Montag, Juni 17, 2024

Neugeborene Belastungsstörung oder Willkommen im neuen Jahr

Das ist eine Unterüberschrift

Während Milliardäre aller Länder sich zügig vereinigen, als hätten sie die Internationale mit der Muttermilch aufgesogen und nebenbei Massenmedien unter ihre Kontrolle bringen, schlagen sich progressive Lager oder solche, die sich dafür halten, wegen Nebenschauplätzen die Fressen ein. 

Wien, 23. Dezember 2022 |

Julya Rabinowich

Das alte Jahr verlöscht, ein sterbender Stern, ein weißer Zwerg, dessen Gewicht man gegen Ende kaum noch ertrug. In dem ersten Ton, der dem schweren Bauch der Pummerin entweicht, erwacht das neue. Viele Hoffnungen sind auf dieses neue Jahr gerichtet, viele Sorgen und Ängste umwehen es. Das Neugeborene hat schon eine recht große Bringschuld aufgebürdet bekommen, es trägt ein gewichtiges Erbe auf seinen ersten Schritten mit.

Wird es Frieden geben? In Europa, in der Welt? Wird das Coronavirus weitermutieren (ja, wird es) – wird es gefährlichere Varianten geben (hoffentlich nicht)?  Wie sieht es mit der Wirtschaft aus? Wird der Welthunger besiegt werden? Bekommt Dominik Nepp sein Twitteraccount wieder zurück? Fragen über Fragen. Lasst mich doch erstmal ankommen, seufzt das neue Babyjahr, dem beim Betreten der Zeit bereits klar wird, wie heillos überfordernd all diese Erwartungshaltungen und Ängste sind, die auf es einprasseln, kaum hat es seine Nase aus der Unendlichkeit gesteckt.

Wirst schon sehen, was du davon hast, röchelt das alte Jahr, während es im Widerschein verbotener Feuerwerke in seine Einzelteile zerfällt: Erinnerungsfetzen, Schlagzeilen und Kommentare, in die man nicht mal den Fisch des nächsten Tages einwickeln kann, weil sie zu oft virtuell sind. Und es sieht so aus, dass es noch viel virtueller werden wird, ehemalige Printprodukte machen auf Tron und wechseln aus der Dreidimensionalität auf das Grid. Manche nicht sehr freiwillig, wie die kastrierte, fachmännisch zerlegte Wiener Zeitung. Andere, wie ZackZack, tauchen daraus hervor wie ein eitler Pfau- Verzeihung, draufgängerischer Delfin. Der Delfin wird zwar ausgehungert, weil rechtsextreme Medien schließlich ihre Förderungen (von Türkis gesetzt, von Grün mitbeschlossen) brauchen, ist aber dennoch recht lebensfreudig. Freiheit kostet eben.

Werde besser, 2023, schreit die Welt. Werde wenigstens nicht schlechter! Während Milliardäre aller Länder sich zügig vereinigen, als hätten sie die Internationale mit der Muttermilch aufgesogen und nebenbei Massenmedien unter ihre Kontrolle bringen, schlagen sich progressive Lager oder solche, die sich dafür halten, wegen Nebenschauplätzen die Fressen ein. Die Bedürftigen der Welt wird es freuen. Was für eine verfluchte Sauerei, seufzt das neugeborene Jahr. Das werde ich doch nicht im Alleingang auch nur ansatzweise schaffen. Eure Erwartungshaltung kotzt mich an. Damit hat das neue Jahr leider recht. Geschenkt wird uns nichts werden. Wer etwas will- von sozialer Gerechtigkeit bis internationaler Politik- der wird dafür kämpfen müssen. Und zwar mit offenem Visier. Auch- und vielleicht vor allem- 2023.

Titelbild: ZackZack

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