Tirol-Wahl

An diese Parteien verlor die ÖVP Stimmen

Die Wählerstromanalyse der Tiroler Landtagswahl zeigt: Die ÖVP verlor ihre Stimmen in erster Linie an die SPÖ. Letztere konnte aber ebenso viele Wähler nicht mehr überzeugen. Frauen wählten vor allem rechts.

Innsbruck, 26. September 2022 | Mit einem Minus von fast zehn Prozentpunkten auf nur noch 34,7 Prozent der Stimmen fuhr die Tiroler ÖVP unter Anton Mattle ihr schlechtestes Wahlergebnis in der Geschichte der Zweiten Republik ein.

Aus der SORA-Wählerstromanalyse im Auftrag des ORF geht nun hervor: Außer an die Grünen hat die Volkspartei an alle Parteien Stimmen verloren. 4.000 ehemalige ÖVP-Wähler von 2018 gingen 2022 gar nicht mehr wählen. Man konnte aber auch 8.000 frühere Nichtwähler für sich gewinnen. Besonders hoch war der Verlust in der Heimatgemeinde des ehemaligen Landeshauptmanns Günther Platter, Zams: Dort verlor man fast 20 Prozent der Stimmen.

SPÖ gewinnt ÖVP-Stimmen – Verliert genauso viele

Mit 16.000 Stimmen aber die SPÖ die meisten enttäuschten ÖVP-Wähler abholen. Dass die Tiroler Sozialdemokraten unter Georg Dornauer – er wird bereits als neuer Vize-Landeshauptmann gehandelt – aber nur minimal dazugewinnen konnten und sogar auf Platz 3 hinter die FPÖ zurückgefallen sind, liegt vor allem an den eigenen Wähler-Verlusten. Zwar konnte die SPÖ 61 Prozent der Wähler von 2018 mobilisieren, verlor aber 6.000 Stimmen an die Liste FRITZ und 3.000 an die Grünen. Zudem entschieden sich 6.000 Wähler, die 2018 noch rot gewählt haben, diesmal gar nicht ,mehr wählen zu gehen.

FPÖ überzeugte die meisten Nichtwähler

Die FPÖ überzeugte rund 72 Prozent ihrer Wähler von 2018 erneut und konnte zudem 15.000 Nichtwähler mobilisieren. Von der ÖVP wanderten 9.000 Stimmen zu den Freiheitlichen. Sie verlor jedoch auch Stimmen an die ÖVP (5.000), SPÖ (3.000) und an die Nichtwählerschaft (4.000).

Die Grünen konnten rund 58 Prozent ihrer Wähler von 2018 mobilisieren. Sie gewannen vor allem von ehemaligen Nichtwählern (1.000 Stimmen) und verloren je 3.000 Stimmen an die ÖVP und NEOS.

Zugewinne für Liste FRITZ und NEOS

Die Liste FRITZ, die mit einem Plus von 4,4 Prozent die meisten Stimmen dazugewinnen konnte, überzeugte 11.000 (65 Prozent) ihrer Wähler von 2018 erneut. Zugewinne erzielte die Liste von Fritz Dinkhauser vor allem von der ÖVP und der SPÖ (je 6.000 Stimmen). Stimmenverluste gehen vor allem an die NEOS (2.000).

Die NEOS wiederum konnten 40 Prozent ihrer Wähler von 2018 wieder für sich gewinnen. Weitere 5.000 Stimmen kamen von der ÖVP – damit gewannen die NEOS von der ÖVP mehr Stimmen als sie an die ÖVP verloren.

Frauen wählten rechter als Männer

Auch das Wahlverhalten nach Geschlecht wurde vom SORA-Institut analysiert. Mit folgender Erkenntnis: Frauen blieben der ÖVP im Vergleich zu 2018 eher treu als Männer. Mit 38 Prozent wählten somit im Jahr 2022 mehr Frauen als Männer (31 Prozent) die Volkspartei.

Auch die FPÖ konnte Frauenstimmen für sich gewinnen. Waren es 2018 noch neun Prozent der Frauen, die blau gewählt haben, waren es 2022 nun bereits 16 Prozent. Die großen Verlierer von weiblichen Stimmen sind die SPÖ und die Grünen mit jeweils einem Minus von fünf Prozentpunkten.

Bei den Männern hat – so wie die ÖVP – auch die FPÖ mit einem Stimmenverlust bei den Männern zu kämpfen. Nachdem 2019 noch 24 Prozent der Männer FPÖ gewählt haben, waren es 2022 nur mehr 22 Prozent.

(mst)

Titelbild: BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com

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