Dienstag, Juni 25, 2024

Musk sperrt Journalisten auf Twitter

Der selbsternannte Ritter der Meinungsfreiheit Elon Musk verpasst kritischen Journalisten auf Twitter einen Maulkorb.

Wien, 16. Dezember 2022 | Seit seiner Übernahme des Kurznachrichten-Dienstes Twitter hat Elon Musk für Negativschlagzeilen und Kopfschütteln gesorgt. Nun drohen Musk EU-Sanktionen. Denn am Donnerstag hat Twitter die Nutzerkonten von mehreren Journalisten gesperrt, die kritisch über das Unternehmen und seinen frischgebackenen Chef und selbsternannten Ritter der Meinungsfreiheit berichtet hatten. „NBC-News“-Journalist Ben Collins führt auf Twitter eine Liste der Sperrungen.

Sperr-Welle

Einige der gesperrten Journalisten hatten vor ihrer eigenen Sperre über jene des bekannten und beliebten Nutzerkontos Elon Jet (@elonjet) berichtet, der alle Flüge Musks dokumentiert hatte. Auch das private Konto der Person hinter Elon Jet ist gesperrt worden.

Auch das Twitter-Konto des Twitter-Mitbewerbers Mastodon – dieser hat durch Musks Übernahme von Twitter gehörig an Nutzern dazugewonnen – ist gesperrt worden. Mastodon hatte seine eigene Version von Elon Jet in einem Posting verlinkt. Dabei sind die Daten für Elon Jet öffentlich und legal gewonnen. „Loving the free speech“, schrieb „Washington Post“-Journalist Drew Harwell dazu, bevor er selbst Opfer von Twitters Maulkorb-Aktion wurde.

Flucht aus Twitter-Space

Elon Musk begründete die Sperre von Harwell damit, dass dieser private Informationen von Musk verbreitet haben solle. Trotz Sperre schafften es einige der betroffenen Journalisten und auch Elon Jet, an einem Twitter-Space zu dem Thema teilzunehmen, der von der „BuzzFeedNews“-Journalistin Katie Notopoulos eröffnet worden war. Elon Musk kam auf einmal dazu und versuchte, sich zu erklären. Es sei nicht in Ordnung, private Informationen über eine Person zu verbreiten, sagte Musk, und warf den gesperrten Journalisten „Doxing“ vor. Doxing bedeutet, dass personenbezogene Daten zusammengetragen und mit bösartigen Absichten im Internet veröffentlicht werden.

Zweierlei Maß

Notopoulos konfrontierte Musk mit der Tatsache, dass die gesperrten Journalisten lediglich über die Vorfälle rund um Elon Jet berichtet hatten, wie es ihr Job sei. „Das sehen Sie als Umgehung der Sperre an?“ Es sei offensichtlich eine Umgehung der Sperre, antwortet Musk. Harwell, einer der gesperrten Journalisten, konfrontiert Musk mit der Twitter-Sperre gegenüber der „New York Post“ im Jahr 2020. „Inwieweit ist das jetzt anders?“, fragte Harwell.

Die „New York Post“ hatte damals heikle Enthüllungen über Joe Bidens Sohn Hunter veröffentlicht. Musk hatte das Vorgehen von Twitter als „natürlich unglaublich unangebracht“ kritisiert und hielt auch im Twitter-Space an seiner Bewertung fest, es sei inakzeptabel. „Also ist es inakzeptabel, was Sie machen?“, fragt Harwell. „Nein. Du doxt, du wirst gesperrt, Ende der Geschichte.“ Gastgeberin Notpoloulos möchte mehr wissen, muss aber feststellen: „Oh, ich glaube Elon Musk ist weg.“

Musk: „Bin gegen Zensur“

Noch im April hatte Elon Musk getweetet: „Die extreme Antikörper-Reaktion jener, die Redefreiheit fürchten, sagt alles.“ Er definierte auch gleich, wo bei ihm die Grenzen liegen: „Ich bin gegen Zensur, die über das Recht hinausgeht.“

Musk veranstaltete eine Umfrage unter seinen Abonnenten dazu, wann er die Accounts wieder freischalten sollte. Das Ergebnis: Rund 59 Prozent seiner Abonnenten sind dafür, alle sofort wieder freizuschalten – auch die Redakteurin.

(pma)

Titelbild: CARINA JOHANSEN / AFP / picturedesk.com

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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