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»Im Zentrum« zu Pflegenotstand – Hacker: »Haben eine Macho-Kultur, die weg gehört«

Das ist eine Unterüberschrift

Was tun gegen den Pflegenotstand? Eine ORF-Diskussion am Sonntag gipfelte in der Frage um die Wertschätzung gegenüber dem Pflegeberuf. Mit einer klaren Ansage seitens SPÖ-Stadtrat Hacker.

Wien, 12. Dezember 2022 | Es wäre wohl nicht nur ein „Im Zentrum“ nötig, um all die vielen Baustellen im österreichischen Gesundheitssystem abzuhandeln. Die Diskussionsrunde am Sonntagabend bot zumindest Ansätze, Wünsche und Vorschläge von allen Seiten, wie man die Situation verbessern könnte.

Denn diese ist dramatisch, und sie hat sich auch jetzt, wo Corona zunehmend in den Hintergrund rückt, nicht erholt. Eine Infektionswelle bei Kleinkindern bringt Ambulanzen und Stationen an ihre Grenzen, auch die Influenza trägt einen großen Teil dazu bei.

“Wie gehen wir mit der Pflege um?”

Doch das Problem liegt tiefer und ist nicht erst seit Ausbruch des Coronavirus präsent: Es gibt einfach zu wenig Personal. Zu viele Personen zieht es nach kurzer Zeit wieder aus dem Beruf, zu wenige wollen ihn gar nicht erst ergreifen. Und das liege nicht nur an den finanziellen Anreizen, wie betroffene Pflegekräfte aus dem Studiopublikum als auch die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Elisabeth Potzmann, am Sonntagabend im ORF betonten.

Es gehe vielmehr um die Frage „Wie gehen wir mit der Pflege um?“, so Potzmann. Es brauche mehr Wertschätzung. Auch aus sämtlichen Gremien, wie etwa der Corona-Kommission, hätte man Vertreter aus der Pflege ausgeschlossen.

Pflegekräfte aus Kolumbien

Warum das so ist, konnte leider nicht beantwortet werden. Vertreter aus dem Gesundheitsministerium waren an diesem Abend nicht anwesend. Minister Johannes Rauch (Grüne) sagte krankheitsbedingt ab, die Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, nahm die Einladung zur Diskussion nicht an.

Und so hatten stattdessen der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und sein Salzburger Pendant, Christian Stöckl, ihre Müh und Not, den Anwesenden Vorschläge seitens der Landespolitik zu unterbreiten. Stöckl verwies auf ein Projekt, das es bald ermöglichen soll, gut ausgebildete Pflegekräfte aus Kolumbien nach Österreich zu holen.

Auch Hacker schlug in dieselbe Kerbe: So wichtig langfristige Lösungen auch sind, so wird es, um den Personalnotstand auch kurzfristig ausgleichen zu können, Zuzug aus dem Ausland brauchen, meinte er.

Kinderarzt bringt Publikum zum Raunen

Ein großes Raunen ging durchs Publikum, als der steirische Kinderarzt Reinhold Kerbl vorschlug, Pflegeschulen für 14-15-Jährige auszubauen, um die Berufsinteressenten schon früher in den Job zu bringen. Man wehrte sich gegen die „De-Professionalisierung“ des Berufs, wie es Potzmann zum Audruck brachte. Als Pflegekraft müsse man eine entwickelte Persönlichkeit und viel Empathie mitbringen, die man in solch jungem Alter noch nicht besitze.

Auch wurde angekreidet, dass akademischen Pflegekräften immer noch zu wenig Kompetenzen anvertraut werden. Als davon Betroffene beklagte sich eine Pflegerin aus dem Zuschauerpublikum. Entsprechend ausgebildetem Personal müsse es endlich erlaubt werden, medizinische Entscheidungen eigenständig zu treffen.

Hacker: “Macho-Kultur”

Das konnten auch Hacker und Stöckl unterschreiben. Hacker ging sogar einen Schritt weiter und führte dieses, aber auch viele andere Probleme auf einen Punkt zurück: „Weil wir noch immer eine männliche dominierte Gesundheitssystematik haben, das ist unser Kernproblem und ja, das ist ein Drama.“ Es herrsche noch immer eine „Macho-Kultur“, auf die Art „Krankenschwestern können doch keine Entscheidungen treffen“, so Hacker.

Doch immerhin: Ein Generationenwechsel und damit ein Umdenken finde derzeit statt, so der Gesundheitsstadtrat.

Die ganze Sendung.

(mst)

Titelbild: Screenshot/ORF

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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