Teuerung und Vogelgrippe:

Heuer explodieren die Gansl-Preise

Bei so einigen Wirten wird es heuer rund um Martini kein Gansl geben. Bei wem der Braten dennoch auf der Speisekarte steht, muss von den Gästen häufig mehr Geld verlangen als sonst. Das liegt nicht nur an der Teuerung. 

Wien, 13. Oktober 2022 | Der traditionelle Ganslbraten rund um Martini ist heuer ein knappes Gut. Ein großer Teil des hierzulande verspeisten Federviehs kommt aus Ungarn. Wegen der dort kursierenden Vogelgrippe gibt es trotz hoher Nachfrage weniger Gänse. Und auch wegen der hohen Inflation ist der Preis stark gestiegen. Hinzu kommen die hohen Energiepreise.

Eine Wirtin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, zahlt heuer etwa doppelt so viel für Energie. Die Gänse zahlen sich für sie nicht mehr aus. Sie sagt dazu gegenüber ZackZack: „Ich zahle heuer den doppelten bis dreifachen Preis und das ist nicht finanzierbar.“

Ente statt Gans

Sie verkaufte in den vergangenen Jahren pro Saison zwischen 300 und 400 Gansl-Portionen. Wegen der Preiserhöhung müsste sie von den Gästen heuer um die 50 Euro für eine Portion verlangen, glaubt sie. Sie wird daher ganz auf die Gans verzichten und stattdessen nur Ente anbieten.

Die Gansl-Preise explodieren. Werden Sie trotzdem ein Martinsgansl essen?

Gänse doppelt so teuer wie im Vorjahr

Vom Großhändler Metro hieß es auf ZackZack-Anfrage, dass der Regalpreis für eine ungarische Standard-Gans von zirka vier Kilo heuer knapp das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr beträgt. Den Preis müssen die Gastronomen plus Zuschlägen dann an die Gäste weitergeben.

Eine weitere Wirtin, Martina Handler aus Niederösterreich, befürchtet, dass Gäste ausbleiben werden: „Ich glaube, dass weniger Menschen bestellen werden“, sagte sie gegenüber ZackZack. „Unter 30 Euro kann man das Gansl eigentlich nicht hergeben, wenn es sich für uns rentieren soll.“ Denn nicht nur die Gänse selbst sind teurer geworden, auch die Preise für die Beilagen-Zutaten sind gestiegen.

Den Händlern geht das Fleisch aus

Und dann gibt es noch ein Problem: In den vergangenen Jahren hat Wirtin Martina Handler immer sowohl heimische Bio-Weidegänse als auch ungarische Bio-Weidegänse angeboten und insgesamt zwischen 50 und 100 Portionen davon verkauft. Die heimischen Gänse bestellte sie bereits im Vorjahr. Weil die hiesigen Bauern nur begrenzte Kontingente haben, sind zusätzliche kurzfristige Bestellungen kaum möglich.

In der Gewichtsklasse, die von der Gastronomie gewünscht ist, gibt es bei Großhändlern wie Metro heuer deutlich weniger Gänse im Angebot, Reservierungen haben Vorrang, so das Unternehmen. Lieferungen würden immer erst kurzfristig bestätigt werden.

Abgesehen vom Preis bekomme man also gar nicht die Menge, die man brauche und „da kann man nicht kalkulieren und planen“, so Wirtin Handler. Sie wird heuer nur an zwei Tagen Ganslessen anbieten, ansonsten steht in ihrem kleinen Gasthaus in Dörfles Ente auf dem Speiseplan.

Alternative: Weidegans aus Österreich

Das Ganslessen war für sie immer ein guter Einnahmepunkt, meint Handler. Denn wer zum Ganslessen kommt, der bestelle auch Vor- und Nachspeise sowie Getränke. Vor einem drohenden Gewinnverlust fürchtet sie sich jedoch nicht: „Ich tu mir relativ leicht, aber andere werden enorme Einbußen haben.“

Für Wirt Harald Pollak vom niederösterreichischen Retzbacherhof, der bereits in den letzten Jahren nur die teureren heimischen Gänse angeboten hat, verändert sich wegen der Preise nichts. Für heimische Bio-Weidegänse sind sie kaum gestiegen. Er wird nur an einem Sonntag Gans anbieten und plädiert dafür, dass Gänse generell so viel kosten sollen, wie für gute Haltungsbedingungen nötig ist. Im letzten Jahr seien die Preisschlachten um ungarische Tiefkühlgänse absurd gewesen. Er sieht aber ein Umdenken bei manchen Gastronomen und bei den Gästen.

Grausame Praktiken

Im Gegensatz zu Österreich sind grausame Praktiken wie Lebendrupf und Stopfmast in vielen ausländischen Mastbetrieben gängige Praxis. Wirtin Martina Handler bot auch in den letzten Jahren wegen kurzfristigen Gästebestellungen ungarische und heimische Gänse an, ihr ist es wichtig, ungarischen Gänse zu kaufen, die keine Stopfmast und Lebendrupf ertragen mussten. Auch sie kann aber nur darauf vertrauen, “was drauf steht”.

(sm)

Titelbild: Pixabay

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24 Kommentare
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Gruene Armee Fraktion
14. 10. 2022 4:54

Man kann doch zu Martini (was wird da eigentlich gefeiert?) statt einer Gans auch einmal einen Rosenkohl-Eintopf essen. Ist auch besser für das Klima.

der Beobachter
14. 10. 2022 19:39

Liebe(r) Gruene Armee Fraktion, Sie scheinen mir ein rechter Schelm zu sein…
Es muss heller werden!

Summa summarum
13. 10. 2022 19:26

Seepocken, Affenpocken, Vogelgrippe und jetzt die Gansl-Preise… Es wird uns nix übrig bleiben, als zu den beliebten Vollspaltbodenschweinsschnitzel zu greifen.

Gruene Armee Fraktion
14. 10. 2022 6:32
Antworte auf  Summa summarum

Oder mal ein Sojaschnitzel oder eines as Quinoa probieren

wolfi
13. 10. 2022 17:33

Zuhause schmeckt die Gans am besten!

Danilo
13. 10. 2022 13:17

Ja, gönne ich mir!
Derzeit voteten mehr als 70 Prozent dagegen.
Es kann eben auch nicht jeder Martin heißen. Mein wahrer Vorname!

Helmut1931
13. 10. 2022 13:28
Antworte auf  Danilo

Erst das Backrohr stellt sicher, daß potentielle Vogelgrippeträger ihrer Quarantäne nicht mehr entfleuchen können!
Gratuliere zu ihrer positiven Einstellung zu Natur und Gastronomie!

kkika
13. 10. 2022 13:26
Antworte auf  Danilo

Mir geht das Vieh eh nicht ab – ich mag kein Federvieh.

Helmut1931
13. 10. 2022 13:30
Antworte auf  kkika

Aber Rotkraut und Knödel vielleicht?

Lojzek
13. 10. 2022 13:11

I werd heuer selbst zum streunenden Köter und in der Nachbarschaft den Hunden und Katzen ihren Fraß wegfressen – sofern die Hunde ned ins Tierheim abgeschoben werden.
Also könnts euch eure überteuerten Convenience-Gansln in den Scheitel schmieren …

DaSchauHer
13. 10. 2022 12:58

OT: Ich finde es eigenartig, wenn tage-alte Artikel im obersten Zugriffsbereich (mehrfach) stehen bleiben, tages-aktuelle (zB ZackZack am Donnerstagmorgen 13.10.) in den vorübergehenden Verschwindibus-Modus geschoben werden… HTML-Content-Management erscheint solcherart betrachtet deshalb durchaus verbesserungswürdig… 😉 MLG in die Redaktion!

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von DaSchauHer
Samui
13. 10. 2022 17:24
Antworte auf  DaSchauHer

Ich machs mir wies gefällt…..
Spin in der ZZ Redaktion…….

DaSchauHer
13. 10. 2022 13:18
Antworte auf  DaSchauHer

13:17 Danke!

nikita
13. 10. 2022 12:47

Bei Gänsen fällt mir unweigerlich Konrad Lorenz ein.
Ich bin Vegetarier und das ist was ich gegen Tierleid tun kann.

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von nikita
hr.lehmann
13. 10. 2022 12:58
Antworte auf  nikita

Gänse könnten wenigstens einen Abflug machen wenn sie den Braten riechen. Aber was ist mit Kälber und Schweinen?

Samui
13. 10. 2022 17:25
Antworte auf  hr.lehmann

Wenn Schweine fliegen…….

Alexx
13. 10. 2022 12:31

Haha: Ungarische bio Weidegänse- na ganz sicher !
Ich hab kein Mitleid!
Diejenigen, denen Tierleid schmeckt, sollen anständig blechen dafür!

Danilo
13. 10. 2022 13:33
Antworte auf  Alexx

Veganer?

nikita
13. 10. 2022 12:42
Antworte auf  Alexx

💪

Danilo
13. 10. 2022 13:34
Antworte auf  nikita

Ehrlich? Noch ein Veganer?

FRANK
13. 10. 2022 11:24

Es gibt schon längst die Erfindung eines 3D-Druckers für Lebensmittel. Leider wird diese Errungenschaft nicht an die Weltbevölkerung weitergegeben. Da bräuchte es dann auch kein Tierleid mehr und keine Hungersnöte. Es gibt auch schon längst Geräte für eine freie Energiegewinnung. Auch diese Entdeckung wird nicht an uns weitergegeben. Sie halten uns einfach abhängig und dumm !!

ZackZack-Leser
13. 10. 2022 11:14

Ich bin ja kein “Aug um Aug, Zahn um Zahn” Mensch, aber was ich finde was mit Leuten passieren sollte die Stopfmast betreiben können sie sich gerne ausmahlen. 😉

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von ZackZack-Leser
hr.lehmann
13. 10. 2022 12:41
Antworte auf  ZackZack-Leser

Es tun sich skurile Bilder auf 😉

hr.lehmann
13. 10. 2022 11:01

Den Gänsen kann es vermutlich recht sein und für mich als Vegetarier kein wirkliches Problem.. 🙂