Dienstag, Februar 27, 2024

Kekserl backen mit Mikl-Leitner

Die landeseigene Firma „Tut gut!“ möchte Niederösterreich gesünder machen. Dazu scheint man auf Schützenhilfe der zuständigen SPÖ-Landesrätin zu verzichten und lieber auf ÖVP-Politiker zu setzen. Gleichzeitig schaltet man in ÖVP-Magazinen bunte Inserate.

Benjamin Weiser

St. Pölten, 17. Jänner 2023 | In der niederösterreichischen Firmenlandschaft fällt die Unterscheidung zwischen Privatwirtschaft, ÖVP und Staat oft schwer. Ein Beispiel für fließende Grenzen ist die „Tut gut!“ Gesundheitsvorsorge GmbH. Sie ist eine 100 Prozent-Tochter der Landesgesundheitsagentur in St. Pölten. Folgt man dem Selbstbild, kümmert sie sich um das Wohlbefinden der niederösterreichischen Bevölkerung. Dafür beschäftigt man ganze 42 Mitarbeiter.

Auf der Website heißt es, man bringe das „Thema Gesundheit durch diverse Programme, Projekte und Maßnahmen direkt in die (Lebens-)Bereiche Gemeinde, Kindergarten, Schule und Betrieb“ – und das auch noch „wissenschaftlich abgesichert und zielgruppengerecht“.

Kekserlpost von Mikl-Leitner

Wie das geht? Zum Beispiel mit der Initiative Kekserlpost, bei der man die „Heimat aufs Backblech zaubern“ kann. Die Vorweihnachtsaktion wird mit geballter ÖVP-Power beworben, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner greift höchstpersönlich zum Keks-Ausstecher (siehe Titelbild). Auch Arbeitslandesrat Martin Eichtinger zeigt Tatkraft und ist auf dem entsprechenden Werbefoto mit Nudelholz zu sehen. Beide tauchen immer wieder bei Kampagnen auf, setzen ihre Unterschrift auf Broschüren, lassen sich ablichten.

Im Rahmen einer Broschüre namens Lernraum Wald…ab in die Natur! vom Juni 2022 ruft Eichtinger an der Seite von Mikl-Leitner zu Bewegung im Wald auf. Der ÖVP-Landesrat ist eigentlich für Arbeit, Wohnbau und Internationale Beziehungen zuständig. Letzterer Arbeitsbereich kommt wohl nicht von ungefähr, denn Eichtinger ist ehemaliger Diplomat. Doch was hat er mit Gesundheit zu tun?

Zugriff der ÖVP auf Ressort der SPÖ

Gar nicht so wenig. Denn die niederösterreichische Gesundheitspolitik ist dreiköpfig gegliedert: zwei Köpfe gehören zur ÖVP, einer zur SPÖ. Laut Geschäftsordnung ist Ulrike Köngsberger-Ludwig (SPÖ) Gesundheitslandesrätin, ihre Arbeitsbereiche sind etwa Pandemiebekämpfung, Impfen, Rettungswesen. Für die Gesundheitsplanung ist aber tatsächlich Eichtinger von der ÖVP zuständig. Ein System, das es seit Erwin Pröll gibt und der mächtigsten Partei breiten Zugriff beschert.

Das erklärt womöglich auch, warum man die SPÖ-Politikerin Königsberger-Ludwig nicht bei „Tut gut!“-Aktionen bestaunen kann. Aus ihrem Büro heißt es, die GmbH sei seit jeher „im Bereich der ÖVP“ angesiedelt. Was das bedeutet? „Nicht unser Verantwortungsbereich“, so ein Sprecher von Königsberger-Ludwig, einer Gesundheitslandesrätin, die offenbar keinerlei Einblick in gewisse Bereiche ihres Ressorts hat. Man habe auch keinen Einfluss auf die „Tut gut!“-Geschäftsführung.

Geleitet wird die Firma von Alexandra Pernsteiner-Kappl, die praktischerweise direkt im Vorstandsbüro der Landesgesundheitsagentur – also der Eigentümerin ihrer Firma – arbeitet. Gleichzeitig ist sie die Lebenspartnerin von Mikl-Leitner-Bürochef Manfred Pernsteiner, beide sind in Wien-Hietzing an derselben Adresse gemeldet. So ist die Leitung kurz, falls mal wieder ein Kekserl-Termin ansteht. Zur „Tut gut!“ will sie auf Nachfrage leider keine Auskunft erteilen.

Inserate in ÖVP-Publikationen

Spätestens im Dschungel diverser ÖVP-Magazine beißt sich die niederösterreichische ÖVP-Katze gewissermaßen in den Schwanz. „Tut gut!“-Inserate finden sich nämlich mehrfach im St. Pöltner Gemeindebund-Magazin wieder, etwa in der Oktober 2022-Ausgabe. Dort wird ganzseitig gefragt: „Heute schon etwas bewegt – vor allem sich selbst?“

In einer anderen Ausgabe erklärt Landesrat Eichtinger den Hintergrund: „Wir wollen unsere niederösterreichischen Landsleute mit dem Angebot von ‚Tut gut!‘ in Bewegung bringen und sie damit möglichst lange gesund halten. Denn ein gesunder Lebensstil führt zu mehr Wohlbefinden“.

Wie viel Wohlbefinden es bei der ÖVP durch Inseratengeschäfte mit der Landesfirma gibt, ist nicht überliefert. Sowohl Mikl-Leitner als auch Eichtinger gaben auf ZackZack-Anfrage keine Stellungnahme ab. Aus der Preisaufstellung des Magazins von 2023 geht hervor, dass man derzeit für eine ganze Seite in „NÖ Gemeinde“ 4.990 Euro hinblättern muss. Bei der Vielzahl an Heften im Dunstkreis der ÖVP kann so eine stattliche Summe zusammenkommen – teilweise offenbar auch durch Landesmittel.

Titelbild: NLK / Pfeiffer.

 

Ben Weiser
Ben Weiser
Ist Investigativreporter und leitet die Redaktion. Recherche-Leitsatz: „Follow the money“. @BenWeiser4
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42 Kommentare

  1. Wer weiss, ob das nicht ein gestelltes Foto ist ?
    Teig ist fertig, aber weisses Mehl an schwarzer Kleidung ist überhaupt nicht zu sehen –
    Oder ists Fertigteig.. ?

  2. Wenn man sich den irren Auftritt von der hinterfotzigen Hanni im NÖ Partei Wahlkampf ansieht… es steht viel auf dem Spiel…frag ich mich ob die geistig noch auf der Höhe ist mit dem Sager???

  3. Die Familienmitglieder bestens versorgt mit bequemen Posten. Zur not kreiert man eben was wo man die schwarzen Ableger unterbringt. “Tut gut” ein Projekt zur Gesundheitsvorsorge, dass ich nicht lache.

  4. Korrekterweise sollte im Vorspann der Kekslbacker-Statisten stehen:
    Sie sehen eine Belangsendung von
    “La Famiglia”, einer Teilorganisation der politischen NÖ-…..

  5. Mich würde interessieren, wie die Schwarzen…oh sorry… Blaugelben die Wahlkampfkosten einhalten wollen.

  6. Die landeseigene Firma „Tut gut!“ möchte Niederösterreich gesünder machen: Sie ist sich für gar nichts, aber auch gar nichts zu blöd! Abstoßend für jeden vernünftigen Menschen, alle anderen wählen J. M.-L.!

  7. Diese Gesundheitscrew sollte sofort in der Pflege und bei den Krankenhausengpässen eingesetzt werden – zumindest solange es dort um Leib und Leben geht.
    Wäre dann auch noch ein wenig später interessant zu erfahren, welche Qualitifkationen diese Damen und Herrn und vor allem welche Kenntnisse und Fähigkeiten im Gesundheitsbereich hatten

  8. Tante Hanni hat noch nie in ihrem Leben Kekse gebacken. Woran erkennt man das? Sie lässt beim Ausstechen zu viel Freiraum, das ist Teigverschwendung, so kriegt sie nur 3 Kekserl auf ein Blech. Ausserdem fehlt mir das Mehl auf der Arbeitsfläche und den Händen. Weiters wurde der Teig nicht mit dem Nudelholz gerollt, sonst wäre er rund. Er wurde bereits zugeschnitten gekauft. Ein fertiger Teig!? Wer nimmt sowas?! Die ÖVP verkauft auch hier die Wähler für komplett bescheuert…

  9. Es reicht- mir egal wieviel für Kekse ausgegeben wurde:
    20.000 Euro. Für eine solche Feier gab das Ministerium von Leonore Gewessler knapp 20.000 Euro aus. Über 4.000 Euro davon gingen dabei alleine für feines Catering drauf. Eingeladen wurde „die verkehrspolitisch-interessierte Öffenltichkeit, insbesondere Klimaticket-Inhaber“.

  10. Bei den Corona-Impfungen wurden meinen Verwandten, beide 80+, zwei verschiedene Ärzte in unterschiedlichen, weit voneinander und von der Heimatgemeinde der Betreffenden ordinierenden Ärzten zugewiesen. Wie die beiden hinkommen sollten, hat keinen interessiert. Tests waren nur umständlich und langwierig durchzuführen, kein Vergleich mit Wien.

    Für das nö Spitalswesen ist abgesandelt noch ein Kompliment. Wenn nicht das AKH in erreichbarer Nähe wäre, wäre für Ältere das Wohnen in NÖ gesundheitsgefährdend. So schauts aus.

    • stimmt genau mit dem spitalswesen.
      es geht f die patienten um leben ind tod, grund: himmelschreirnde inkompetenz, desinteresse.
      gibt auch wenige ausnahmen.
      ergo, wenn möglich, auf in d wr spitäler.

  11. Schaut aus wie in der Beschäftigungstherapie. Da kanns dann schon üben, denn man muss ja auch an die Zeit danach denken. Was würde sich da besser anbieten als ein geschützter Arbeitsplatz bei der Lebenshilfe.

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