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Wie runter mit der Stromrechnung?

Andere Länder tun es längst, Österreich hinkt hinterher: Strompreisdeckel können Haushalte entlasten und die Inflation dämpfen. Die neue Folge der MOMENTUM-Kolumne.

Marie Hasdenteufel

Wien, 16. Juli 2022 | Die Teuerung klettert hierzulande mit 7,7 Prozent im Mai stetig nach oben. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Auch im restlichen Europa ist die Inflation hoch. Aber einigen Ländern gelingt es wesentlich besser, die Teuerung abzubremsen. In Frankreich liegt sie mit 5,8 Prozent ein Stück weit niedriger, im Nachbarland Schweiz deutlich: nur 3,4 Prozent.

Schaut man genauer hin, erkennt man: Jene Länder, die die Teuerung am besten abbremsen, greifen auch in den Energiemarkt ein. Frankreich hat seinen Quasi-Strommonopolisten „Electricité de France“ angewiesen, die Preise am Oktober-Niveau zu fixieren. Die Preiserhöhungen für Haushaltskunden bei Strom und Gas sind somit begrenzt. Zusammen mit Steuersenkungen auf den Endverbrauch senkte das die Inflationsrate um 1,5 bis zwei Prozentpunkte, sagen französischer Wirtschaftsforscher:innen. Auch für Österreich gäbe es zumindest drei Möglichkeiten, die Stromrechnung drastisch zu senken und die Inflation zu bremsen.

Ein großer Teil der Inflation ist importiert. Aber der Preisanstieg beim Strom – der ist zu einem großen Teil hausgemacht. Die Ursache dafür liegt in der Preissetzung am Strommarkt, dem Merit-Order-Prinzip: Das letzte, teuerste, Kraftwerk am Markt, das zur Deckung des Gesamtbedarfs benötigt wird, bestimmt den Strompreis für alle. Es ist meist ein aktuell sehr teures Gaskraftwerk. Auf das Merit-Order-Prinzip haben sich Österreich mit den anderen EU-Ländern politisch verständigt. Genauso lässt es sich aber wieder ändern.

Variante 1: Den tatsächlichen Strommix verrechnen wie die Schweiz

Abschauen könnte man sich dabei etwas von der Schweiz: Schweizer Haushalten wird nämlich der tatsächliche Strommix verrechnet. Erneuerbare Energie, die in der Schweiz extrem gut ausgebaut ist, verbilligt die Stromrechnung deutlich – selbst, wenn es noch Gaskraftwerke braucht.

Das Ergebnis: Der Strompreis ist niedriger und nicht an die Schwankungen am internationalen Gasmarkt gekoppelt. Würde auch in Österreich der tatsächliche Strommix verrechnet, könnte die nächste Stromrechnung im Idealfall um bis zu 60 Prozent niedriger ausfallen.

Variante 2: Den Gaspreis deckeln wie Spanien oder Portugal

Den Preisen einen Deckel aufsetzen könnte man auch direkt beim Gas: Spanien und Portugal deckeln den Preis für jenes Gas, das für die Stromproduktion verwendet wird. Auch für Österreich würde ein solcher Preisdeckel die Strompreise deutlich reduzieren. Wird der Gaspreis für Kraftwerke auf 100 Euro pro Megawattstunde Gas gesetzt, reduziert sich der Strompreis um rund 40 Prozent. Niedrigerer Deckel, größerer Effekt.

Allerdings: Das österreichische Stromnetz hängt wesentlich dichter am europäischen als jenes der Iberischen Halbinsel. Prescht Österreich wie Spanien im Alleingang vor, würde der Export des billigen Stroms nach oben schießen. Und die heimische Stromproduktion mittels teuren Gaskraftwerken hochgefahren, um den Bedarf zu decken – klimapolitisch problematisch.

Umsetzen könnte man die spanische Variante sofort auf europäischer Ebene. Macht Europa aber nicht mit, müsste sich Österreich eine eigene Lösung ausdenken. Für alle grenzüberschreitenden Stromflüsse sollte der höhere europäische Preis gelten, innerhalb der Landesgrenzen aber der gedeckelte nationale Preis. Für die Details eines solchen Systems ist noch Hirnschmalz nötig. Unmöglich ist es aber keineswegs, sofern die Politik willens ist.

Variante 3: Deckel für den Grundbedarf

Wem die Schweiz oder Spanien zu weit weg ist, der kann auch nur über Österreich nachdenken. Den Haushalts-Grundbedarf an Strom könnte man dafür mit einem Fixpreis deckeln – Verbrauch, der darüber hinausgeht, weiterhin mit dem Marktpreis verrechnen. Der Betrieb alltäglicher Geräte wie Kühlschrank oder Waschmaschine bleibt leistbar. Wer weit mehr verbraucht, weil er etwa seinen Pool heizt, zahlt auch deutlich mehr. Der Anreiz zum Energiesparen bliebe dadurch erhalten.

Alle drei Varianten können die Stromkosten deutlich reduzieren. Das ist wichtig, denn während Stromkonzerne, die erneuerbar produzieren, aufgrund des Merit-Order-Prinzips momentan enorme Übergewinne einfahren, schultert die Allgemeinheit die Kosten dafür. Nicht nur die Energierechnungen steigen. Als wichtiger Produktionsfaktor steckt Strom in so gut wie jedem Produkt, auch das restliche Leben wird teurer. Strom treibt die Inflation also direkt und indirekt. Eine Lösung muss her.

Marie Hasdenteufel, aus Karlsruhe stammend, hat es nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt nach Wien verschlagen. Am Momentum Institut forscht sie zur Einkommens- und Vermögensverteilung sowie zum Arbeitsmarkt. In Wien hat sie den Master in Economics an der Wirtschaftsuniversität absolviert.

Titelbild: APA Picturedesk

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21 Kommentare
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Oarscherkoarl
16. 07. 2022 21:46

Ob heute wieder ein fetter Cobra-Libre ein Auto zerstört? Immerhin ist der Cuck-old Karl zurück von seiner Reise in die “wichtigen” Länder.
Die Rauschkind-Kathi hat also wieder einen Grund mit den Cobra-Libre zu saufen und zu vögeln.
Hietzinger stellts eure Kraxn in die Garage!

Sig
16. 07. 2022 20:09

Gibt’s irgendjemanden, der sich punkto Umfrageergebnisse nicht verarscht fühlt?

Wir sind WAHLVIEH für die! Lenkbar, stupide und ein Langzeitgedächnis wie ein Goldfisch!

Es wird Zeit, den Narrischen das Gegenteil zu beweisen….

Zuletzt bearbeitet 2 Monate zuvor von Sig
Sig
16. 07. 2022 20:06

Andere Umfrage, anderes Ergebnis….Da hat er wohl nicht gezahlt. Aber das wird noch, garantiert:

https://www.oe24.at/oesterreich/politik/umfrage-bundespraesident-vdb-im-vertrauens-tief/524660258

Sig
16. 07. 2022 20:04
Sig
16. 07. 2022 20:04
nikita
16. 07. 2022 22:37
Antworte auf  Sig

Und wieder einmal hat der Bachmayer nur eine Onlinebefragung und keinen Befragungsmix durchgeführt.
Deshalb ist er schon aus dem Verband rausgeflogen.

Zuletzt bearbeitet 2 Monate zuvor von nikita
Sig
16. 07. 2022 22:42
Antworte auf  nikita

Ja, und abgesehen davon.. Es könnt ned offensichtlicher werden, dass da jemand gut dastehen will und sich das wohl auch was kosten lässt.

nikita
16. 07. 2022 22:54
Antworte auf  Sig

Das Übliche, leider.

Sig
16. 07. 2022 19:51

“NEUWAHLEN!!!”

Sig
16. 07. 2022 19:51

Die Mehrheit der Österreicher/innen ist FÜR vorgezogene Neuwahlen, laut der neuesten Umfrage. Steht sogar im Kurier, dem regierungskonformsten Blatt Österreichs…. Gleich nach der Krone.

Ist euch das keinen Artikel wert, zackzack?

der Beobachter
16. 07. 2022 19:13

Liebe Frau Hasdenteufel, prägnant, intelligent und absolut richtig analysiert. Das nicht zu bewältigende Problem dabei stellt aber leider unsere Hassinkompetenzkorrupionskoalitionsregierung dar. Selbige ist derzeit mit Urlaubstätigkeiten beschäftigt…
Es sollte dringend heller werden!

Sig
16. 07. 2022 14:49

Die ÖVP begeht einen politischen und wirtschaftlichen Suizid! Und es ist nicht genug, sich selbst zu killen durch die korrupten Verstrickungen, die zu Fallstricken werden…(Die Menschen, von denen die ÖVP abhängig ist haben eben nicht die Kompetenzen ein Land wirtschaftlich abzusichern… Da gilt das Gesetz: “Jeder steht sich selbst am nächsten”)
Nein, sie nehmen ganz Österreich mit in den Abgrund.

Es ist auf jede nur erdenkliche Weise unklug, jetzt nicht regulierendeinzugreifen mit einer rigide Preispolitik!

“NEUWAHLEN!!!”

Kritiker123
16. 07. 2022 12:22

Eine Strompreisdeckelung interessiert die ÖVP überhaupt nicht. Denn die Landesgesellschaften der EWirtschaft liefern einen guten Teil der satten Überschüsse an die jeweiligen Länder zur Budgetaufbesserung.

Natürlich auf Kosten der Stromkunden!

Aber das stört einen gestandenen Landeshauptmann nicht. Denn aufgrund der dadurch erhöhten Landesbudgets kann er sich mit spärlichen Einmalzahlungen ganz persönlich als gnädiger und splendabler Landesvater aufspielen.

Mit dem Geld, das vorher den Bürgern über unverschämt hohe Stromrechnungen abgeknöpft wurde. So funktioniert Landespolitik in Österreich!

baer
16. 07. 2022 12:05

Variante 1: Die Schweiz hat Atomkraftwerke produziert daher kaum Strom aus Gas. Würde für die Atomkraft der tatsächliche Preis verlangt, wäre der Atomstrom unbezahlbar, die Inflation in der Schweiz um ein vielfaches höher. Variante 2: Den Gaspreis für die Stromproduktion deckeln würde heißen, dass der Steuerzahler den Strompreis subventioniert während die Stromproduzenten weiterhin Übergewinne machen. Luxushaushalte die sehr viel Strom verbrauchen, würden auf Kosten der Allgemeinheit sparen.

Variante 3: Das einzig sinnvolle ist die Deckelung der Stromrechnung damit der Grundstrombedarf für alle Haushalte gleich viel kostet. Wer mehr verbraucht zahlt für den Mehrverbrauch einen höheren Preis. Weil ärmere Haushalte häufig nicht effizient Strom sparen können müsste man hier durch Zuschüsse die Mehrkosten abfedern bzw. die Anschaffung neuer E-Geräte massiv fördern. Auszahlung müsste über die Finanzämter erfolgen, das wäre unbürokratisch und kostensparend.

baer
16. 07. 2022 12:06
Antworte auf  baer

Nachtrag: Man müsste aber auch eine Lösung für die Wirtschaft finden.

Amberg
16. 07. 2022 18:53
Antworte auf  baer

Variante 3 ist sinnvoll.

accurate_pineapple
16. 07. 2022 11:58

Die schwarze Brut mit den grünen Beiwagerl wird die Methode wählen, die auch für die Reichsten zuträglich ist und weiter abcashen können . Der Pöbel darf nicht Hauptprofiteur sein, es müssen die Energiekonzerne bleiben.
So geht ÖVP.

wolfi
16. 07. 2022 11:51

Meine Variante: Spanien kauft so viel russisches Gas wie noch nie
Frage an Leonore: wie gibt es das?

wolfi
16. 07. 2022 11:37

Variante 3: Wird auch in Ungarn angewandt!

Lojzek
16. 07. 2022 10:26

Deckel hin Deckel her, wenn die Einkommen massiv hinterher hinken wird der Deckel ah nix bringen, da anzunehmen ist, dass der Deckel erst auf verhältnismäßig hohem (also viel zu spät) Niveau draufkommt.

Feyerabend
16. 07. 2022 10:16

Frankreich hat die hoch verschuldete EDF verstaatlicht, sofort nachdem die EU Atomstrom als grün eingestuft hat (EDF produziert massenhaft Atomstrom). Daher kann der Staat den Preis bestimmen.