Freitag, Juli 19, 2024

»CO2-neutrale Flüge«: Werberat rügt AUA für irreführende Werbung

»CO2-neutrale Flüge«:

Der Werberat hat die Austrian Airlines für Werbung gerügt, die suggeriert, dass es Passagieren möglich sei, vollkommen CO2-neutral zu fliegen.

Wien/Schwechat, 29. August 2022 | Der Österreichische Werberat hat eine Werbung der Austrian Airlines (AUA) zu angeblichen “CO2-neutralen” Flügen von Wien nach Venedig kritisiert. Der Rat hat festgestellt, dass die AUA missverständlich kommuniziert und Konsumenten damit möglicherweise in die Irre geführt hat. Auch die Recherche-Plattform “Inspektorin Grün” und ZackZack hatten sich mit dem Fall bereits beschäftigt.

Er sieht außerdem den Ethik-Kodex der Branche “nicht ausreichend sensibel umgesetzt” und fordert die AUA auf, “in Zukunft bei der Gestaltung von Werbemaßnahmen sensibler vorzugehen,” heißt es in einer Entscheidung des Werberats.

Beworbene CO2-Neutralität nicht Realität

Bei der Werbung wird ein Flug mit den Worten “CO2-neutral zur Biennale fliegen? Für uns keine Kunst!” mit einem nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel/SAF) angepriesen. Der Überbegriff „SAF“ für Bio- und synthetische Treibstoffe ist dabei nicht ausreichend erklärt worden, kritisierte Eric Stam, der Dozent an der Schule für Luftfahrt ist. Laut des globalen Netzwerks “Stay-Grounded” hat er die Beschwerde beim Werberat eingereicht. Bio-Treibstoffe seien nicht CO2-neutral und hätten je nach Rohstoff, der dafür verwendet wird, ein Einsparungspotential, das von 70 bis 80 oder 85 Prozent reichen könne, schrieb Stam in seiner Beschwerde.

“Die Werbung suggeriert, dass SAF selbst CO2-neutral sei, und die Worte ‚100 Prozent SAF‘ implizieren, dass nur SAF für den Flug verwendet werden”, so Stam weiter. Der Begriff SAF sei zu allgemein und die Werbung führe Laien so in die Irre, so der Luftfahrt-Experte sinngemäß.

Werberat: „Missverständliche Aussagen“

Auch der Werberat sieht die Reklame kritisch. Sie beinhalte Begriffe und Aussagen, die für den durchschnittlichen Konsumenten “nicht geläufig sind, nicht näher erklärt werden und deshalb auch missverstanden werden könnten”. Weiters werde nicht erklärt, wie genau die CO2-Neutralität erreicht werden soll oder, dass ein nachhaltiger Treibstoff bestenfalls eine Emissionsreduktion von derzeit maximal 80 Prozent ermögliche.

Es werde suggeriert, dass der beworbene Flug CO2-neutral sei, wodurch “eine Irreführung in Bezug auf klimaneutrales Fliegen entstehen könnte, dies jedoch (noch) nicht möglich ist,” so der Rat weiter, der der AUA eine “sensiblere Gestaltung und eine präzisere Ausformulierung” empfiehlt.

AUA: „Nehmen Entscheidung zur Kenntnis“

Die AUA nimmt die Entscheidung des Werberats “zur Kenntnis”, heißt es gegenüber der APA. Allerdings sei es im Online-Buchungsprozess für Kunden “tatsächlich möglich, die eigene Reise CO2-neutral zu gestalten”, so die Airline. Dazu biete man umfangreiches Informationsmaterial an, das Erklärungen zu SAF sowie zum Einsparungspotenzial liefere und auf einer dem Werbesujet hinterlegten Website abrufbar sei.

“Gleichwohl suggeriert Austrian Airlines nicht, dass der Kauf von SAF alle durch die Luftfahrt verursachten Klimaprobleme unmittelbar beseitigen würde, wie vom Beschwerdeführer behauptet”, so die Airline. Man sei sich der Verantwortung der Luftfahrt im Hinblick auf den Klimawandel bewusst.

(pma/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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