Montag, Juli 15, 2024

»Athena 2.0« – 200 Jugendliche randalierten zu Halloween in Linz

»Athena 2.0«

Rund 200 Jugendliche lieferten sich in der Halloween-Nacht in Linz eine Straßenschlacht mit der Polizei. Auch am Dienstagabend kam es wieder zu Böller-Würfen.

Linz, 02. November 2022 | “Linz ist Athena geworden”, war am Dienstag in mehreren TikTok-Videos von der Halloween-Nacht zu lesen. Bereits im Vorfeld wurde auf der Social-Media-Plattform angekündigt, die oberösterreichische Hauptstadt in ein “Athena 2.0” zu verwandeln. Gemeint ist damit ein Netflix-Film, in dem es zu einem Straßenkrieg zwischen Jugendlichen und der Polizei in einem Pariser Vorort kommt.

Den Film nahmen sich rund 200 Jugendliche – laut Polizei vorwiegend männliche junge Männer mit Migrationshintergrund – zum Vorbild und lieferten sich mit der Exekutive ein Scharmützel, das die Stadt selten erlebt hat.

Böller auf Passanten und Polizisten

Gegen 21.00 Uhr seien die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen. Eine große Personengruppe, die sich am Taubenmarkt in der Fußgängerzone getroffen habe, werfe unkontrolliert Böller auf Passanten. In weiterer Folge rückte ein Großaufgebot von rund 170 Beamten aus, darunter auch Cobra-Einsatzkräfte. Die Stimmung sei angespannt und aggressiv gewesen, teilte die Landespolizeidirektion Dienstagvormittag mit. Mit zwei Sperrketten versuchten die Einsatzkräfte die Randalierer abzudrängen, dabei seien sie mit Böllern, Steinen und Glasflaschen beworfen worden.

Nachdem einige der Jugendlichen auch Böller gegen Oberleitungen der Straßenbahn warfen, schlugen gegen 23.00 Uhr die Linz Linien wegen möglicherweise herabstürzender Leitungen Alarm. Dann bestehe Lebensgefahr für Fußgänger, woraufhin der Strom in den Oberleitungen abgestellt wurde. Erst ab 2.00 Uhr wurde der Betrieb der Straßenbahn in der Fußgängerzone wieder aufgenommen.

Alle Bilder: FOTOKERSCHI.AT / APA / picturedesk.com

Neun Festnahmen, zwei Beamte leicht verletzt

Um 3.00 Uhr war der Großeinsatz der Polizei beendet. Insgesamt wurden 130 Identitätsfeststellungen durchgeführt, neun Personen u.a. wegen aggressiven Verhaltens festgenommen. Alle werden wegen des Verdachts der schweren gemeinschaftlichen Gewalt und wegen Ordnungsstörung angezeigt. Zwei Einsatzkräfte der Polizei wurden leicht verletzt.

Der Linzer Polizei-Einsatzleiter Michael Hubmann gab in einem Interview mit dem ORF am Dienstag an, einen derartigen Ausnahmezustand selten erlebt zu haben. “Es war gestern so, dass wir eine aggressive Stimmung gegenüber der eingesetzten Beamten erlebt haben, die in dieser Form für uns neu war”, so der Beamte.

Und auch am Dienstag trat keine Ruhe ein. Am Abend kam es wieder – wenn auch zu deutlich kleineren – Ausschreitungen. Laut Polizei warfen Jugendliche am Taubenmarkt Böller auf Passanten. Als die Exekutive eintraf, flüchteten sie.

Politik reagiert, FPÖ gibt ÖVP Schuld

Aufgrund der massiven Ausschreitungen kündigte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Mittwoch an, den Landessicherheitsrat einzuberufen, um sich ein umfassendes Bild der Sicherheitslage machen zu können. Das Gremium dürfte am Freitag zusammentreten. Unabhängig davon hat Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter beauftragt, einen Sicherheitsgipfel mit dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) einzuberufen. Dieser ließ ausrichten, dass es in Linz “Null Toleranz gegenüber Gewalttätigen” gebe, “egal welche Motive diese haben”.

Die FPÖ gab am Mittwoch der ÖVP und ihrer “fehlgelaufenen Einwanderungspolitik” die Schuld.  „Die Verantwortung dafür haben Nehammer und Karner zu tragen, die unser Land mit Menschen aus aller Herren Länder überschwemmen“, so der freiheitliche Generalsekretär Michael Schnedlitz am Mittwoch in einer Aussendung.

(apa/mst)

Titelbild: FOTOKERSCHI.AT / APA / picturedesk.com

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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