Nachtclub-Schießerei in Oslo

Polizei ermittelt wegen Terroranschlags

In der Nacht wurden in Oslo zwei Menschen vor einer Bar erschossen, 14 wurden verletzt. Die Polizei ermittelt wegen Terrors, die Stadt sagte die für Samstag angesetzte Pride ab.

Oslo, 25. Juni 2022 | In Norwegen ist es in der Nacht zu einer Schießerei vor einer Schwulenbar gekommen. Es gibt nach derzeitigem Stand zwei Tote und mindestens 21 Verletzte. Norwegen hat die nationale Terrorwarnstufe auf die höchste Stufe angehoben.

“Außergewöhnlich” hohe Bedrohungslage

Die Gefahr einer terroristischen Bedrohung sei “außergewöhnlich” hoch, teilte der norwegische Geheimdienst PST am Samstag mit, wie der Sender NRK berichtete. Behördenchef Roger Berg erklärte, man betrachte die Tat als terroristischen Anschlag. Nun gilt Terrorwarnstufe fünf. Bisher war es Stufe drei. Die norwegische Polizei, die normalerweise nicht bewaffnet ist, soll nun bis auf Weiteres vorsichtshalber Waffen tragen.

“Die Polizei behandelt den Fall als terroristischen Angriff”, teilten die Behörden am Samstagmorgen mit. Ein Tatverdächtiger war festgenommen worden, nachdem gegen 01.00 Uhr in der Nacht an drei Orten Schüsse gefallen waren.

Der norwegische Geheimdienst PST erklärte, die Tat am Samstag in der Hauptstadt werde als islamistischer Terrorismus eingestuft. Nach Polizeiangaben schoss ein Mann, der später festgenommen wurde, am frühen Morgen auf mehrere Menschen in dem bei Homosexuellen beliebten “London Pub” und auf der Straße davor sowie in einer anderen, nahe gelegenen Bar im Stadtzentrum.

Am Samstag Pride-Umzug in Oslo

Die tödlichen Schüsse fielen am Vorabend der in Oslo geplanten Pride-Parade. Die Organisatoren sagten diese am Samstagmorgen ab.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK und andere lokale Medien berichteten, die Schießerei habe sich im London Pub ereignet, einer beliebten Schwulenbar im Stadtzentrum. “Ich sah, wie ein Mann mit einer Tasche ankam, er nahm eine Waffe und begann zu schießen”, berichtete der NRK-Journalist Olav Roenneberg. Laut NRK gab es aber möglicherweise mindestens drei Tatorte. Es seien mehrere Schüsse gefallen. Die Polizei schließe nicht aus, dass mehrere Personen Täter sein könnten. Dies sei aber bisher nicht bestätigt worden. Andere Quellen meldeten, die Behörden gingen von einem Einzeltäter aus.

Als mutmaßlichen Einzeltäter nahm die Polizei nur wenige Minuten später einen 42-jährigen norwegischen Staatsbürger iranischer Herkunft fest. Eine vollautomatische Waffe und eine weitere Schusswaffe wurden am Tatort sichergestellt. Der Tatverdächtige war nach Polizeiangaben bereits mit weniger schweren Gewalttaten in Erscheinung getreten. Der Geheimdienst PST teilte mit, der Mann sei den Behörden seit 2015 wegen des Verdachts bekannt, er sei ein radikalisierter Islamist. Er sei in der Vergangenheit außerdem eine psychische Erkrankung des Mannes festgestellt worden. Die Polizei erklärte, es werde auch untersucht, ob die Pride-Parade der LGBTQ-Community ein Ziel gewesen sei. Die Pride-Parade wurde auf Anraten der Polizei abgesagt.

Der Alarm wurde laut der schwedischen Nachrichtenagentur TT in der Nacht zum Samstag kurz nach 1.00 Uhr ausgelöst. Zeugen am Tatort berichteten Medien gegenüber, dass Menschen in Panik weggelaufen waren. Die Polizei sperrte ein großes Gebiet ab und bat Augenzeugen, sich in ein nahe gelegenes Hotel zu begeben.

Panik brach aus

In der stadtbekannten Schwulenbar, die es seit 1979 gibt, brach nach den Schüssen Panik aus. “Viele Menschen weinten und schrien, auch die Verletzten schrien, die Menschen waren verzweifelt und verängstigt – sehr, sehr verängstigt”, sagte ein Augenzeuge. “Mein erster Gedanke war, dass der Pride-Day das Ziel war, und das ist beängstigend”. Ein Reporter des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders NRK sagte, er sei zu Tatzeitpunkt in der Gegend gewesen und habe gesehen, wie ein Mann mit einer Tasche ankam, eine Waffe herausnahm und zu schießen begann: “Dann sah ich, wie Fensterscheiben zu Bruch gingen und begriff, dass ich in Deckung gehen musste.”

Hubschrauber schwebten über dem Stadtzentrum von Oslo, während in der ganzen Stadt die Sirenen von Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören waren. Die Universitätsklinik der norwegischen Hauptstadt erklärte, dass es nach der Schießerei in Alarmbereitschaft versetzt worden sei.

Erste Polit-Reaktionen aus Österreich:

Die Tat ereignete sich nur wenige Monate nachdem Norwegen den 50. Jahrestag der Entkriminalisierung von Homosexualität gefeiert hat. Das Land mit 5,4 Millionen Einwohnern hat eine niedrigere Kriminalitätsrate als viele westliche Länder. Allerdings kam es auch schon zu hassmotivierten Gewalttaten. So tötete der Rechtsextremist Anders Behring Breivik im Jahr 2011 77 Menschen in Oslo und bei einem Jugend-Sommerlager der Sozialdemokraten auf der Insel Utöya.

(apa/red)

Hinweis: Der Text wurde um 15.30 aktualisiert.

Titelbild: APA Picturedesk

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