Mittwoch, Juli 24, 2024

Kocher in ZiB2: “Habe jetzt auch nicht Lösung”

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) war nach seinem Anti-Teilzeit-Vorschlag gehörig in die Kritik geraten. Am Sonntag war er in der “ZiB2” zu Gast, um erneut dazu Stellung zu beziehen.

Wien | Es ist eine Debatte, die auch innerhalb der ÖVP für ordentlich Gesprächsstoff sorgt. Der Vorschlag in einem “Kurier”-Interview von Arbeitsminister Martin Kocher: Sozialleistungen für Teilzeitarbeitende kürzen. Wenig später musste der Minister ausrücken und seine Idee präzisieren. Denn schnell war klar, dass bei Kochers Vorschlag Menschen mit Betreuungspflichten, sprich großteils Mütter und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, betroffen wären. Nach dem Wirbel um sein “Kurier”-Interview rückte Kocher aus, um gegen sich selbst klarzustellen: “Mütter und Frauen sind Tabu.”

Am Sonntagabend war Kocher im neuen “ZiB2”-Studio bei Martin Thür. Dort erneuerte der Minister, dass diese Gruppen nicht betroffen wären von etwaigen Kürzungen. Die steuerlichen Begünstigungen von Teilzeit sollen hier erhalten bleiben. Auf Nachfrage von Thür, welche Teilzeit arbeitende Gruppe denn dann noch übrig bleiben würde, wenn man Mütter und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen von Kürzungen ausschließen würde, blieb Kocher vage. Personen, die freiwillig in Teilzeit arbeiten würden, nannte der Arbeitsminister, eine konkrete Zahl folgte allerdings nicht. Kocher gehe es vor allem darum, Vollzeitarbeit attraktiver zu machen.

Menschen sollen länger arbeiten

Aufgrund der demografischen Entwicklung würden derzeit besonders viele Menschen in den nächsten Jahren in Pension gehen, deswegen brauche es jetzt viele Arbeitskräfte. Als Idee schwebt Kocher vor, länger zu arbeiten. Eine Arbeitsgruppe arbeite derzeit gemeinsam mit Sozialminister und Finanzminister am Thema Arbeiten im Alter. Kocher fragte: „Wie schaffen wir es, dass Menschen lange im Erwerbsprozess bleiben?“

Zum Thema Teilzeit wünschte sich der Minister, dass eine „faktenbasierte“ und nicht emotional geführte Debatte geführt werde. Er habe aber „jetzt auch nicht die Lösung sofort“.

Ausbau von Kinderbetreuung soll beschleunigt werden

Zu einer möglichen Lösung betreffend Ausbau von Kinder-Betreuungsstätten fragte Thür beim Minister nach. Nur zwei Länder in der Europäischen Union hätten geringere Betreuungsstunden in Kindergärten. Nicht einmal jedes dritte Kind ist in Österreich 30 Stunden oder mehr im Kindergarten. Besonders am Land ist dies ein großes Problem. Kocher sagte, dass es noch ein weiter Weg sei beim Ausbau der Betreuungsquoten. Dieser müsse beschleunigt werden.

Das ganze Interview finden Sie hier.

Titelbild: Screenshot “ZiB2”

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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