Mittwoch, Februar 28, 2024

Umfragen sagen Absturz der ÖVP in NÖ voraus

Am tiefsten fällt die ÖVP in der “Kurier”-Sonntagsfrage von OGM. Dass Umfragen eine blau-rote Koalition in den Raum stellen, könnte noch ÖVP-Stimmen mobilisieren.

Wien, 23. Jänner 2023 | Am Wochenende vor der Landtagswahl in Niederösterreich prognostizierte eine OGM-Umfrage im „Kurier“ der ÖVP einen „Absturz“. Die Tageszeitung sprach von einem „Knaller“, der sich bei der Wahl anbahnt. Die Ergebnisse der OGM-Umfrage entsprechen im Trend jenen anderer Meinungsforschungsinstitute, sind aber am dramatischsten für die ÖVP.

Das Meinungsforschungsinstitut OGM hat 1.048 wahlberechtigte Niederösterreicher ausschließlich online befragt, die Schwankungsbreite liegt bei drei Prozent. Wegen seiner ausschließlich online durchgeführten Sonntagsfragen ist OGM 2021 aus dem Verband der Meinungsforscher geflogen.

Aufstieg der FPÖ

Laut OGM-Umfrage wird die niederösterreichische FPÖ die bisher zweitplatzierte SPÖ verdrängen: Ihr sagt das Institut einen Zugewinn von etwa zwölf Prozentpunkten gegenüber den Landtagswahlen 2018 zu, auf 26 Prozentpunkte. Etwa genauso viel soll die ÖVP an Stimmen verlieren. Damit würde die bisher mit absoluter Mehrheit regierende Volkspartei von 49,6 auf 37 Prozent abrutschen.

Laut Umfrage muss sich auch die SPÖ auf Verluste einstellen, wenn auch nur um etwa 0,9 Prozentpunkte. Damit ist zumindest rein rechnerisch eine blau-rote Koalition mit 49 Prozent der Stimmen möglich – dieses Schreckgespenst malt die ÖVP nun auch tatkräftig an die Wald.

Eindeutiger Trend, verschiedene Ausprägung

Während auch die Sonntagsfragen von Peter Hajeks UNIQUE Research und eine Market-Umfrage der ÖVP Niederösterreich schwere Verluste vorhersagen, ist die OGM-Umfrage in ihren Ergebnissen dennoch am schlechtesten für die ÖVP. Die Sonntagsfrage von UNQUE Research für Heute und ATV zwei Wochen vor der Wahl (720 deklarierte Wähler, Schwankungsbreite von 3,7 Prozentpunkten) sieht die ÖVP bei 40 Prozent, die FPÖ bei 25 und die SPÖ bei 22 Prozent. Weit abgeschlagen liegen Grüne und NEOS mit jeweils sechs Prozent.

Die Market-Umfrage im Auftrag des “Standard” (800 Befragte, repräsentativ) sieht die ÖVP bei 39 Prozent, dahinter die FPÖ bei 24, dann die SPÖ bei 23 Prozent. Den NEOS prognostiziert die Umfrage eine Zustimmung von sieben Prozent, den Grünen nur sechs Prozent.

Mobilisieren mit Schreckgespenst

Josef Kalina, Ex-SPÖ-Politiker und Gründer des Beratungs-Unternehmens UNIQUE Relations, wittert in der “Kurier”-Berichterstattung zur OGM-Sonntagsfrage Schlussmobilisierung der ÖVP. „Wurde in Tirol schon so gemacht“, schrieb Kalina am Sonntag auf Twitter, und sah gleichzeitig mehr Erfolgschancen für die Niederösterreichische Volkspartei und ihre Vorsitzende: „JML ist wesentlich stärker als ‚der Mattle‘.“

SPÖ warnt vor schwarz-blau

Von der SPÖ hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in St. Pölten, man solle sich vom “Umfragespiel nicht täuschen lassen”. Warnungen der ÖVP vor einem “Umsturz” durch eine blau-rote Koalition bezeichnete Co-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar als “Fake News”. Die SPÖ wittert Schlussmobilisierung, aber auch Erwartungsmanagement nach Vorbild der Tiroler Landtagswahl. Bei einem besseren Ergebnis könne man es dann als Sieg verkaufen. Auch die rote Partei mahnt vor einer teilblauen Überraschung: eine Koalition zwischen ÖVP und FPÖ, sollte die Volkspartei auf unter 40 Prozent rutschen.

Direktwahl für ÖVP besser

Würden Spitzenkandidaten direkt gewählt, stünde die ÖVP mit ihrer Spitzenkandidatin Johanna Mikl-Leitner der Umfrage zufolge etwas besser da. 40 Prozent der Befragten würden sie direkt wählen, 22 Prozent FPÖ-Kandidat Udo Landbauer, 17 Prozent SPÖ-Kandidat Franz Schnabl, sechs Prozent Indra Collini von den NEOS und nur drei Prozent die Grüne Helga Krismer.

Auch UNIQUE sähe Mikl-Leitner bei einer Direktwahl auf dem ersten Platz, allerdings auch nur bei 37 Prozent. Dahinter kommt Landbauer mit 17 Prozent Zustimmung, dann Schnabl mit zehn, dahinter Collini mit vier und zuletzt Krismer mit drei Prozent. 18 Prozent würden sich für keinen der Kandidaten entscheiden.

Der Market-Erhebung zufolge läge Mikl-Leitner bei 28 Prozent, Landbauer bei 18, Schnabl bei elf, Krismer bei sechs und an letzter Stelle Collini mit fünf Prozent. 20 Prozent würden keinem Spitzenkandidaten die Stimme geben.

ÖVP profitiert von Spitzenkandidatin

Der OGM-Umfrage zufolge dominiert bei ÖVP-Wählern als Wahlmotiv die Spitzenkandidatin Mikl-Leitner. Bei ganzen 50 Prozent ist sie das stärkste Argument für ein Kreuz bei der Volkspartei. Den Wählern der anderen Parteien geht es primär um „Programm, Ziele und Haltung der Partei“ (56 Prozent der FPÖ-Wähler, 51 Prozent der SPÖ-Wähler, 52 Prozent der NEOS-Wähler und 54 Prozent der Grüne-Wähler).

Gewohnheit ist kein demgegenüber starkes Motiv bei der Wahl. Nur bei der SPÖ (22 Prozent) und den Grünen (28 Prozent) gibt es hier einen signifikanten Anteil. Immerhin 13 Prozent der ÖVP-Wähler stimmen hier zu.

NEOS-Wahl vor allem durch Unzufriedenheit

Wer unzufrieden mit der politischen Lage ist und Veränderung will, schenkt seine Stimme laut OGM am ehesten den NEOS (37 Prozent der NEOS-Wähler), dann der FPÖ (28 Prozent der FPÖ-Wähler), dann der SPÖ (17 Prozent). Bei der Wahl der Grünen ist das nur bei neun Prozent der Wähler ein Motiv.

Naturgemäß findet man in dieser Kategorie nicht viele Wähler der regierenden Volkspartei: Gerade einmal ein Prozent gibt an, deshalb die ÖVP zu wählen.

(pma)

Titelbild: HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Pia Miller-Aichholz
Pia Miller-Aichholz
Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich
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26 Kommentare

  1. Ich finde Wahl Umfragen fundamental zum kotzen & ich finde man sollte sie eigentlich irgendwie verbieten.
    Abgesehen davon ist die Umfrage klarerweise kompletter Blödsinn – die KPÖ wird fix auf 4-7% kommen.
    Wenn ich falsch liege mache ich einen Monat lang Kommentar Pause.

  2. Das ist so, wie bei unseren Schifahrer:Innen. Die bringen die Leistungen nicht mehr und innerhalb kurzer Zeit stellen die ORFR-Reporter einen Paltz unter den ersten 10 schon als Super hin. So hat auch die ÖVP Tirol agiert. Schlechte Umfagen und dann einen Verlust von 10 Prozent ihren Wähern (Familienmitgliedern) als Sieg verkaufen. Und es ist nie etwas gewesen.

  3. Vermutlich der gleiche Schmäh wie in Tirol?
    Wird wirklich spannend das Ergebnis zu erfahren, auch wenn es letztendlich völlig wurscht ist, nicht nur weil sich weiter nichts ändert, sondern auch das vermutliche Zustande kommen (so wie in Tirol schon) absolut Niemanden etwas intererssiern wird?
    Die Menschen in diesem Land müssen sich eben langsam daran gewöhnen, dass sie in einer Wahldemokratie leben, wo eben genau das alles ganz normal ist…

  4. Der Kurier schreibt für die Hannerl so manches Gschichterl.
    Glaubhaft? Eher nicht…..

  5. Ihr müsst jetzt aufhören die SPÖ runterzuschreiben! Sonst haben wir in NÖ keine Gesundheitsversorgung mehr!

  6. SPÖ warnt nicht zu unrecht vor ÖVP/FPÖ. Denn de Musi wos de gschupften Oberösterreicher klass finden is a bei de bedienten Niederösterreicher Pflichtprogramm.

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