Sonntag, April 21, 2024

Wlazny »unverbraucht« in der Wolfs-Höhle – »ZiB2«

»ZiB2«

Der Auftritt von Präsidentenkandidat Dominik Wlazny in der „ZiB2“ war zweifelsohne anders als der seiner Kontrahenten. Kaum einstudierte Phrasen, eingestandene Fehler und das Zugeben eines „Gesetzesbruchs“. Ein stark aufgelegter Armin Wolf brachte ihn trotzdem an seine Grenzen.

Wien, 28. September 2022 | Wenn man auf die sieben “ZiB2”-Interviews der Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl zurückblickt, wird man besonders zwei in Erinnerung behalten. Das des “Krone”-Kolumnisten Tassilo Wallentin und das von Bierpartei-Chef Dominik Wlazny.

Beide Interviews wurden von Armin Wolf geführt. Beide Kandidaten wurden an ihre Grenzen gebracht. Der Unterschied: Wie gut gecoached die beiden auf die kritischen Fragen Wolfs reagierten beziehungsweise vorbereitet waren.

Auf die Einstiegsfrage von Wolf, ob Wlazny ein besseres Staatsoberhaupt als Alexander Van der Bellen sei, führte der Bier-Parteichef ein sichtlich vorbereitetes Statement an: So schilderte er seinen Werdegang und erklärte, dass er „unverbraucht“ und unabhängig“ sei. Am Ende ging er auf die Frage direkt ein (Antwort: „Ja“). Das war aber auch schon die letzte einstudierte Antwort von Wlazny.

Denn es folgten für den Rest des Interviews Antworten, die auch direkt zu den Fragen passten – wenn auch mit einigen Pausen zum Nachdenken. Der große Unterschied zum Kontrahenten Wallentin, der unter ähnlichen Bedingungen bei Wolf Platz nahm, kristallisierte sich besonders bei einer Frage an Wlazny heraus.

Eine Seltenheit in “ZiB2”: “Tut mir leid”

Während Wallentin damit konfrontiert wurde, dass in seinen Kolumnen zahlreiche „falsche Fakten“ präsentiert würden, reagierte der “Krone”-Autor ohne Schuldeinsicht. Als Wolf ihm mehrere belegte Beispiele aufzählte, in denen Wallentin falsche Behauptungen verbreitet habe, antwortete der rechte VdB-Herausforder patzig: „Wie auch immer. Es ist jedenfalls richtig, was ich geschrieben habe.“

Auch Wlazny wurde am Dienstagabend in der „ZiB2“ hart in die Mangel genommen. So wurde er mit einem Zitat konfrontiert, wonach er behauptete, dass der amtierende Bundespräsident Alexander Van der Bellen sich nicht zur Abschiebung von Tina geäußert hätte.

Wolf legte dem Bierpartei-Chef jedoch ein scharfes Statement des Bundespräsidenten zur – später als rechtwidrig beurteilten – Außerlandesbringung des Mädchens vor. Im Gegensatz zu Wallentin gestand Wlazny dann seinen Fehler ein. „Tut mir leid, ich habe dieses Statement nicht im Kopf gehabt“, räumte der Bier-Parteichef ein.

Bei der Frage, ob Wlazny „illegale Drogen“ konsumiere, zeichnete sich ein ähnliches Bild. Zuerst antwortete er mit „Nein“. Etwas kleinlaut gestand er kurz darauf jedoch ein, einmal „einen Joint geraucht“ zu haben. Nach weiterem Überlegen folgte ein „Vielleicht auch zweimal“. Die wenigsten dürfte wohl überraschen, dass ein Punk-Rocker, der Chef einer (satirischen) Bierpartei ist, in seinem Leben schon einmal Marihuana konsumiert hat.

Übrigens: Auch Alexander Van der Bellen hatte im Wahlkampf 2016 zugegeben, einmal Marihuana konsumiert zu haben. Er könne sich „vage erinnern“, so der jetzige Bundespräsident damals. Konkurrent Gerald Grosz gab im „Kleine Zeitung“-Emoji Interview auf die Marihuana-Frage ein Zwinker-Smiley mit herausgestreckter Zunge an. Die Interpretation blieb dem Leser über.

Unverbrauchtheit als Segen und Fluch

Zurück zu Wlazny: Die Selbstdefinition der Unverbrauchtheit sollte sich auch an anderer Stelle bemerkbar machen. Etwa, als Wolf genauer wissen wollte, wie Eignungstests für Minister, ein Vorschlag Wlaznys, ablaufen sollen. Übercoacht wirkten die Antworten Wlaznys in diesem Segment eher nicht. Ein längeres Hin und Her, wonach das Auswählen von Ministern eigentlich die Aufgabe des Bundeskanzlers sei, schloss Wolf mit einem „Gut. Konkreter, glaube ich, wird es nicht“.

Deutlich sattelfester wirkte Wlazny hingegen bei Wolfs Frage, ob er damit zufrieden wäre, wenn er mit seinen Stimmen aus dem linken Spektrum Van der Bellen in eine Stichwahl gegen einen rechten Kandidaten zwingen würde. Wlazny konterte, dass es sich um die „alte Mär von Stimmen stehlen“ handle, und dass es bei der Wahl schließlich darum gehe, dass man den am besten Geeigneten wähle. Es gehe nicht um „taktische Überlegungen“. Auch die Antwort, wofür er demonstrieren würde, beantwortete er nach längerem Überlegen glaubhaft (Klimastreik). Fazit: Wlaznys Unverbrauchtheit ist zugleich Segen und Fluch.

Das gesamte Interview finden Sie hier.

(bf)

Titelbild: screenshot/orf

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

86 Kommentare

  1. Wlatzly hat sich meiner Meinung nicht schlecht verkauft. Unverbraucht und ehrlich.
    Ihm fehlt halt der Retorikkurs. Erfrischend einmal nicht das einstudierte Politikersprech zu hören.
    Armin Wolf hat man auch schon gemeiner und böser erlebt.

  2. Wlazny bringt die Bierpartei mit seiner Präsidentschaftskandidatur für die nächsten Nationalratswahlen in Stellung.

    Das ist wohl der eigentliche Zweck seiner Kandidatur.

    Und wie sich mit Blick auf das Ergebnis der Liste Fritz in Tirol zeigt: Eine Protestpartei mit ernstzunehmenden demokratischen Anliegen, der man eine ehrliche Arbeit als Kontrollpartei im Parlament zutrauen kann, hat durchaus Chancen.

    Das mediale Echo, das die Bierpartei-Bezirksräte in Wien bisher für ihre Arbeit bekommen, zeigt schon die Richtung an, wohin es gehen könnte.

    Jetzt braucht die Bierpartei noch ein schlankes Kernthemenprogramm (Schutz von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Medien- und Meinungsfreiheit, Transparenz & Kontrolle, Maßnahmen zur sozialen Gerechtigkeit) und bernstzunehmende Kandidaten in allen Bundesländern.

    Dann haben sie sehr realistische Chancen bei den Nationalratswahlen.

  3. Wlazny muss jeden Cent zurück zahlen, welche er in seiner Ausbildung kassiert hat.
    Es würde viele Ärzte geben, die besser wären und nie die Chance hatten für eine Ausbildung.

    • Sie haben in Ihren nun ja….”Absonderungen” zwei nicht unwesentliche Lapsus:
      ° seit wann kassiert man “Cents” bzw. Geld WÄHREND der Ausbildung zum Arzt?
      ° wie kann jemand Arzt werden bzw. sein, wenn er NIE “die Chance für eine Ausbildung hatte”?
      Wenn Deutsch nicht als Ihre Muttersprache zu werten sein sollte, dann bliebe noch immer eine bemerkenswerte Infamie, neben Ihrem sprachlichen Dilettantismus festzustellen.

    • Ich hoffe Sie haben keinen verantwortungsvollen Beruf (oder sind Vater von unmündigen Kindern).
      Weil mit Ihrem defizitärem Charakter sind Sie für beides völlig ungeeignet…

  4. Unfassbar, der gehört auf jeden Cent verklagt, was der als Unterstützung in seiner Ausbildung kassiert hat und jeden Tag ein Drogentest…

  5. Solche Typen wie der gehören zur Rechenschaft gezogen, Arzt studieren auf Kosten der Allgemeinheit und jetzt noch den Drogen Clown spielen

  6. Irre, auf Kosten der Allgemeinheit sich jetzt als Arzt ausgeben dürfen und noch angeben mit seinen Drogen…Wahnsinn, andere wäre froh gewesen die Unterstützung zu haben um zu studieren…wlazny …verpiss dich

  7. Er ist vielleicht nicht der perfekte BP, aber unter den anderen Kandidaten der einäugige unter den Blinden. Meine Stimme hat er

  8. Dass ich keine Dr.Wolf Fanin bin, hat sich wieder bestätigt.

    InterviewerInnen haben zu berücksichtigen ob jemand TV-Erfahrung hat oder nicht.Tun sie das nicht, wie Dr.Wolf, wird es unfair.

    Auch der dauernde Verweis auf die Kompetenzen lässt mich an Intelligenz zweifeln: ZB der mutmaßliche Kinderschänger-Lehrer konnte viele Jahre Kinder missbrauchen. Aufgrund der durch und durch Unfähigkeit uva Integritätslosigkeit der hiesigen Behörden. Ein Staatsoberhaupt hat hier Anlaufstelle zu sein! Hat Sprachrohr des Rechtsstaats zu sein. Grüß-Auguste braucht niemand.

    Ich finde total schade, weil für A sehr, sehr teuer, dass fast alle, besonders Dr.Wlazny, die Total-Untätigkeit, Kurz-Verliebtheit, Unnötigkeit VdBs nicht angeprangert haben.

    Fast alle haben sich verhalten wie Kleinmännchen gegenüber einem Silberrücken. Und das Land blecht wieder dafür.

  9. Also ich habe mittlerweile den Eindruck, Wlazny entwickelt sich zum mit Abstand beliebtesten Menschen in der illustren Runde der Präsidentschaftskandidaten und das in beiden Lagern. Ehrlich, unverbraucht, bodenständig und als einziger bringt er seine guten Absichten auch ehrlich rüber. VdB kann halt mit seiner Erfahrung punkten und der Rest der Kandidaten wirkt mehr oder weniger schleimig, heuchlerisch und/oder abgehoben, irgendwie wie schlechte Schauspieler.

    • Also beide Lager sicher nicht. Aber bei den jungen Wählern die mit Rechtspopulisten nix anfangen können kann er mit Sicherheit punkten. Diese werden auch in Zukunft die Bierpartei (oder wie sie sich künftig nennen werden) wählen, wenn die Roten weiterhin so “alt” rüberkommen und die Grünen nur mehr auf Kompromisse schielen. PS: Meine wahlberechtigten Töchter empfinden ihn als nett und cool und findens langweilig dass die Eltern VdB wählen.

        • Also ich nicht in dem Ausmaß wie du. Liegt wahrscheinlich auch an unserer unterschiedlichen Umgebung. Ab 30 ist hier Schluss mit dem Zutrauen für dieses Amt. Auch in Linz.

          • Sorry✌️NÖ ist nicht viel anders.
            Ich denke es kommt eher auf das Umfeld an in dem man sich bewegt. Ich kenne natürlich auch Leute die nur beim Gedanken daran in Ohnmacht fallen und sich bekreuzigen.😂
            Der Untergang des Abendlandes, OT meiner Cousine.

          • Umso näher zu Wien desto mehr kennen bzw.verstehen die Leute den Dominik Wlazny. Arbeite auch mit vielen aufgeschlossenen Leuten zusammen und habe viele alternativ denkende Freunde, doch ist ihnen Marco Pogo zu fremd. Bundesweit angelegt war sein Wirkungsbereich und Wahlwerben wohl nicht.

        • Ich hoffe sehr, es werden mehr als die Intelligeznbestien; welche hinter Rosenkranz, Wallentin und Grosz blind herlaufen….

  10. “… Das war aber auch schon die letzte einstudierte Antwort von Wlazny.”
    .
    Ja, der Rest war peinliches Gestotter.

    Der spätpubertierende Bierverkäufer hat also seine eigenen 10 Gebote geschrieben. Eines davon lautet sinngemäß “Du sollst täglich kiffen und dich mit Bier besaufen”.

    Wolf wollte eigentlich nur wissen, ob er sich an seine eigenen Gebote hält, und ob er als BP auch illegale Substanzen konsumieren wird.

    Gibt’s wirklich WählerInnen, die sich so einen Pausenclown wie Wlazny für das höchste Amt im Staate wünschen ???

    • Ganz ehrlich, bei dem was sie hier betreiben, habe ich mittlerweile den Verdacht, dass sie mit Herrn Wlazny noch eine persönliche Rechnung offen haben.

      • Nein.

        Ich find’s nur ärgerlich, dass soviele Menschen immer und immer wieder auf so widerliche Populisten hereinfallen. Das wird eines Tages das Kurz-Pogo-Syndrom genannt werden.

        Wie kann einer erwarten, dass man ihn ernst nimmt, nachdem er jahrelang nichts anderes getan hat, als Biersaufen zu propagieren. (Und gleichzeitig Bier in seinem Online-Shop zu verkaufen)

        • Also widerlicher Populist ist hier wohl arg übertrieben. Außerdem gehört Biertrinken unbestritten zur österreichischen Tradition. Warum glauben sie werden gerade in Bierzelte die meisten WählerInnen eingefangen in Österreich und das in beinah allen Lagern – Grün wohl nicht so, die lieben eher beschauliches Ambiente mit höheren Niveau und Cocktailgläser. Frag mich welche Wahlveranstaltungen sie vorziehen? Die von der GrünSchickeria?

Kommentarfunktion ist geschlossen.

Jetzt: Polizeiäffäre "Pilnacek"

Denn: ZackZack bist auch DU!