Donnerstag, Februar 22, 2024

Köstinger und Rauch: Aus für Kükenschreddern – Vollspaltenboden bleibt

Köstinger und Rauch:

Mehr Bewegungsfreiheit für Rinder, das Aus für Küken-Schreddern, Einschränkungen bei Tiertransporten – das sieht u.a. das am Mittwoch präsentierte Tierschutzgesetz vor. Kritik kommt vom VGT, denn der Vollspaltenboden und die Ferkelkastration ohne Schmerzausschaltung bleiben erhalten.

Wien, 04. Mai 2022 | Mit dem vorliegenden Paket soll die ununterbrochene, ganzjährige Anbindehaltung von Rindern ab 2030 beendet werden. Die lange Frist komme deshalb, weil dafür in rund 4.700 Betrieben weitreichende Umbauten notwendig würden, so Rauch. Die AgrarMarkt Austria (AMA) stellt bei ihrem Gütesiegel allerdings schon 2024 um.

Kückenschreddern verboten, strengere Tiertransportegeln

Außerdem wird künftig das sinnlose Töten von Küken verboten – mit Ausnahme der Verfütterung in Zoos. Bei Tiertransporten sind Verschärfungen vorgesehen, etwa durch strengere Bestimmungen, höhere Strafen und kürzere Transportzeiten. Der Transport von Kälbern wird erst ab einem Alter von drei bzw. vier Wochen gestattet. Der Export von erwachsenen Zuchtrindern darf künftig nur noch in wenige Drittstaaten erfolgen.

Des weiteren werden die Tierschutzombudspersonen der Länder juristisch gestärkt. Sie erhalten Parteistellung in Verfahren nach dem Tiertransportgesetz. Eine weitere Neuerung betrifft die Qualzucht: Hier wird es ein Verbot der Werbung mit Tieren mit Qualzucht-Merkmalen geben.

Das Gesetz soll noch diese Woche in Begutachtung gehen und Ende Juni im Parlament beschlossen werden. Anfang 2023 können die meisten Bestimmungen in Kraft treten.

Im Pressefoyer nach dem Ministerrat betonte Rauch, dass auch bei der Schweinehaltung Anreize geschaffen würden, mehr Platz für die Tiere zu schaffen. Konkret sprach er von plus 20 Prozent Platz in neu- und umgebauten Ställen. Ein weiterer Punkt sei eine verpflichtende Kühlung. “Das ist ein erster Schritt, das ist nicht weitgehend genug, das reicht vielen nicht aus. Das war jedenfalls der Kompromiss, den wir da erzielt haben”, räumte er ein.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) unterstrich, dass Tierwohlbemühungen nur funktionierten, wenn man sie gemeinsam mit den bäuerlichen Familienbetrieben umsetze. Österreichs Schweinebauern produzierten im Moment im Minus, die Teuerung schlage auch bei den Futtermittelkosten durch, und deutsches Schweinefleisch werde um rund ein Drittel billiger produziert, argumentierte sie. Tierwohl koste rund ein Drittel mehr, Bio das Doppelte. Es brauche daher auch die Konsumenten, die zu den entsprechenden Produkten greifen müssten.

Tierschützer-Kritik: Kein Vollspaltenboden-Ende

Tierschützern ist das nicht genug. Vor dem Bundeskanzleramt demonstrierten sie wie so oft gegen die Schweinehaltung auf Vollspaltenböden. Auch ins Kanzleramt schaffte es ein Aktivist, kam beim Pressefoyer aber nicht zu Wort. “Das gibt es ja echt nicht”, rief er, während die Regierungsmitglieder abgingen: “Die Schweine leiden, die Menschen würden mehr zahlen, und da kann man nicht einmal eine Frage stellen beim Ministerrat.” In einer Aussendung kritisiert VGT-Campaigner Georg Prinz vorallem die ÖVP und “Agrarlobbyisten”: “Seit Jahren wurden wir als Tierschutzbewegung von der Regierung damit abgespeist, dass es doch ohnehin bald ein großes Tierschutzpaket geben würde, das dann schlagartig alle Tierschutzprobleme des Landes lösen würde. Es zeigt sich wieder einmal – die ÖVP verteidigt knallhart die Interessen der Tierindustrie und fährt über die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft und die Bevölkerung gnadenlos drüber. Leidtragende sind wieder Österreichs sogenannte Nutztiere.” Auch, dass die Ferkelkastration ohne Schmerzausschaltung und das EU-rechtswidrige Schwanzabschneiden bei Ferkeln weitergeht stößt auf Kritik.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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37 Kommentare

  1. Animals have hearts that feel, eyes that see and families to take care for. Just like Köstinger and Rauch.

  2. Schrecklich, Schrecklich, Köstinger bringt uns noch um den wohlverdienten Schlaf!

    Wenn in Zukunft all die ungeschredderten Hähne, mit ihren Türkisen Kämmen, frühmorgens zu krähen beginnen werden, kommen wir Schwarzen und die Landjugend um unseren wohlverdienten Schlaf!
    Spätestens jetzt sollte Claudia Plakolm in ihrer gewohnten politischen Art, laut zu gackern beginnen. Köstinger hat den Bogen überspannt, sowahr ich Danilo Kunhar heiße, fordere ich ihren sofortigen Parteiausschluss!

  3. Es ist schlicht und einfach gelogen, dass die Leute nur das billige Schweinefleisch aus grausamer Haltung wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Der aller größte Teil der Menschen will, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und ist auch bereit dafür mehr zu zahlen. Und viele Leute wissen nicht einmal wie grausam die Schweinehaltung ist weil ihnen die AMA eine Bauernhofidylle vorgaukelt die gar nicht existiert. Köstinger ist einfach zu feige dafür den Bauern eine artgerechte Haltung vorzuschreiben, schließlich könnte der eine oder andere Bauer vielleicht sein Kreuzerl woanders machen und nicht mehr bei der ÖVP. Widerlich, widerwärtig, grauslich..pfui Frau Köstinger kein Rückgrat, Stimmenfang auf dem Rücken gequälter Kreaturen ist echt das Letzte, haben sie keine Moral und keinen Anstand?

    • Ich gehe zu 100% d’accord mit Ihnen und es sind auch meine Erfahrungen.
      Diese Person ist einfach nur grauslich, abstoßend und außerdem feige.
      Ich unterstütze den VGT wo ich nur kann.
      Den Rest denke ich mir nur, ist besser so.

  4. Wo steht in dem Artikel etwas von der FPÖ? Soviel ich mitbekommen habe ist der Rauch (ohne Rauch gehts auch) von den Welken.

      • Da bin ich ja richtig froh für dich das es erst jetzt für dich beginnt das du nicht mehr schlafen kannst.
        Die Fpö ist für Ferkelkastration ohne Betäubung und die Vollspaltenhaltung ist den Vollposten auch bis heute “i love Schweinsschnitzel” egal. Frag deine Bauern und du weißt wer du bist!

  5. Övp und Fpö sind halt die rechten Bauernparteien denen Tierwohl am Arsch vorbei gehen.

    Deshalb sind sie auch für menschliche Demokratie unpassend, weil sie jedes zartes und Demokratie ist für mich zart, sofort unterwandern um sich selbst zu bereichern. In ihren Dasein gibt es nur ein “wir wir”, alles andere ist Pöbel oder mit einen Grinsen behaftets denken für die Dummies “die Bildungsfernen fallen eh auf die Propaganda rein”.
    Deshalb sind Övp und Fpö auch für Noten und gegen Bildung mit Zeit!

  6. Das Verbot des Kükenschredderns ist nun keine Pioniertat der österr. Politik, es wird EU-weit schon lange gefordert und ist in Deutschland bereits in Kraft. Alles andere-viel zuwenig, viel zu zahnlos. Viell.sieht sich Frau Köstinger einmal bei Biobauern um, sie sagen ihr, wie und dass artgerechte Tierhaltung geht. In Burgau/Bgld kenne es zb einen Hof, a.d. die Wollschweine ganzjährig im Freien sind, eine Freude ihnen zuzusehen!

  7. Und wieder nur Stückwerk. Sehr bezeichnend auch das Bild zum Artikel. Scheint zu stimmen, dass Bilder mehr als tausend Worte sagen…
    Es muss heller werden Österreich!

  8. Jedes nicht Bauernkind sollte mit ca. acht Jahren bei einer Ferkelkastration dabei sein, um die Sachlage zu checken. Ich habe ein Trauma abbekommen und war mir nicht mehr sicher ob diese Bauernfamilie wirklich auch zu meiner Familie gehört. Ich kann es nicht fassen und es ist Jahrzehnte her.
    Die Tage dort verbrachte ich im Saustall oder der Zuchtanstalt, um den Mütterschweinen die Last abzunehmen das sie sich auf die Kleinen legten, weil sie zwischen Eisenstangen angebunden waren und irgendwann sich hinlegen mussten um die Kleinen zu säugen und so schnell kamen sie nicht auf auch wenn sie eine kleine Sau unter sich quietschen hörten.
    Die nächste Abteilung oder Saal waren die schwangeren Schweine, die ähnlich wie die Sau mit Kinder zwischen den Eisenstangen standen. Mit einen Kübel Wasser und einer Reißbürste, keine Ahnung warum mir das einfiel, bürstete ich die Säue nach meinen Möglichkeiten.

    • Ist mir auch noch eingefallen. Heimlich schlich ich mich in die Sauzuchtanstalt und wunderte mich warum die Schweine so schreien. Natürlich wurde ich als Chaos Verursacher entdeckt, aber keiner schimpfte mich. Mit dieser ambivalenten Situation lernten die Schweine und ich umzugehen.
      Nach einigen Tagen wussten die Schweine ich kam wegen ihnen und es war still im Stall.

      • Liebe Amberg, danke für Ihren netten Erlebnisbericht aus dem Schweinemilieu. Bin am Bauernhof aufgewachsen und kann ihre Erlebnisse und Erfahrungen gut nachvollziehen. Ich spielte, soferne es die Zeit zuließ, immer gerne mit den Frischlingen. Schon bei selbigen merkt man, dass sie sehr intelligent und unheimlich neugierig sind. Auch kommt zu ihrem herrlichen Geruch, (den ich heute noch in der Nase habe) kein industriell gefertigtes Parfüm heran…
        Aber auch hier muss es viel heller werden!

        • Ich habe Stunden neben den Müttersäuen verbracht und einige viele Ferkel gerettet und trotzdem war es realistisch gesehen einer der ersten industriellen Sauställe.

          • Liebe Amberg, das spricht für Sie und Ihre Einstellung. Speziell beim zu Boden legen, oder Umdrehen der Muttersau, sind die Kleinen sehr gefährdet, zerdrückt zu werden. Ich war hier auch hilfreich tätig.
            Alle industriellen Tierquälfabriken sollten verboten werden, denn nichts anderes als verachtenswertes Quälen, angetrieben von Profitgier, ist es…
            Es muss hier viel heller werden!

          • Ich weiß es bis heute nicht wo ich in dieser Situation meine Verwandtschaft einordnen soll. Gefühlsmäßig war ich froh bei ihnen sein habe zu können und sie haben sich gefreut wegen mir.

          • Liebe Amberg, ich kann Sie verstehen. In dieser Thematik kann ich nur von mir selbst sagen, dass ich jegliches tierische Leben achte und schätze. Wenn ich des Nachts schreibend, kaffeetrinkend und zigarrerauchend beim offenen Fenster sitze und sich eine Fliege, oder Motte in meine Wohnung verirrt, fange ich selbige ein und entlasse sie wieder in die Freiheit. Alles tierische Leben ist von der Natur sinnvoll angelegt und erfüllt einen höheren Zweck. Deshalb sollte und muss es geschätzt und beschützt werden.
            Leider pervertiert der Mensch für niedere Gewinnzwecke, diese nötigen Grundvoraussetzungen, eines funktionierenden Zusammenlebens….
            Es muss viel heller werden!

          • Ich habe so ziemlich viel/mehr gutes von meiner Mama gelernt. Unsere Kinder haben viel gutes schon von uns Beiden gelernt.

          • Da Bauer hat mir eine Henne in die Hand gedrückt die er aus der Jauche-Grube gezogen hat.
            Ich habe sie Hanna genannt und so wie es mir meine Mama gelernt hat bei den Schildkröten, habe ich die Hanna-Henne in einen lauwarmen Wasserbad vom Dreck befreit.
            Hanna-Henne hat auch den damals modernen Föhn (natürlich meine Hand vor Föhn) sowas von entspannt entspannt empfunden, das sie sich geplustert hat.

          • Liebe Amberg, schöne Geschichte. Natürlich hat sich die Henne gefreut und wohlgefühlt, weil sie gemerkt hat, dass ihr Gutes getan wird.
            Es muss immer heller werden!

          • Wohlgemerkt, Hanna-Henne ist aus der Geflügel-Anstalt entkommen. Da durfte/konnte ich nie rein und ich habe es probiert. Zugesperrt.

          • Liebe Amberg, selbige gehören auch zu meinen großen Lieblingen. Auch Erwachsene Katzen. Sie sind mystische Tiere und haben einen siebenten Sinn. Ihr Schnurren beruhigt und heilt sogar…
            Es muss immer heller werden!

          • …natürlich gehören die Großen auch dazu, mal mehr mal weniger, ich habe ja auf Gerüche geantwortet.
            Ein Fohlen riecht auch ganz besonders.

            Ein Menschenkind hat auch einen besonderen Geruch.

            Die Sinne, geschwollen ausgedrückt, gehören wieder sensibilisiert.

  9. Bei Aussagen von der Elli, wäre ich vorsichtig.
    Die weiß das morgen nicht mehr.

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