Widerruf Benko

Nächster Femizid: Frauenmord in Tirol

Ein 18-Jähriger soll am Montag seine 17-jährige Freundin erstochen haben. Das Motiv ist noch unklar. 

Reutte/Tirol, 31. Mai 2022 | Österreich wird vom nächsten Femizid erschüttert. Am Montagnachmittag wurde eine junge Frau mit Stichwunden im Brustbereich tot in einem Auto auf einem Parkplatz in Reutte, Tirol, aufgefunden. Ein Klappmesser wurde am Tatort sichergestellt. Der mutmaßliche Täter, ihr 18-Jähriger Freund, sprang von einer Brücke.

Die Polizei war auf die Tat durch eine Passantin aufmerksam gemacht worden, die Montagabend den Suizid des jungen Mannes gemeldet hatte. Daraufhin wurde auch die Leiche der 17-Jährigen gefunden. Das Motiv für die Tat sowie die näheren Umstände waren auch Dienstagfrüh noch Gegenstand laufender Ermittlungen. Die Obduktion der beiden Toten werde am Dienstag durchgeführt, hieß es.

Das ist der mittlerweile 12. (mutmaßliche) Frauenmord seit Jahresbeginn in Österreich.

Scharfe Kritik an Frauenministerin von SPÖ

„Österreich ist das einzige Land in der EU, in dem mehr Frauen als Männer ermordet werden. Es muss endlich einen Krisengipfel unter Einbeziehung von Frauenorganisationen und Gewaltschutzeinrichtungen geben. Wir müssen alles tun, um Frauenmorde zu verhindern“, so SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner angesichts der Tat in Tirol. Sie fordert 228 Millionen Euro und 3.000 zusätzliche Vollzeitstellen um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

„Offensichtlich funktioniert die Zusammenarbeit und der Informationsfluss zwischen Polizei und Gewaltschutzeinrichtungen nicht gut genug. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Hochrisikofallkonferenzen nur vereinzelt umgesetzt werden statt flächendeckend. Es gibt Lücken im Gewaltschutz, die müssen endlich geschlossen werden“, so Holzleitner. Die SPÖ-Frauenvorsitzende kritisiert in diesem Zusammenhang die Tatenlosigkeit von Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP). „Es herrscht absoluter Stillstand in der Frauenpolitik. Jede Frau hat das Recht auf ein unabhängiges Leben frei von Gewalt. Die Pandemie hat die Situation für Frauen verschärft. Die Bundesregierung muss darauf endlich reagieren“, so Holzleitner.

En Statement der Frauenminsterin zu dem Fall gibt es bisher noch nicht.

(sm)

Ergänzt um die Stellungnahme der SPÖ um 09:45 Uhr. 

Hilfenummern

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen unter:

Anlaufstellen für Männer in Krisen- und Gewaltsituationen, Beratung in Krisen sowie zur Prävention und Beendigung von Gewalt in der Familie:

Telefon-, E-Mail- und Chat-Beratung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder Krisenzeiten:

Titelbild: APA Picturedesk

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6 Kommentare
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dieWahrheitistvielmehr..
31. 05. 2022 17:26

Die Bezeichnung Femizid soll wohl den diskriminierenden Zeitgeist unterstreichen.

31. 05. 2022 19:36

Und du unterstreichst mal wieder die Intelligenzdiskriminierung.

baer
31. 05. 2022 15:35

Wäre schon interessant, was die Raab dazu zu sagen hat. Noch interessanter wäre hingegen, was sie gegen das antiquierte Frauenbild der ÖVP oder die Benachteiligung der Frauen, die ja ursächlich für die vielen Frauenmorde sind, tun will

hagerhard
31. 05. 2022 9:48

Femizid, auch Feminizid, (‚Frauentötung‘; aus englisch femicide, analog zu englisch homicide ‚Tötung eines Menschen‘ in Anlehnung an lateinisch femina ‚Frau‘ und lateinisch caedere ‚töten‘) ist die Tötung von Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht (Geschlechtermord).

Das Wort Femizid wird auch in einer allgemeineren Bedeutung für jegliche Gewalt an Mädchen und Frauen mit Todesfolge unabhängig von der Motivation verwendet.

https://www.hagerhard.at/blog/2019/01/femizid/

Pflichtfeld
31. 05. 2022 17:01
Antworte auf  hagerhard

In diesem Fall dürfte der Terminus “Femizid” allerdings zu Recht verwendet worden sein.
Die beiden waren ein Paar – bis das Mädchen ihm vermutlich was anderes mitteilte.

Mr.Punch
1. 06. 2022 7:14
Antworte auf  Pflichtfeld

Das wäre dann eher ein Ehrenmord.