Mittwoch, Mai 29, 2024

Gorbatschow-Begräbnis ohne westliche Politiker

Das ist eine Unterüberschrift

Am Samstag wird der ehemalige Sowjetpräsident Michail Gorbatschow begraben. Es nehmen weder Putin noch führende EU-Politiker teil – nur Orbán kommt.

Moskau, 03. September 2022 | In Moskau hat am Samstag die Trauerfeier für den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow begonnen, der am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Russlands Präsident Wladimir Putin nahm nicht teil.

Kein Staatsbegräbnis

Am frühen Nachmittag soll der frühere Staats- und Parteichef auf dem Moskauer Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster in der Nähe des Stadtzentrums neben seiner Frau Raissa bestattet werden. Ein Staatsbegräbnis gibt es nicht – anders als nach dem Tod des Präsidenten Boris Jelzin (1931-2007).

Österreich wird durch den Geschäftsträger der Botschaft in Moskau vertreten. Dies werde so auch von vielen anderen EU-Staaten gehandhabt, verlautete aus dem Außenministerium auf Anfrage der APA.

Orbán kommt, kein Treffen mit Putin

Aus der EU kündigte nur der wegen seines Russland-Sonderweges in der Kritik stehende Viktor Orbán sein Kommen an. Der rechtsnationale Premier Ungarns reiste laut seinem Sprecher am Samstag nach Moskau. Der als Freund von Russlands Präsident Wladimir Putin bekannte Orbán wurde demnach von einer vierköpfigen Delegation begleitet. Ein Treffen der beiden Staatsmänner sei aber nicht geplant, hieß es im Kreml.

Für viele ausländische Politiker wäre eine Teilnahme an dem Begräbnis ohnehin nicht möglich gewesen, weil sie von russischer Seite als Reaktion auf die westlichen Sanktionen mit Einreiseverboten belegt wurden. Gesperrt ist zudem der Luftraum in Russland für Flugzeuge aus “unfreundlichen EU-Staaten”. Deshalb werden vor allem ausländische Botschafter und Diplomaten von Gorbatschow Abschied nehmen.

Keine führenden westlichen Politiker dabei

Orbán, der selbst als anti-westlicher Regierungschef auftritt, wird von seinen Kritikern eine zu starke Moskau-Nähe vorgeworfen. Unter anderem hat Ungarn als einziges EU-Land seit Beginn des Ukraine-Krieges den Gas-Bezug aus Russland erhöht. Sonst kamen keine führenden Politiker aus dem Westen zu dem Begräbnis. Hintergrund sind die Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Terminprobleme bei Putin

Putins Sprecher Dmitri Peskow begründete die Nicht-Teilnahme des russischen Präsidenten an den Trauerfeiern mit Terminproblemen. Putin hatte Gorbatschow an dessen Sarg am Donnerstag die letzte Ehre erwiesen.

Gorbatschow kritisierte als Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung “Nowaja Gaseta” unter anderem Beschränkungen der Pressefreiheit und andere autoritäre Machtzüge unter Putin. Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew zeigte sich jedoch bei den Trauerfeiern.

Kontroverse Figur Gorbatschow

Gorbatschow galt als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und als einer der Väter der Deutschen Einheit. Unter seiner Führung schloss die Sowjetunion in den 1980er Jahren mit den USA wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle. In seiner Heimat leitete er als Generalsekretär der Kommunistischen Partei mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einen beispiellosen Reformprozess ein.

Der politische Prozess führte letztlich zu einem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums. Viele Politiker und Bürger Russlands sehen Gorbatschow deshalb als “Totengräber der Sowjetunion”, der Russland damals ins Chaos stürzte. Vor allem im Osten Deutschlands genoss “Gorbi” wegen der Öffnung des kommunistischen Systems und des von Moskau damals zugelassenen Mauerfalls großes Ansehen. Sein Tod löste international Trauer aus.

(apa/red)

Titelbild: EVGENIA NOVOZHENINA / AFP / picturedesk.com

Stefanie Marek
Stefanie Marek
Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.
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10 Kommentare

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nikita
4.9.2022 0:11

Die EU müsste eine Gedenkfeier für Gorbi ausrichten um zu zeigen wie viel er auch für den Westen getan hat. Unter anderem war er es der die Deutsche Einheit möglich machte. Außerdem wäre es die beste Gelegenheit dem russischen Volk zu zeigen, dass es Putin ist der verabscheuenswürdig ist und nicht die Bevölkerung.

Zuletzt bearbeitet 1 Jahr zuvor von nikita
baer
4.9.2022 8:46
Antworte auf  nikita

Ja eigentlich unglaublich. Ich hätte nie gedacht, das Gorbi einmal so wenig Ehre erfährt. Für mich war das ein Held.

nikita
4.9.2022 8:58
Antworte auf  baer

👍

ManFromEarth
4.9.2022 0:13
Antworte auf  nikita

👍🏻 genau das sollte es sein…..!

3.9.2022 14:01

Der Westen hätte kommen sollen ( müssen).
Allein schon um Putin zu zeigen, welch geschätzter Staatsmann Gorbatschow war.
Ihm Gegensatz zu Putin.

Oarscherkoarl
3.9.2022 23:13
Antworte auf 

die hätten wohl kein Visum bekommen. Wissens eh Zeit zu kurz und bla bla

Republikaner
3.9.2022 19:56
Antworte auf 

Ich hab nur eine Frage wo waren die Botschafter der EU.
Das wäre ein Auftritt gewesen .
Der Botschafter war anwesend
habs gerade gelesen.

Zuletzt bearbeitet 1 Jahr zuvor von Republikaner
Lash Centuri
3.9.2022 18:06
Antworte auf 

Putin war auch ein geschätzter Staatsmann im Westen.

Oarscherkoarl
3.9.2022 23:15
Antworte auf  Lash Centuri

Von Schröder und den Mascherl-Trottel von uns. Was soll man dazu noch sagen?

3.9.2022 18:29
Antworte auf  Lash Centuri

Das stimmt leider auch…….doch heute weiß man das das falsch war. Spät aber doch.

Zuletzt bearbeitet 1 Jahr zuvor von Samui

Jetzt: Spionage in der "Russencity"

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