Samstag, Februar 24, 2024

ZackZack NEU: Wir brauchen euch!

ZackZack Neu: Kurz, Nehammer, Sobotka, Benko und Sigi Wolf können bezeugen, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber unsere Zukunft ist noch längst nicht sicher.

Wien | Im neuen Layout starten wir heute durch. Unser „Kleid“ ist neu, aber das Wichtigste bleibt gleich: unsere Unabhängigkeit beim Recherchieren und Berichten; und unsere Abhängigkeit von euch, unseren Unterstützerinnen und Unterstützern.

Wäre das nur unser Problem, dann würde jetzt ein Spendenaufruf folgen. Doch es geht um mehr. Dazu beginne ich mit einem Vorfall, der als Ausraster missverstanden wurde.

Die Nehammer-Attacke

„Hat der Kanzler Nerven und Verstand verloren?“ Als Karl Nehammer am 11. Jänner 2023 wutentbrannt den ORF-Moderator in der ZiB2 attackierte, haben sich wohl viele so wie ich diese Frage gestellt. Heute bin ich mir sicher, dass der ÖVP-Chef einen Plan hatte und ihn mit allen amateurboxerischen Mitteln umsetzte. 

Mit seinen „Schlägen“ auf ZiB2-Moderator Martin Thür hat Nehammer das Signal zur Attacke im ORF gegeben. Redakteurinnen erzählen uns immer öfter vom steigenden Druck und der Angst, die im ORF Einzug gehalten hat. Von St. Pölten bis Bregenz sind Landesstudios teilweise Selbstbedienungsläden der ÖVP geworden. Mit der ZiB2 wird eine der letzten Bastionen des freien ORF-Journalismus angegriffen. Wenn der Wolf/Thür-Brückenkopf fällt, muss nur noch bei Ö1 aufgeräumt werden.

ÖVP-Lobbyist Thomas Zach kommt aus dem Kabinett von Ex-Innenminister Ernst Strasser und dirigiert den Stiftungsrat. ORF-Generaldirektor Roland Weissmann hat früher auf Honorarbasis für eine Zach-Firma gearbeitet. Jetzt soll er als höchster ORF-Türsteher den Einmarsch der ÖVP sichern.

Dabei zeichnet sich ein Muster der Medienfreibeuterei ab: entern, übernehmen, auf neuen Kurs steuern. Der „Kurier“ segelt bereits unter türkiser Flagge. Das „Profil“ kann sich mit der Übernahme durch Kapitän Richard Grasl und Chefredakteurin Anna Thalhammer in den Konvoi einreihen. „Österreich“ und „Oe24“ schwimmen auf Honorarbasis mit. Die „Wiener Zeitung“ wird nicht mehr gebraucht und über Bord geworfen. 

Parallel zu all dem läuft eine weitere Attacke. Sie gilt uns, ZackZack. Die beiden ersten Versuche – totschweigen und totklagen – sind gescheitert. Vor wenigen Tagen hat uns auch der Oberste Gerichtshof gegen Benkos Imperium recht gegeben. Damit haben wir nach der Ho-Attacke auch die zweite Millionenklage erfolgreich abgewehrt.

Der dritte Versuch heißt „Aushungern“. Millionen Presseförderung für „Österreich“ und die Putin-Jubelplattform „Exxpress“, Fördersperre für ZackZack – das ist der neue Weg, die erfolgreichste Mediengründung der letzten zehn Jahre doch noch abzuwürgen.

Kurs auf Kickl

Bis vor kurzem haben wir geglaubt, dass das – vorläufige – Ende des Kurz-Regimes auch das Ende des Angriffs auf Rechtsstaat und Pressefreiheit ist. Jetzt macht die ÖVP klar, dass der neue Kurs härter wird: Alles, was mitschwimmt, wird gefördert. Alles, was nicht auf Kurs ist, wird versenkt. Der Kurs führt weg von Türkis-Grün ans andere politische Ufer. Dort wartet nach dem Wahlsieg in St. Pölten ein gestärkter Herbert Kickl mit seiner FPÖ.

Wenn die ÖVP die Flucht in den Rechtsblock mit Rückenwind gekaufter und eingeschüchterter Medien schafft, nehmen sich ein ÖVP-Justizminister die WKStA und eine türkis-blaue Mehrheit die Untersuchungsausschüsse vor. Dann haben Rechtsstaat und Pressefreiheit verloren – und nicht Sebastian Kurz. 

Nur von euch abhängig

Damit bin ich wieder bei uns. Unsere Bedeutung liegt nicht in unserer Größe. Wenn ZackZack bereits ein Massenmedium ist, dann sicher eines der kleinsten. Aber in den dreieinhalb Jahren seit unserer Gründung sind wir ein Brückenkopf geworden – für Pressefreiheit und mit der Garantie, dass über alles berichtet wird. Bei uns habt ihr die Geschichten gelesen, die andere nicht geschrieben haben – von Sobotkas BMI-Chats bis zu „Notruf AKH“, von „Cobra Libre“ bis zu den heiklen Recherchen über Putins Trolle in Wien, das Wirecard-Geheimdienst-Netzwerk und jetzt über die vielen Kanäle, über die Mikl-Leitner und Karner Steuergelder quasi in die niederösterreichische ÖVP fließen lassen.

Mit ZackZack NEU starten wir durch. Wir haben viel vor – und wenig Geld.

So, und jetzt kommt endlich der Aufruf. Wir brauchen euch, weil wir nur von euch abhängig sein wollen. Mit 10, 20 Euro im Monat im ZackZack-Club sichert ihr unser Überleben und die Unabhängigkeit einer tollen Redaktion. 

Früher hätte man jetzt hinzugefügt: „Ich hoffe, keine Fehlbitte getan zu haben.“ Heute schreibe ich euch nur, dass ich mich sehr freuen würde, wenn ihr uns helft, einfach weiter das zu tun, was andere nicht mehr können oder dürfen. 

Euer Peter Pilz

Titelbild: HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Peter Pilz
Peter Pilz
Peter Pilz ist Herausgeber von ZackZack.
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

5 Kommentare

  1. Wenn ich mir vorstelle, was ein Kickl mit dem ORF machen würde…der ORF wird immer die Begehrlichkeiten der Politik wecken. Das muss mit entsprechender Finanzierung und Gesetzen hintangehalten werden. Und weg mit diesem parteipolitischen Stiftungsrat der bei einem unabhängigen öffentlich rechtlichen Medium nichts verloren hat.

  2. Früher war der ORf fest in SPÖ-Hand, jetzt unterjochen ihn die Schwarzen. Eigentlich sind wir das schon gewohnt. Wenn da nicht die Zwangsgebühr wäre, die in diesem Zusammenhang zur Parteifinanzierung verkommt.
    Nachdem man das Problem offenichtlich nicht bewältigen kann/will, empfehle ich, den ORF abzuschaffen bzw. auf daas Notwendigste zu reduzieren.

    • … fangen wir vorher an, dem entsolidarisierend gerichteten Anti-EU-Bashing argumentativ fundiert faktenbezogen zu begegnen – und einzudämmen… (auch hier im Forum)

  3. vielleicht sollte man abgestufte beiträge anbieten, ich zb wäre bereit, statt des gekündigten profilabos etwas mehr zu investieren. profilabo kostet 99 juronen pro jahr

Kommentarfunktion ist geschlossen.

ZackZack gibt es weiter gratis. Weil alle, die sich Paywalls nicht leisten können, trotzdem Zugang zu unabhängigem Journalismus haben sollen. Damit wir das ohne Regierungsinserat schaffen, starten wir die „Aktion 3.000“. Wir brauchen 3.000 Club-Mitglieder wie DICH.