Freitag, Juni 14, 2024

Straches Ex-Klubchef will Präsident werden

Einst sorgte Walter Rosenkranz als FPÖ-Klubchef unter Türkis-Blau für den einen oder anderen Eklat im Parlament. Jetzt will der Volksanwalt, der sich gerne mit Corona beschäftigt, Präsident werden.

Wien, 13. Juli 2022 | Walter Rosenkranz wird für die FPÖ bei der Präsidentschaftswahl am 9. Oktober in den Ring steigen. Das gab die Parteispitze am Dienstag bekannt. Wer ist der Mann?

Eklats im Parlament

Selbst mit lautem Geschrei bleibt Rosenkranz noch beim „Sie“: Einst brüllte der FPÖ-Politiker im Nationalrat gegen Jörg Leichtfried von der SPÖ, der sich den damaligen Innenminister Herbert Kickl vornahm. Rosenkranz: „Ihre Frechheit… Sie Rotzbube!“

https://twitter.com/JurgenKlatzer/status/1546945685664272385

Auch als Rosenkranz ein Foto Alexander Van der Bellens mit Identitären-Kopf Martin Sellner im Nationalrat auspackte, gingen die Wogen hoch. In der Debatte über die Verbindungen des Christchurch-Attentäters ins rechtsextreme österreichische Milieu, etwa zu Sellner selbst, wurde Rosenkranz vorgeworfen, Bundespräsident Van der Bellen mit Terrorismus in Verbindung zu bringen.

Ein hastig gemachtes Selfie (VdB und Sellner auf der Wiener Mariahilferstraße) sei nicht dasselbe wie beispielsweise ein Umtrunk HC Straches mit Identitären, hieß es aus den Reihen der Opposition. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka ignorierte damals zunächst Rufe nach einem Ordnungsruf, setzte dann aber eine „Steh-Präsidiale“ ein – aber nicht wegen Rosenkranz, sondern wegen der aufgebrachten Stimmung.

Rosenkranz Überraschungskandidat

Jetzt, Jahre nach dem Fall der türkis-blauen Koalition will der Volksanwalt in die Präsidentschaftskanzlei einziehen und ausgerechnet den Grünen Van der Bellen beerben. Für die Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober ist der 59-jährige Niederösterreicher auf Vorschlag von Parteichef Kickl vom Parteipräsidium nominiert worden. Das Ergebnis sei einstimmig ausgefallen, so Kickl in einer Aussendung. Am Mittwoch präsentiert man den Bewerber in einer Pressekonferenz.

Zuletzt gab es Gerüchte um die blaue Verfassungssprecherin Susanne Fürst, Ex-ORF-Stiftungsrat Norbert Steger oder seine Tochter Petra Steger, die für die FPÖ im Parlament sitzt. Auch “Krone”-Kolumnist Tassilo Wallentin wurde gehandelt.

Viel Konkurrenz von Rechtsaußen

Der niederösterreichische Jurist saß von 2008 bis 2019 im Parlament. In der Zeit der türkis-blauen Koalition von Sebastian Kurz (ÖVP), 2017 bis 2019, war er geschäftsführender Klubobmann der FPÖ. Er teilte sich die Aufgabe mit Ibiza-Darsteller Johann Gudenus. Seit 1. Juli 2019 ist er Volksanwalt. Als solcher beschäftigt er sich gerne mit Corona-Beschwerden. Das Wissen dürfte er auch für seinen Wahlkampf nutzen. Rosenkranz wird sich wohl vor allem gegen die Corona-Maßnahmen und die Russland-Sanktionen positionieren.

Der FPÖ-Mann ist nicht verwandt mit Barbara Rosenkranz, die 2010 als Präsidentschafts-Kandidatin der FPÖ antrat und enttäuschende 15,24 Prozent einfuhr. Rosenkranz wird aufgrund der fragwürdigen Konkurrenz aus dem rechten Spektrum als vergleichsweise gemäßigter Kandidat wahrgenommen – bislang zumindest. Er dürfte aber vor allem mit dem Ex-BZÖ-Politiker und „Oe24“-Enfante Terrible Gerald Grosz oder etwa mit Michael Brunner von der Impfgegner-Partei MFG um Stimmen im gleichen Teich fischen.

Ob Rosenkranz ein Ergebnis wie Norbert Hofer, der letzte blaue Hofburg-Kandidat, einfahren kann, ist fraglich. 2016 schaffte Hofer im ersten Wahlgang satte 35,05 Prozent, in der wiederholten Stichwahl unterlag er Van der Bellen nur mit 46,21 Prozent. Hofers Bekanntheitsgrad dürfte damals allerdings wesentlich höher gewesen sein als der aktuelle von Rosenkranz.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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