Rabensteiner:

Der Schas

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner. Heute: Flatulenzen.

Fritz Rabensteiner

Wien, 25. Juni 2022 | Es ist ein äußerst unangenehmes Thema, aber da alle Menschen davon betroffen sind, lohnt sich eine nähere Betrachtung, um Sinn und Wesen dieses täglichen Naturereignisses zu ergründen. Frauen schweigen meist dazu, wir müssen aber konzedieren, dass sie weniger oft einen fahren lassen als Männer. Sie können den Mund nicht lange genug halten, um den nötigen Druck aufzubauen. Und wenn sie dennoch einen absetzen, dann schieben sie es den Männern in die Schuhe. „Wie kannst du nur vor mir einen fahren lassen?“ Am besten sagen sie dann: „Entschuldige bitte, ich wusste nicht, dass du vor mir dran warst“. Oder die Frauen laufen ins Bad, knallen die Tür zu und man hört einen vernichtenden Schas. Danach kommen sie wieder heraus und sagen: „Ich hatte was im Auge.“ Aber Männer gehen ohnehin entspannt an die Sache heran und entwickeln manchmal sogar einen sportlichen Ehrgeiz, um die Konkurrenz zu übertrumpfen. Heringe können bis zu sieben Sekunden flatulieren. So kommunizieren sie miteinander. Genau wie Männer. 

Wir müssen davon ausgehen, dass es außerirdisches Leben gibt. Deshalb hat die NASA vorgesorgt und die interstellaren Raumsonden Voyager 1 und 2 mit Datenplatten ausgestattet, auf denen sich Bild- und Toninformationen über die Erde befinden. Unsere Koordinaten, diverse Grußbotschaften, Fotos und Filme, Tiergeräusche, Blitz, Donner, Musik berühmter Komponisten, eine Ansprache des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim und eine Beschreibung des Schases. Darin heißt es: Der Schas ist ein gewollter, aber missglückter Versuch, dem Hinterteil das Sprechen beizubringen. Er stärkt das Wohlbefinden, scheitelt die Haare und stinkt, damit die Schwerhörigen auch etwas davon haben. Ende der Botschaft.

Ich finde, das ist eine treffende Beschreibung. Es gäbe natürlich noch einiges mehr, aber so eine Datenplatte hat nur eine beschränkte Speicherkapazität. Lassen Sie uns den Rest ergänzen. Der Schas ist der Soundcheck des Körpers und hat sich im Laufe der Evolution einen fixen Platz erkämpft. Im Zwischenmenschlichen, in der Wirtschaft oder auch in der Kunst. Und in den verschiedensten Kulturen. Ein altes indianisches Sprichwort lautet: Wenn man seinen Schas wieder riechen kann, ist die Erkältung vorbei. Und schon hat man den Medizinmann gespart.

Sehr heikel wird es im zwischenmenschlichen Bereich. Der größte Schritt in einer Beziehung ist nicht der erste Kuss, sondern der erste Schas. Vor allem die Reaktion darauf. Aber das beschränkt sich nicht nur auf Paare. Auch innerhalb einer Gruppe muss man Fingerspitzengefühl beweisen. Da ist es hilfreich, wenn man eine passende Erklärung parat hat. Wenn Sie im Bus einen fahren lassen, dann sagen Sie: „Ich bin zwar Torwart, aber der war unhaltbar“. Glauben Sie mir, da haben Sie die Lacher auf ihrer Seite. Auch die Wirtschaft hat sich des Themas angenommen und nutzt es auf perfide Weise.

Allen voran IKEA. Das Gebläse am Eingang ist ein aphrodisierender Elch-Schas, der die Kunden in völligem Unterbewusstsein Teelichter kaufen lässt. Fahrschulen gehen ebenfalls subtil an die Sache heran. „Gas geben und die Kupplung langsam kommen lassen“. – „Wie langsam?“ – „Wie einen Schas im Theater.“

Und selbst die Medizin wird umdenken müssen. Millionen Menschen kämpfen mit Luft im Bauch und greifen verzweifelt zu Joghurtprodukten. Das bringt doch nichts. Leute, gebt euch nicht auf. Lasst sie fahren. Und die wichtigste Regel: Lachen sie. Denn aus einem traurigen Arsch kommt niemals ein fröhlicher Schas. Damit ist die Botschaft ins All komplett.

Aus dem Buch Der schwarze Kakadu

Titelbild: ZackZack

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14 Kommentare
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Schoerky
27. 06. 2022 1:42

Habe ich das Recht verstanden?
Heute zu Tage wird jeder Schas von 47 Experten analysiert und in den Medien als Erkenntnis übernommen?

Neinzuhasspredigern
26. 06. 2022 23:09

Pfui, da stinkts, haben Sie ein fahren gelassen?
Natürlich, glauben Sie etwa ich rieche immer so?

DaSchauHer
26. 06. 2022 6:39

Körper[W]elten

Wenn dein Gedärm in Emotionen wühlt
um sie dir plump im Munde
dann im Wort zu sammeln
was unverdaut noch schwer im Magen liegt
und es dir dort am tiefen Seelen-Grunde
herzlich schwer im tiefsten fühlt
kann dein Verstand nur hilflos ringend stammeln.

Artikuliert es sich dir aus dem Hintern
flatulierst du miefig gärend
stinkt es dir so richtig
scheissen Fäkalisten drauf!
– Niemand kann sie daran hindern!
Blieben Worte also ewig während
ausgesprochen, selbst die leisen
so hingegen Fürze flüchtig.
Koffer[Träger] gibt’s nicht nur auf Reisen.
Exzellenzen pfeifen drauf…

© AntonYm

(Anm: Nirgends auf der Welt stinkt es angeblich so sehr wie auf Internistenkongressen, weil in diesen Kreisen diese Form der Zurückhaltung als sehr ungesund gilt … 😉 )

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von DaSchauHer
der Beobachter
25. 06. 2022 14:46

Lieber Herr Rabensteiner, sehr guter ironischer Artikel. Eigentlich spannend, dass menschliches allzu menschliches so erheiternd sein kann. Schon der berühmte Komiker Niavarani erkannte die Publikumswirksamkeit der Thematisierung eines Darmwindes.
Auch das Printmedium Stern berichtete am 12.12.2019 von Joe Rwamirama. “Selbiger geistert gerade durch die Medien. Der Mann aus Uganda scheint eine besondere Verbrennung zu haben – seine Darmwinde sollen Mücken töten. Offenbar interessiert sich nun die Forschung für ihn”.
Ob an dieser Story was dran war, oder ob selbige abgestunken ist wie ein mitternächtlicher Schas im Wald, ist nicht überliefert…
Es muss immer heller werden!

hr.lehmann
25. 06. 2022 14:16

Bin leider vorgeschädigt, sprich traumatisiert, durch die Grundschule in Linz. Die Platzhirschen dort, leider auch die Stärksten, machten sich allesamt einen Sport daraus ihre Flatulenzen freien Lauf zu lassen und versuchten stets ihre Gegner zu übertrumpfen bezüglich Länge und Lautstärke der Darmentlüftung. Am liebsten in räumlich enger Umgebung von Mädchen und Lehrkräften. Die Ehrgeizigsten von ihnen arbeiteten auch beflissen an der Geruchsintensivität, dies sich dann auch in ihren Ernährungsgewohnheiten niederschlug. Möglichst viele hart gekochte Eier waren hier eine Art Geheimtip, damit wir alle in den täglichen Genuss von umwerfend schwefeligen Aromen kamen. Besondere Bewunderung fanden gar Probanden die es schafften mit Hilfe von Zündquellen lange Stichflammen zu erzeugen oder jene Tyrannen die gerne Opfer als Furzkissen missbrauchten.
War wirklich nicht lustig und ich hab mir seither angewöhnt
diese Form menschlicher Bedürfnisse zu unterdrücken. Im Gegensatz zu meiner Frau. 🤢

soschautsaus
25. 06. 2022 21:26
Antworte auf  hr.lehmann

Lieber Herr Lehmann,

so Idioten gibt es an jeder Schule, aber deshalb bitte nicht unterdrücken, ist nicht gesund!

Ihre Frau, macht es richtig, ich sag Ihnen mal was, mir war es als kleines Mädel auch peinlich, aber mein Opa, hat dann immer gesagt, wenns Orscherl brummt, ists Herzerl gsund.

Also passen Sie gut auf ihr Herz auf und lassen Sie es mal so richtig brummen!

Alles was keinen Zins zahlt, muß raus!

Samui
25. 06. 2022 15:17
Antworte auf  hr.lehmann

Unterdrücken ist ganz schlecht, Alter Freund, lass es raus….
Dein Internist wird mir recht geben😉

Samui
25. 06. 2022 13:19

Erheiterndes am Samstag 👍

Da lass ich gleich Einen fahren…….😃

Amberg
25. 06. 2022 11:45

Furzen ist ein Prozess. Innerhalb der Familie verursacht es Spaß. Obwohl… gelegentlich entfernten sich alle. Der Furzpolster machte Furz gesellschaftsfähig.
Danke…” Denn aus einem traurigen Arsch kommt niemals ein fröhlicher Schas.”

amour
25. 06. 2022 11:08

off topic/

Weiter unten befindet sich ein Artikelvorschlag (Bild Zadic und Nehammer) bei dem ich mir dachte : oha, hab ich mal was spannendes übersehen – aber wenn man den anklickt ist er nicht da… ?!?

https://zackzack.at/2021/09/15/die-staatsaffaere-die-nicht-stattfindet-kommentar/

amour
27. 06. 2022 0:52
Antworte auf  Bluemels Laptop

Vielen lieben Dank 🌹

Bastelfan
25. 06. 2022 10:22

Zur feier des tages entfuhren mir gleich ein paar. mittlere tonhöhe.