»Stellt bitte die Arbeiten ein«:

Gewerkschaft fordert Hitzefrei für Bauarbeiter

Ab 32,5 Grad Celsius dürfen Bauarbeiter die Arbeit im Freien einstellen – allerdings nur, wenn der Arbeitgeber das ausdrücklich anordnet. Nun appelliert die Gewerkschaft an alle Verantwortlichen. Und wie sieht es im Büro aus? Wir haben Antworten auf heiße Fragen.

Wien, 28. Juni 2022 | Die Gewerkschaft Bau-Holz Niederösterreich appelliert an die Baufirmen, ihren Mitarbeiten hitzefrei zu geben. Bei der Hitzewelle 2019 habe österreichweit jedes zweite Unternehmen – 5.245 Betriebe – diese Möglichkeit genutzt, 39.122 Bauarbeiter bekamen damals frei. “Überall dort, wo wir die 32,5 Grad Celsius an Hitze überschreiten, mein Appell an die Arbeitgeber und die Auftraggeber: Stellt bitte die Arbeiten ein”, sagte Baugewerkschafter Rudolf Silvan am Dienstag. Auch Lagerarbeiter oder Arbeitnehmer in Wäschereien sind von der Hitze besonders betroffen.

Es hängt vom Arbeitgeber ab

Er erinnerte daran, dass die Arbeitgeber hitzefrei erst anordnen müssen, ein automatisches Anrecht darauf existiert nämlich nicht. Bei Anwendung der Hitzeregelung gibt es eine Entgeltfortzahlung von 60 Prozent für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Kosten würden dem Arbeitgeber vollständig von der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) bezahlt.

Und wie sieht es im Büro aus?

Grundsätzlich gilt: Auch bei 35 Grad Celsius im Schatten gibt es keine Hitzeferien für Arbeit­nehmer­innen und Arbeitnehmer. Für ein Verlassen des Arbeitsplatzes bei zu hohen Sommertemperaturen fehlt die gesetzliche Grundlage. Trotzdem sinken Leistungsfähigkeit und Konzentration – und zwar sowohl bei körperlichen als auch geistigen Tätigkeiten. Gleichzeitig leidet die Arbeitsqualität, die Fehler­häuf­ig­keit und das Unfallrisiko steigen.

Dennoch gibt es einige Leitlinien: In Arbeitsräumen müssen raumklimatische Verhältnisse herrschen, die dem menschlichen Organismus angemessen sind, heißt es von der Arbeiterkammer. Direkte Sonneneinstrahlung durch Fensterflächen muss bei­spiels­weise mit Jalousien vermieden werden. Bei Tätigkeiten mit geringer körperlicher Belastung, wie beispielsweise Büro­arbeiten, hat die Raumtemperatur generell zwischen 19 Grad Celsius und 25 Grad Celsius zu be­trag­en. Ist eine Klima- oder Lüft­ungs­an­lage vorhanden, so sollen die 25 Grad Celsius möglichst nicht überschritten werden.

Was sonst noch gilt

Es gibt beispielsweise keine allgemein gültigen Bekleidungsvorschriften. Vorgesetzte dürfen aber Lockerungen zulassen. Werden kurze Hosen und Co. verboten oder Anzug und Kostüm zwingend vorgeschrieben, bedarf es allerdings eines guten Grundes – schließlich gilt das als Eingriff in die Privatsphäre.  Schutzkleidung, die der Sicherheit dient – wie Arbeitshelme oder feste Stiefel – müssen allerdings weiter getragen werden.

Arbeitgeber sind außerdem dazu verpflichtet, Trinkwasser durchgehend zur Verfügung zu stellen. Für Mitarbeiter, die im Freien unterwegs sind, muss Schutzausrüstung gewährleistet sein, beispielsweise Sonnencreme oder UV-abweisende Kleidung.

Übrigens: Auch wer einen privaten Ventilator am Schreibtisch aufstellen will, muss zuvor eine Betriebserlaubnis dafür einholen.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

Wir geben rund einer halben Million Menschen im Monat die Möglichkeit, sich über Österreich und die Welt zu informieren – gratis, denn wir sind überzeugt, dass möglichst viele Menschen Zugang zu unabhängiger Berichterstattung haben sollen.
Doch unsere Arbeit kostet Geld. Hinter ZackZack steht kein Oligarch, keine Presseförderung und kein Inseratengeld der Regierung. Genau das ist unsere Stärke.

Jetzt ist die richtige Zeit, uns zu unterstützen. Wenn du dir nur gelegentlich einen Beitrag leisten kannst, ermöglichst du damit jetzt gleich unabhängigen Journalismus. Wenn du kannst, werde Mitglied im ZackZack-Club! Das ist eine Investition in die Zukunft von Demokratie und Freiheit. Danke.

Lesen Sie auch

7 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare
Luna
29. 06. 2022 19:56

in anbetracht der tatsache,
dass wir beim steppentier pferd darüber reden,
bei 30-35 grad hitzefrei zu geben

wäre das natürlich eine humane und faire lösung …
es sei denn, man stellt sich vor laufende kameras und möchte offen sagen, dass menschen gefälligst schlechter behandelt werden sollten als pferde 😉

aber gut, die vp-chat einstellung (“tiere im stall”) ist ja hinlänglich bekannt

NichtAllesGlauben9
28. 06. 2022 22:45

Eine gute Idee, das werden die Italiener gleich aufgreifen

maruh
29. 06. 2022 17:54
Antworte auf  NichtAllesGlauben9

die arbeiten doch e ned wennst so extrem is

baer
28. 06. 2022 21:14

Ich halte den “Dresscode” für Leute die im Büro oder der Bank arbeiten für völlig überholt. Das ist doch einfach lächerlich, da verschwendet man lieber Strom für eine Klimaanlage anstatt den Menschen zuzugestehen sich so anzuziehen wie sie sich wohlfühlen. Was bitte ist den daran unseriös wenn ein Mann eine kurze Hose trägt? Die wahren Gauner kommen nicht in kurzer Hose und Sandalen, die tragen Anzug und Krawatte.

28. 06. 2022 17:34

An den ÖGB: “Hitzefrei” einfordern ist gut. “Hitzefrei” durchsetzen wäre besser…

John Wick
28. 06. 2022 15:15

Nachdem wir eine effektive Inflation im 2 stelligen Bereich haben, bin ich gespannt was die Gewerkschaft bei den KV Verhandlungen aus dem Hut zaubert.

Lojzek
28. 06. 2022 13:18

Des is ois wurscht …
Wichtig is nur dass da Lebakas ned leiden muss.