Montag, Juli 15, 2024

“Youtube-Jesus” lässt 1.000 Blinde wieder sehen

Niemand ist auf Youtube so erfolgreich wie “MrBeast”. Jetzt rührt er mit seinem neuesten Video Millionen von Menschen zu Tränen, muss aber auch Kritik einstecken.

San Francisco | “Du hast gerade 10.000 Dollar gewonnen” – es sind jene Buchstaben, die Charlie kurz vor dem operativen Eingriff noch nicht lesen konnte. Dann zahlt ihm Jimmy Donaldson alias “MrBeast” die teure Augen-OP, die ihm seine Sehkraft wieder zurückgibt.

Dass er neben seinem Augenlicht auch gleich einen saftigen Geldbetrag geschenkt bekommt, realisiert der Ex-Kassierer, der nun wieder seiner Arbeit nachgehen kann, erst, als Donaldson mit einem Koffer voll Bargeld vor ihm steht. Der Mann und seine Angehörigen können ihr Glück nicht fassen, brechen in Tränen aus – und mit ihnen wohl Millionen von Zusehern.

Nach Augen-OP gibts Tesla als Draufgabe

Hochemotionale Augenblicke wie dieser sind das Erfolgrezept von “MrBeasts” Videos. Der Kanal des erfolgreichsten Youtubers aller Zeiten zählt mittlerweile über 130 Millionen Abonnenten. Sein neuestes Video “1.000 People See For The First Time” wurde nach nur fünf Tagen bereits 78 Millionen mal angesehen. Doch Charlie ist im Video erst der 100. von 1.000 an Grauem Star erkrankten Menschen, denen der 24-jährige US-Amerikaner den kurzen operativen Eingriff bezahlt und damit ihr Leben zurückgibt.

Das ganze Video:

YouTube player

Dem nicht genug, legt Donaldson bei vielen Teilnehmern noch eins drauf und beschenkt sie reichlich. Sind es bei Charlie die 10.000 Dollar in bar, darf sich der junge Satchel über einen brandneuen Tesla freuen, mit seiner neu gewonnenen Sehkraft kann er schließlich endlich ein Auto lenken. Auch Patienten in anderen Ländern wie Jamaika, Mexiko und Namibia durften sich über den bezahlten Eingriff freuen.

Monatliche Einnahmen in Millionenhöhe

Der Youtube-Star verdient durch seinen Auftritt auf der Videoplattform so viel Geld, dass er damit nur so um sich wirft. Die Website “Social Blade”, die Statistiken und Analysen von Sozialen Medien bereitstellt, rechnet vor, dass Donaldson mit Werbung in seinen Videos zwischen 256.000 und 4,1 Millionen Dollar verdienen kann, je nachdem wie viral seine Clips gehen.

Und das tun sie immer. Denn genauso wie seine finanzielle Großzügigkeit kennt auch sein Ideenreichtum keine Grenzen. Mal verteilt er neue iPhones für fremde Leute in der Shopping-Mall, dann drückt er Obdachlosen auf der Straße 1.000 Dollar in die Hand. Viele seiner Videoprojekte nehmen dabei Dimensionen von finanziellem Aufwand an, von denen so mancher Fernsehsender nur träumen kann. Bei seinem bisher erfolgreichsten Video ließ “MrBeast” die Netflix-Serie “Squid Game” nachspielen. Der Gewinner bekam satte 456.000 Dollar Preisgeld.

Sein Konzept von immer teureren Produktionen zahlt sich aus: Die enorme Anzahl an Klicks bringen den Youtube-Star Werbeeinnahmen in Millionenhöhe, über Sponsoren und den Verkauf von Fanartikeln gibt es weiteres Geld, das er wieder in neue Videos investiert.

Fans vergleichen Youtube-Star mit Jesus

Mit seiner gelebten Philantropie schart “MrBeast” mittlerweile eine gigantische Fan-Community um sich. Von vielen wird er bereits mit Jesus verglichen. Der Erfolg des Youtubers zieht aber auch Kritiker an. Donaldson würde den Menschen nur helfen, um selbst Profit daraus zu schlagen. Auch die Tatsache, dass es in den USA einen reichen Youtuber braucht, damit sich Menschen einen kurzen operativen Eingriff leisten können, stimmt viele nachdenklich.

Donaldson nahm auf seinem Twitter-Account bereits Stellung zu den Aussagen mancher Kritiker, die ihn zu einem großen Teil über den Kurznachrichtendienst erreichten. Vielen könne man es einfach nicht Recht machen. “Twitter: Reiche Menschen sollten anderen mit ihrem Geld helfen Ich: Okay, ich werde mein Geld verwenden, um Menschen zu helfen, und ich verspreche, mein ganzes Geld zu verschenken, bevor ich sterbe. Jeden einzelnen Cent. Twitter: MrBeast schlecht”, so sein Tweet im Wortlaut.

“MrBeast” for President?

“MrBeast” will jedenfalls weiter in seine Videos investieren und Menschen helfen. Im Jahr 2020 startete er seinen Kanal “Beast Philantrophy”, von dem er sämtliche Einnahmen spenden will. Seine Beliebtheit könnte ihn irgendwann vielleicht auch zum Präsidenten machen. Auf Twitter hat er seine Follower bereits gefragt, ob sie ihn wählen würden. 70 Prozent von den zwei Millionen, die abstimmten, würden ihn gerne irgendwann im Weißen Haus sehen.

Titelbild: Screenshot youtube.com/Mr.Beast

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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