Freitag, Mai 17, 2024

Das grüne Band – Skylla & Charybdis

Ausnahmsweise schreibt unsere Kolumnistin Julya Rabinowich nicht über Politisches. Nur über Freude und große Erwartungen.

Wien | Man hat es geschafft, die dunkelste Zeit des Jahres liegt nun hinter einem, die Tage wachsen, die Eier erröten und die Märzhasen haben pünktlich in ihren Kalendern nachgesehen und sich zum Stelldichein auf der Blutwiesn verabredet. Die Katzen brüllen nächtens bereits, ein untrügliches Zeichen für Zeitenwende. 

Nein, das wird jetzt ausnahmsweise nicht politisch. Auch nicht kritisch. Weder grün noch türkis noch rot noch pink, schon gar nicht blau. Man muss manchmal Pausen machen von dem, was einem täglich entgegenströmt aus Zeitungen, Sendungen, Livestreams und Social Media. Der Blick darf auch mal wandern, von der Verkastelung des Bildschirms jeder Größe hinfort zu anderen Weiten und Ausblicken.

Erholung statt Tunnel-Lichtblicke

Der Blick muss sich erholen von Verengung auf den Augenblick des Politgeschehens. Tut er das nicht, läuft man Gefahr, dass dieser Blick sich zum Tunnelblick verengt, und entgegen aller Ankündigungen des Altkanzlers findet sich an dessen Ende mitnichten ein Licht. Bestenfalls eine schmerzhafte Augenentzündung. Schlimmstenfalls ein knackiges Burnout.

Der Blick schweift also zur Erholung, diese Erholung liegt in der Ferne. So wie der Obstbaum am Ende des Feldes. Ein erstes zartes Grün sprießt schon, kaum noch zu erkennen, mehr zu erahnen wie ein kommendes Versprechen des Frühlings. Man hat es geschafft, die dunkelste Zeit des Jahres liegt nun hinter einem, die Tage wachsen, die Eier erröten und die Märzhasen haben pünktlich in ihren Kalendern nachgesehen und sich zum Stelldichein auf der Blutwiesn verabredet. Die Katzen brüllen nächtens bereits, ein untrügliches Zeichen für Zeitenwende. Die Blumen schlafen zwar noch, aber bald, bald brechen auch sie hervor in Farbräuschen auf Wiesen und städtischen Parks. Die Apfelbäume gehen schon avantgardistisch voran. Bald blüht in den Alleen alles und Paare stehen im Blütenregen, während sie an die Stämme gelehnt ihre Zungen verknoten.

Das Leben wartet nicht

Die Allergiker füllen vorsorglich ihr Arsenal, Verliebte das ihre. In den Weinbergen laufen Vorbereitungen an, der Wein der Zukunft schläft noch, die Schanigärten wachsen, die Buschenschank wird ansturmgerecht gemacht. Die Erwartungen wachsen auch. Der Frühling verspricht Erneuerung und Aufwallen aller möglichen Gefühle. Manche Wahlen stehen an, aber wir haben ja gesagt, heute nichts Politisches. Heute nur Freuden und große Erwartungen! Der Frühling kommt, auch wenn er vielleicht noch Eiswatschn ausfasst vom Winter, der sich trotz Gegenwehr im Rückzugsgefecht befindet. Die Welt dreht sich unerbittlich weiter und weiter und trägt uns ins Helle und Warme. Wer Sorge hat, dass der Winter ihm Schutzschichten aus Speck verfasste, soll nicht verzweifeln, sondern entspannt in den Alleen wandern. Die Badesaison hat noch Zeit und kann warten. Das Leben nicht.

Titelbild: ZackZack/Miriam Mone

Julya Rabinowich
Julya Rabinowich
Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.
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2 Kommentare

  1. Endlich Frühling!

    Baumarktkassen klingeln fröhlich!
    Endlich gibt es wieder was zu tun!
    Volle Gartencenter; beinah täglich
    flitzen Rasenmäher opportun
    im geheulten monotonen Jaulen
    trimmend, nagend über ihre Rasen
    an den Nachmittagen und vergraulen
    Ruhesuchenden den Sonnenschlaf
    vom Stutzen, Kehren an den Händen Blasen
    kompostiert, gehäckselt nun der Winterschlaf.

    Der Mensch will, was er hat, auch zeigen
    – für das Idyll zu Haus auch gerne schwitzend –
    wird ein Stückchen Freiheit kreativ erbaut
    jeden Meter sonst im Auto sitzend
    schließlich nennt er‘s stolz sein Eigen
    eh man prüfend dann beim Nachbarn schaut.

    Pico bello! Fast wie aus dem Ei gepellt!
    Frühling ist es! – und die Menschen friedlich
    auch der Hund in Freude wedelnd bellt
    weil es zu tun gibt – und so niedlich!

    © AntonYm

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