Sonntag, Juni 16, 2024

Teuerung und Vogelgrippe: Heuer explodieren die Gansl-Preise

Teuerung und Vogelgrippe:

Bei so einigen Wirten wird es heuer rund um Martini kein Gansl geben. Bei wem der Braten dennoch auf der Speisekarte steht, muss von den Gästen häufig mehr Geld verlangen als sonst. Das liegt nicht nur an der Teuerung. 

Wien, 13. Oktober 2022 | Der traditionelle Ganslbraten rund um Martini ist heuer ein knappes Gut. Ein großer Teil des hierzulande verspeisten Federviehs kommt aus Ungarn. Wegen der dort kursierenden Vogelgrippe gibt es trotz hoher Nachfrage weniger Gänse. Und auch wegen der hohen Inflation ist der Preis stark gestiegen. Hinzu kommen die hohen Energiepreise.

Eine Wirtin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, zahlt heuer etwa doppelt so viel für Energie. Die Gänse zahlen sich für sie nicht mehr aus. Sie sagt dazu gegenüber ZackZack: „Ich zahle heuer den doppelten bis dreifachen Preis und das ist nicht finanzierbar.“

Ente statt Gans

Sie verkaufte in den vergangenen Jahren pro Saison zwischen 300 und 400 Gansl-Portionen. Wegen der Preiserhöhung müsste sie von den Gästen heuer um die 50 Euro für eine Portion verlangen, glaubt sie. Sie wird daher ganz auf die Gans verzichten und stattdessen nur Ente anbieten.

Gänse doppelt so teuer wie im Vorjahr

Vom Großhändler Metro hieß es auf ZackZack-Anfrage, dass der Regalpreis für eine ungarische Standard-Gans von zirka vier Kilo heuer knapp das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr beträgt. Den Preis müssen die Gastronomen plus Zuschlägen dann an die Gäste weitergeben.

Eine weitere Wirtin, Martina Handler aus Niederösterreich, befürchtet, dass Gäste ausbleiben werden: „Ich glaube, dass weniger Menschen bestellen werden“, sagte sie gegenüber ZackZack. „Unter 30 Euro kann man das Gansl eigentlich nicht hergeben, wenn es sich für uns rentieren soll.“ Denn nicht nur die Gänse selbst sind teurer geworden, auch die Preise für die Beilagen-Zutaten sind gestiegen.

Den Händlern geht das Fleisch aus

Und dann gibt es noch ein Problem: In den vergangenen Jahren hat Wirtin Martina Handler immer sowohl heimische Bio-Weidegänse als auch ungarische Bio-Weidegänse angeboten und insgesamt zwischen 50 und 100 Portionen davon verkauft. Die heimischen Gänse bestellte sie bereits im Vorjahr. Weil die hiesigen Bauern nur begrenzte Kontingente haben, sind zusätzliche kurzfristige Bestellungen kaum möglich.

In der Gewichtsklasse, die von der Gastronomie gewünscht ist, gibt es bei Großhändlern wie Metro heuer deutlich weniger Gänse im Angebot, Reservierungen haben Vorrang, so das Unternehmen. Lieferungen würden immer erst kurzfristig bestätigt werden.

Abgesehen vom Preis bekomme man also gar nicht die Menge, die man brauche und „da kann man nicht kalkulieren und planen“, so Wirtin Handler. Sie wird heuer nur an zwei Tagen Ganslessen anbieten, ansonsten steht in ihrem kleinen Gasthaus in Dörfles Ente auf dem Speiseplan.

Alternative: Weidegans aus Österreich

Das Ganslessen war für sie immer ein guter Einnahmepunkt, meint Handler. Denn wer zum Ganslessen kommt, der bestelle auch Vor- und Nachspeise sowie Getränke. Vor einem drohenden Gewinnverlust fürchtet sie sich jedoch nicht: „Ich tu mir relativ leicht, aber andere werden enorme Einbußen haben.“

Für Wirt Harald Pollak vom niederösterreichischen Retzbacherhof, der bereits in den letzten Jahren nur die teureren heimischen Gänse angeboten hat, verändert sich wegen der Preise nichts. Für heimische Bio-Weidegänse sind sie kaum gestiegen. Er wird nur an einem Sonntag Gans anbieten und plädiert dafür, dass Gänse generell so viel kosten sollen, wie für gute Haltungsbedingungen nötig ist. Im letzten Jahr seien die Preisschlachten um ungarische Tiefkühlgänse absurd gewesen. Er sieht aber ein Umdenken bei manchen Gastronomen und bei den Gästen.

Grausame Praktiken

Im Gegensatz zu Österreich sind grausame Praktiken wie Lebendrupf und Stopfmast in vielen ausländischen Mastbetrieben gängige Praxis. Wirtin Martina Handler bot auch in den letzten Jahren wegen kurzfristigen Gästebestellungen ungarische und heimische Gänse an, ihr ist es wichtig, ungarischen Gänse zu kaufen, die keine Stopfmast und Lebendrupf ertragen mussten. Auch sie kann aber nur darauf vertrauen, “was drauf steht”.

(sm)

Titelbild: Pixabay

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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