Mittwoch, Mai 29, 2024

Nach Beben: Roter Halbmond verkaufte überteuert Zelte

Der Türkische Rote Halbmond, die größte Hilfsorganisation des Landes, verkaufte nach den Beben zum Teil überteuert Zelte. Indes löste die Polizei in İstanbul gewaltsam eine entsprechende Demonstration auf.

Wien/İstanbul | Der Türkische Rote Halbmond (Kızılay), die Schwesternorganisation des Roten Kreuzes, wird dafür kritisiert, dass er Zelte für Erdbebenopfer überteuert verkauft habe. Kızılay hat drei Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Maraş unter anderem 2050 Zelte für circa 2,3 Millionen Euro an die soziale Hilfsorganisation AHBAP verkauft. Das berichtete Murat Ağırel von der Zeitung Cumhuriyet. Dabei soll man sich auf einen ermäßigten Sonderpreis von 19.000 Türkische Lira (ca. 950 Euro) pro Zelt geeinigt haben.

Selbst Lebensmittelrationen wurden verkauft

Der Gründer von AHBAP, der bekannte türkische Rockmusiker Haluk Levent, bestätigte den Verkauf. Er verwies außerdem darauf, dass selbst die Katastrophenschutzbehörde AFAD, die dem Innenministerium unterstellt ist, von Kızılay Zelte gekauft haben soll. Zusätzlich soll das Tochterunternehmen Kızılay Lojistik A.Ş (Roter Halbmond Logistik) 30.000 Lebensmittelrationen an AHBAP verkauft haben. Levent rechtfertigte den Kauf damit, dass unmittelbar nach den Beben nirgendwo anders soviel Zelte so schnell hätten organisiert werden können. Der Leiter von Kızılay Kerem Kınık verteidigte den Kauf weiters als moralisch, rational und legal.

Verkauf überteuerter Zelte an Apothekerverband

Kızılay verwehrte sich auch gegen Kritik die Zelte nicht gespendet zu haben. Ein Tochterunternehmen namens Kızılay Çadır ve Tekstil A.Ş (Roter Halbmond Zelt und Textilie) habe die Zelte zu Produktionskosten verkauft. Die Erlöse seien an die Hauptorganisation zurückgeflossen, die damit die Produktion weiterer Zelte finanzieren könne. Der Journalist Ağırel zweifelte an der Darstellung, die Zelte seien nur zu Produktionskosten verkauft worden. So habe beispielsweise der türkische Apothekerverband fünf Zelte mit 75 Quadratmeter für jeweils circa 7990 Euro gekauft.

TİP-Demonstration gewaltsam aufgelöst

In der Nacht von Sonntag auf Montag demonstrierten Anhänger der Türkischen Arbeiterpartei (TİP) im İstanbuler Stadtteil Kadıköy gegen Kızılay und den als profitorientiert wahrgenommenen Zeltverkauf. Die Polizei griff mit dem Einsatz von Schlagstöcken hart durch und verhaftete über 100 Parteimitglieder, darunter auch Erdbebenopfer. Außerdem wurden Journalisten daran gehindert eine Pressekonferenz von TİP-Parlamentariern, sowie den Polizeieinsatz gegen die Demonstration zu filmen. Die Organisation und der Abtransport von Hilfsgütern durch TİP wurden erheblich auch dadurch behindert, dass die Polizei Barrieren rund um die lokale Parteizentrale errichteten.

Titelbild: LOUAI BESHARA / AFP / picturedesk.com

Gabriel Hartmann
Gabriel Hartmann
Reporter für türkisch-österreichische Gschichten. Beobachtet die Entwicklungen und den Wahlkampf in der Türkei. Dil kılıçtan keskindir.
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4 Kommentare

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plot_in
1.3.2023 0:31

Boah! Diese menschenverachtenden Geldgeilisten! Im Sog der menschenverachtenden Machtgeilisten.

Denkt an RU: In RU gibt es keine Oligarchen (mehr). Sie haben keinen Einfluss. Sie dürfen jetzt den Krieg finanzieren oder sterben. Zu sagen haben sie nichts. Diktaturen mögen geil klingen, aber sie sind nur für wenige wirklich geil. Wählt die korrupte Bagage ab.

Fahrenheit450
1.3.2023 5:09
Antworte auf  plot_in

In Österreich wird gerade eine Art Ermächtigungsgesetz vorbereitet. Dann spielen wir auch in derselben Liga.

nikita
28.2.2023 22:39

Warum wundert mich das nicht!
Nachdem Erdogan den Kizilay verteidigt hat ist es jedem klar dass die Sache stinkt. Er hat möglicherweise auch da seine Finger im Spiel, ist doch Kurdengebiet.
Er hat 50000 Tote auf dem Gewissen was ihn nicht davon abhält Erdbebenopfer einzusperren und zu verprügeln. Da ist er ganz schnell, genauso wie er die Kurden auch während der Katastrophe bombardiert hat. Was für ein Monster!
Gut das AHBAP so schnell reagiert hat und genug Geld zur Verfügung hatte dies auch tun zu können.

Fahrenheit450
1.3.2023 5:12
Antworte auf  nikita

Das Monster entscheidet derzeit gerade darüber, welche Schutzbedürftigen Schweden an ihn ausliefern muss, damit er dem Nato-Beitritt zustimmt. Die er dann foltern und einsperren kann auf Lebzeiten. Und stört das jemanden in der EU ? Oder hier bei uns ? Oder stört das irgendein wichtiges Massenmedium ?
Denkste.

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