Montagabend im Online-Dienst Facebook. Es gebe Kämpfe in Rubischne und Popasna und “unaufhörlich Kämpfe in anderen friedlichen Städten”, fügte der Gouverneur hinzu.

Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch hatte zuvor schon über russische Vorstöße in Richtung Huljajpole im Gebiet Saporischschja im Südosten informiert. Rund 10.000 russische Soldaten sollen dabei im Einsatz sein. Der Gouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, berichtete am Sonntagabend von drei Toten und 15 Verletzten durch Granatenbeschuss in der ostukrainischen Großstadt.

Auch Angriffe auf Kiew erwartet

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, warnte indes vor weiteren russischen Angriffen auf die Hauptstadt. Kiew war und bleibt ein Ziel des Aggressors”, teilte Klitschko am Montagabend per Telegram mit. Er rate den geflohenen Einwohnern der Metropole dringend, lieber an einem sichereren Ort zu bleiben. “Aufgrund der militärischen Daten und der jüngsten Entwicklungen können wir nicht ausschließen, dass Kiew weiterhin von Raketenangriffen bedroht ist”, meinte Klitschko. Auf einige Bezirke seien zuletzt Raketen abgefeuert worden. “Daher können wir die Sicherheit in der Stadt nicht garantieren.”

Im Laufe des Abends bestätigte der Kreml einen Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Lwiw. Dabei sei ein Zentrum für die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte getroffen worden, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mit. Zerstört worden sei ein Logistikzentrum mit großen Teilen ausländischer Waffen, die aus den USA und europäischen Ländern geliefert worden seien. In der Früh hatte die Stadtverwaltung bereits von mehreren Raketeneinschlägen berichtet. Dabei seien sechs Menschen getötet und weitere Einwohner verletzt worden.

Zwangsumsiedelungen nach Russland

Der Bürgermeister der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol erklärte unterdessen, dass etwa 40.000 Zivilisten nach Russland oder in russisch kontrollierte Regionen der Ukraine zwangsumgesiedelt worden seien. Dies habe man anhand des kommunalen Registers festgestellt, sagte Wadym Boitschenko. Noch seien mehr als 100.000 Zivilisten in Mariupol.

Nach Angaben aus Kiew wurden durch russische Attacken bis dato bis zu 30 Prozent der ukrainischen Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Die Schäden beliefen sich auf eine Summe von etwa 100 Milliarden Dollar, berichtete Infrastruktur-Minister Oleksander Kubrakow. Mehr als 300 Brücken an Nationalstraßen seien zerstört oder beschädigt, mehr als 8.000 Kilometer Straße müssten repariert oder erneuert werden.

(apa/wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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