Samstag, Juni 15, 2024

Elon Musk bricht Twitter-Übernahme ab

Milliardär Elon Musk will Twitter nun doch nicht kaufen. Der Deal war seit Mai auf Eis gelegen. Musks Anwälte sagen, Twitter sei vertragsbrüchig geworden.

San Francisco/Palo Alto, 09. Juli 2022 | Tech-Milliardär Elon Musk hat seine Vereinbarung zum Kauf von Twitter für aufgelöst erklärt. Grund für Musks Rückzug ist laut seiner Anwälte, dass Twitter unzureichende Angaben zur Zahl von Fake-Accounts in dem sozialen Netzwerk gemacht hatte. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervor.

Zwist um Zahlen

Musk versuchte bereits seit Mitte Mai, angeblich falsche Schätzungen von Twitter zur Zahl der Spam- und Fake-Accounts zum Thema zu machen. So erklärte er den Übernahmedeal deswegen bereits für ausgesetzt. Beobachter interpretierten das als Versuch, den Preis zu drücken.

Musks Anwälte erklärten nun, Twitter habe es seit fast zwei Monaten versäumt, Musk und seinem Beraterstab die benötigten Daten zur Verifizierung der Angaben zu Fake-Accounts zu liefern. Sie bezeichnen das als einen derart schweren Bruch der Vertragsbedingungen, dass die Kaufvereinbarung aufgelöst werden könne.

Twitter will Musk nicht auslassen

Doch so einfach dürfte Musk nicht aus dem Schneider sein. Es droht ein langwieriger Rechtsstreit. Er und Twitter haben eine Strafe von einer Milliarde Dollar vereinbart, falls eine Partei vom Deal zurücktritt. Das Gesamtvolumen des Vorhabens hätte sich auf rund 44 Milliarden Dollar (43,22 Milliarden Euro) belaufen.

Doch wenn Twitter auf Vollzug pocht, dürfte es für Musk rechtlich trotzdem schwierig werden. Das Unternehmen hatte wiederholt betont, dass es den Deal durchsetzen wolle. Das Twitter-Management erklärte nun in einer ersten Reaktion, man werde Rechtsmittel einlegen, um die Übernahme doch durchzuziehen.

Umstrittene Pläne

Musk hatte viel mit Twitter vor und hatte versprochen, es „besser zu machen als jemals zuvor“. So hatte er angekündigt, das 16 Jahre alte Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen. Zugleich hatte er erklärt, Twitter zu einem Hort der Meinungsfreiheit machen zu wollen und auch den verbannten früheren US-Präsidenten Donald Trump wieder auf die Plattform zu lassen. Verbraucherschützer hatten die Sorge geäußert, dass bei Twitter unter Musk zu wenig gegen Hassrede und Falschinformation getan werden könnte.

Die Zahl der Twitter-Nutzer wollte Musk von zuletzt rund 229 Millionen auf eine Milliarde steigern. Die Zahl der Mitarbeiter von zuletzt rund 7.500 Mitarbeiter wollte er indes reduzieren. “Im Moment übersteigen die Kosten die Einnahmen”, hatte er erklärt. Wer für das Unternehmen relevant sei, habe aber nichts zu befürchten.

Langwieriges Hin und Her

Das große Hin und Her rund um Twitter hatte Anfang April ihren Anfang genommen. Damals hatte Musk in einem Börsendokument bekannt, gegeben für knapp 2,9 Milliarden Dollar (2,85 Milliarden Euro) 73,5 Millionen Twitter-Aktien gekauft zu haben. Das machte ihn zum größten Twitter-Aktionär. Am folgenden Tag kündigte Twitter-Chef Parag Agrawal an, dass der Gründer des Elektroautobauers Tesla in den Verwaltungsrat der Online-Plattform einziehen soll. Weniger als eine Woche später gab Agrawal dann aber bekannt, dass Musk sich gegen einen Sitz im Verwaltungsrat entschieden hat. “Ich denke, das ist das Beste”, fügt der Twitter-Chef hinzu.

Drei Tage später startete Musk plötzlich den Versuch einer feindlichen Übernahme: Er wollte alle Aktien von Twitter zu kaufen und die Online-Plattform von der Börse nehmen. Twitter kündigte an, sich gegen eine Übernahme wehren zu wollen. Kurz darauf die große Wende: Twitter und Musk verkündeten eine Vereinbarung zum Kauf der Onlineplattform für 44 Milliarden Dollar. Mitte Mai kündigte Musk überraschend einen vorübergehenden Stopp der Twitter-Übernahme an. Mitte Juni schien Musk noch entschlossen, die Plattform zu kaufen. Am 8. Juli ließ Musk den Deal dann platzen.

(apa/pma)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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