Dienstag, Juni 18, 2024

Böller: Mehrere Unfälle und ein Toter in der Silvesternacht

Das ist eine Unterüberschrift

Böllerunfälle zum Jahreswechsel haben auch diesmal wieder für zahlreiche Verletzte gesorgt. In Niederösterreich starb ein 18-Jähriger, nachdem eine Kugelbombe zu früh zündete.

Wien, 02. Jänner 2023 | Kein Silvester vergeht ohne Unfälle beim Zünden von (teils illegaler) Pyrotechnik. Wie schon im Vorjahr ist in Niederösterreich ein Mensch nach einem Böllerunfall ums Leben gekommen. Eine zu früh gezündete Kugelbombe führte in St. Johann am Steinfelde, einer Katastralgemeinde von Ternitz, zum Tod eines 18-Jährigen.

Drei weitere Verletzte

Schauplatz des tödlichen Vorfalls war kurz vor 0.30 Uhr ein Feld, auf dem mehrere einheimische Jugendliche Kugelbomben zündeten. Der Getötete dürfte sich bei der Explosion in unmittelbarer Nähe zu dem Böller aufgehalten haben, ein Gleichaltriger wurde schwer verletzt und per Notarzthubschrauber in ein Grazer Krankenhaus geflogen. Ein 17- und ein 19-Jähriger erlitten Blessuren und wurden in das Landesklinikum Wiener Neustadt transportiert.

Seitens der Stadtgemeinde Ternitz zeigte man sich von dem Vorfall geschockt. Wie Bürgermeister Rupert Dworak (SPÖ) via Facebook mitteilte, wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Zudem wurde das für Donnerstag geplante Neujahrskonzert abgesagt. Vor einem Jahr war in Niederösterreich ein 23-Jähriger im Bezirk Baden ums Leben gekommen, auch hier war eine Kugelbombe der Grund gewesen. Drei bei dem Unfall mit dem Feuerwerkskörper der Kategorie F4 beteiligte Männer, 23, 24 und 25 Jahre alt, wurden im Juli wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt.

Unfall im Waldviertel durch Böller aus Tschechien

Auch in Lichtenau im Waldviertel (Bezirk Krems) kam es zu einem schweren Unfall. Ein 16-Jähriger wurde bei der Explosion eines Böllers schwer verletzt. Der Jugendliche wurde in ein Krankenhaus geflogen. Er schwebte laut Polizeiangaben vom Sonntagvormittag in Lebensgefahr. Laut Polizeisprecher Stefan Loidl sei bekannt, dass der verletzte Jugendliche den Böller der Kategorie F4 im November illegal in Tschechien gekauft hatte. Von Feuerwerkskörpern der Kategorie F4 geht generell “große Gefahr aus”, sie seien “nur zur Verwendung von Personen mit Fachkenntnis vorgesehen”.

Diese hatte der 16-Jährige nicht. Er hatte den Böller nach Angaben des Polizeisprechers alleine gezündet, weitere Personen waren nicht anwesend. In der Silvesternacht wurde der Jugendliche nach notärztlicher Versorgung durch den Notarzthubschrauber “Christophorus 2” in ein nahe gelegenes Krankenhaus geflogen.

In Niederösterreich wurden noch weitere Unfälle mit Pyrotechnik gemeldet, in Kollmitzberg, einer Katastralgemeinde von Ardagger im Bezirk Amstetten, wurden einem 19-Jährigen von einem Böller mehrere Finger abgerissen. Darüber hinaus erlitten bei dieser Explosion einige weitere Personen ein Knalltrauma. In Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) verletzten sich zwei 22-Jährige mit einem Verbundfeuerwerk. Einer der jungen Männer erlitt Verletzungen im Gesicht und musste mit der Rettung in die Klinik Wien-Donaustadt gebracht werden, die Brand- und Schürfwunden des Zweiten konnten an Ort und Stelle versorgt werden.

Unfälle auch in OÖ, Tirol und Vorarlberg

Eine Kugelbombe der F4-Klasse verletzte in der diesjährigen Silvesternacht auch einen 24-jährigen Mann aus dem Bezirk Schärding in Oberösterreich schwer im Gesicht. Laut Polizei hatte er den Gegenstand verkehrt herum platziert. Pyro-Gegenstände dieser Klasse dürfen nur von Personen ab 18 Jahren mit Fachkenntnis verwendet werden. In Helpfau-Uttendorf (Bezirk Braunau), ebenfalls im Innviertel, wurde eine 32-jährige Frau schwer verletzt, die kurz vor Mitternacht Böller warf. Ein Feuerwerkskörper explodierte in ihrer linken Hand.

In der Tiroler Gemeinde Sölden im Ötztal wurde ein 19-jähriger Norweger hingegen von einem Unbekannten durch einen Knallkörper am rechten Oberschenkel verletzt. Der Böller explodierte in rund zwei Metern Entfernung und das Opfer wurde so schwer verletzt, dass es nach der Erstversorgung von der Rettung zu einem Arzt nach Obergurgl gebracht werden musste. In Vorarlberg wurde eine Frau mit einem Böller verletzt. Die 22-Jährige verfolgte zum Jahreswechsel am Zanzenberg in Dornbirn die Feuerwerkskörper, als sie ein Knallkörper traf, den eine unbekannte Person nach ihr geworfen hatte. Auch sie musste im Krankenhaus behandelt werden.

Bub riss sich durch Böller Fingerglied ab

Auch in Wien hat es in der Silvesternacht geknallt. Eine 23-Jährige erlitt nach der Explosion eines Böllers am Kahlenberg in Döbling schwere Handverletzungen, berichtete die Berufsrettung am Sonntag. Ebenfalls an der Hand verletzte sich ein 18-Jähriger in der Wienerbergstraße in Meidling. Der Böller, den Jugendliche in seine Richtung geworfen hatten, hielt das Opfer irrtümlich für einen aus seiner Tasche gefallenen Gegenstand und hob ihn auf.

Am Nachmittag des Neujahrstages mussten in Wien zwei weitere Jugendliche nach Unfällen mit Silvesterböllern von der Rettung und in Spitälern behandelt werden. Gegen 14.30 Uhr wurde ein 13-Jähriger in der Hildebrandgasse im Bezirk Hernals schwer an einem Finger verletzt, berichtete Andreas Huber, Sprecher der Wiener Berufsrettung. Durch die Detonation wurde dem Burschen das vordere Fingerglied abgerissen. Außerdem erlitt er Abschürfungen und Rissquetschwunden.

Nur kurze Zeit später, um 14.45 Uhr, wurden die Einsatzkräfte in die Mitterhofergasse nach Floridsdorf gerufen. Dort hatte ein Zwölfjähriger einen Böller gezündet, der zu nah an seinem Körper explodierte. Er trug ebenfalls Rissquetschwunden und Abschürfungen sowie leichte Verbrennungen im Hand- und Gesichtsbereich davon, erläuterte Huber. Beide Buben wurden von der Berufsrettung beziehungsweise dem Samariterbund notfallmedizinisch versorgt und in Krankenhäuser gebracht.

(mst/apa)

Titelbild: ALEXANDER STEININGER / APA / picturedesk.com

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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