Montag, März 4, 2024

„Schmutzige Methoden“: Rendi-Wagners Frontal-Attacke

Nachdem der Streit zwischen Bundes-SPÖ und dem roten Burgenland weiterging, schoss Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner am Donnerstag wieder hart Richtung Doskozil. Sie prangerte „schmutzigen Methoden“ und eine „Heckenschützenmentalität“ an.

Wien | Das rote Tohuwabohu spitzt sich weiter zu. Nachdem Pamela Rendi-Wagner am Montag bereits Hans-Peter Doskozil scharf in der „ZiB2“ kritisiert hatte und es am Mittwoch zu einem zumindest fragwürdigen Leak eines Vier-Augen-Gespräches über Mitgliedsbeiträge zwischen Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch und Burgenland-Landesgeschäftsführer Roland Fürst gekommen war, setzte es die nächste Attacke am Donnerstag.

Bei einer Pressekonferenz im „roten Foyer“, die sich eigentlich mit einem Mieten-Stopp auseinander setzten sollte, brannte den anwesenden Journalisten naturgemäß eine Frage unter den Fingernägeln: Was ist mit Doskozil und den Mitgliedsbeiträgen?

Rendi-Wagner sagte, dass sie am Donnertsag persönlich über den Inhalt des Telefonates zwischen Deutsch und Fürst informiert wurde. Es habe laut Rendi-Wagner die „Drohungen“ einer Einstellung der Mitgliedsbeiträge gegeben. Das Burgenland habe allerdings klargestellt, dass dies nicht umgesetzt werde.

“Drohungen und Einschüchterungen”

Und hier holte Rendi-Wagner zur Frontal-Attacke gegen das Burgenland aus: “Das sind schmutzige Methoden aus dem Umfeld des Landeshauptmannes Doskozils, das sind schmutzige Methoden, Drohungen, Einschüchterungen gegenüber Mitarbeitern als auch gegenüber Abgeordneten. Meist aus dem Hinterhalt getroffen, das sind Gerüchte die gestreut werden, das ist eine Heckenschützenmentalität, wie wir sie in der österreichischen Politik immer wieder antreffen.”

Deutsch: “War unmissverständlich”

Zeitgleich mit Rendi-Wagner war der Bundesgeschäftsführer Deutsch im Ö1-Mittagsjournal. Wenn er Roland Fürst jetzt ernstnimmt – was er versucht, wie er sagte – sei vom Burgenland jetzt wieder beabsichtigt, doch weiter zu zahlen. Es habe sich um „kein Missverständnis“ gehandelt. Am Dienstag gab es via Telefon „eine unmissverständliche Ankündigung, dass die letzte Überweisung die letzte war und dass es jetzt einen Zahlungsstopp gibt“. Es sei „eine ganz klare Ankündigung“ gewesen. Das konnte er „natürlich nicht stehen lassen“. Für Christian Deutsch gab es daher „Handlungsbedarf“.

Kommt der Showdown? – Nein, sagt Deutsch

Bei ihm würden nämlich „Drohungen prinzipiell nicht funktionieren“. Auf die Frage, ob dann also Fürst lügt, sagte Deutsch: „Das will ich jetzt nicht kommentieren“. Aber es sei nicht das erste Mal gewesen, dass eine solche Ankündigung aus dem Burgenland erfolgt sei. Für ihn sei der Fall jetzt erledigt, die „Fetzen“ flögen – das auf Nachfrage von „Oe1″ – nicht. Jetzt wolle man sich wieder den Inhalten zuwenden. Bei der Präsidiumssitzung nächste Woche werden laut Deutsch „alle offenen Fragen“ zwischen Rendi-Wagner und Doskozil auf den Tisch gelegt werden. Es ginge schließlich darum, „Wahlen zu gewinnen“.

Titelbild: Robert Jaeger / apa / picturedesk.com

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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21 Kommentare

  1. Erpressungspolitik. Trump machte es so plump, dass es einem klar ins Auge sprang. Auf offener Bühne. Putin übt sich auch in Erpressungspolitik, set 2 Jahren auch auf offener Bühne. Man setzt jemandem die Pistole an die Brust und sagt: Ich will dies und das.

    Erdogan tut es seit langem, Netanjahu ist ebenso Erpressungspolitiker wie Orban. Erpressungspolitik hört man auch von österreichischen Politiker:innen. Man denke an Kurz und Strache die EU zu erpressen. Bisher war das eine Domäne der “Rechten”, nun schlägt Doskozil zu.

    Diese Methode macht Doskozil vielleicht nicht zum “Rechten”, aber wenn man in die Geschichte blickt, zum “lupenreinen Demokraten”. Früher hieß eine solche Vorgangsweise faschistische Politik.

  2. Wann wird die Impffanatikerin endlich verstehen, dass sie selbst es war, die auf´s falsche Pferd gesetzt hat. Die Leute konnten diese vom Ehrgeiz zerfressene Kunstfigur schon früher nicht leiden, in der Coronazeit hat sie sichs aber endgültig verscherzt. Warum schleimen in der Partei immer noch alle um sie rum, anstatt ihr endlich reinen Wein einzuschenken?

  3. Jetzt flattern sie aber, die Nerven, bei der Rendi. Solche Äusserungen wie heute mit dem Frontalangriff gegen Doskozil, da disqualifiziert sie sich selber. Sie begreift es einfach nicht, dass sie fehl am Platz ist. So arg wie sie den Burgenländer angreift, hat es dieser in ihre Richtung gar nie gemacht. Ich vermute, dass sie einfach die Marjonette von Deutsch, Leichtfried und Ludwig ist. Leider überreißt sie es nicht.

    • Es gibt nichts, was den Durst des Menschen nach Rache in solchem Grade weckt, als die Kränkung der Ehre. Frau Wagner wäre jedoch gut beraten ihre vermeintliche “Ehrenbeleidigungen bzw. Kränkung” durch den Burgenländer wegzustecken, denn die letzte Ehre ist die einzige Ehre, die manchen Menschen zuteil wird. Ich denke, hoffe und glaube, Frau Wagners Tage an der Spitze der SPÖ sind gezählt.

    • Ich denke, Doskozil hat es sich mit der Baulandsteuer (Baulandmobilisierungsabgabe) mit vielen im Bgl. verscherzt. Wenn Hergovich das in NÖ. auch vorhat, sehe ich schwarz für die Roten.

  4. Worum gehts bei der ganzen Sache eigentlich wirklich? Ist das ein Richtungsstreit? Warum hockt man in Burgenland und glaubt von dort aus die ganze Partei so ummodeln zu können, wie man es für richtig hält? Ist das nicht irgendwie etwas abgehoben? Ist dem Dosko irgendwas zu Kopf gestiegen? Wenn ja, was? Verhält sich so ein Sozialdemokrat? Ist das die Herangehensweise einer Führungsperson oder einer Führerperson?

    • Es ist kein Richtungsstreit. Es ist ein Führungsstreit.

      Ich würde diesen Streit auch nicht als Inselphänomen der SPÖ zuschreiben. Wenn wir die Schablone “Erpressungspolitik” heranziehen, um dieses Phänomen genauer anzusehen, dann sehen wir, dass die “Erpressungspolitik” überall grassiert: Bei den Republikanern in den USA, Türkis gegen Schwarz und die EU, Blau gegen alle anderen (aber immer für Putin), Orban gegen die EU, LePen gegen die EU etc.

      Nun wurde halt auch Doskozil als Erpressungspoltiker geoutet. Aber er war es schon vorher. Und wenn man Erdogan, Putin und weitere Erpressungskünstler heranzieht, so sieht man, dass diese immer in den Krieg führen. Darum gibts Streit.

      Für mich ist durchaus vorstellbar, dass Doskozil wie Kurz (und viele andere in der Ö-Politik) über sieben Ecken ein rus Agent ist, selbst erpresst wird (mit Kompromat?) und angewiesen ist, zu zerstören. Ob Österreich überhaupt ob des gekauften, erpressten Personals überhaupt noch eigenständig ist.

      • Die österreichische Politik ist an der Kippe zu einem faschistischen Staat. Nicht, weil nur eine Partei sich faschistisch organisiert, sondern weil in allen Parteien Politiker hochgespült sind – in höchste Ämter – die eine faschistische Organisation der Gesellschaft wünschen und faschistische Methoden anwenden. Erpressungspolitik ist definitiv eine faschistische Methode.

      • Und ich meinte damit nicht seine Fans im Lager von ÖVP und FPÖ, denen naturgemäß sein Zerstörungswerk an der SPÖ Freude bereitet, sondern ich meinte seine Befürworter unter den SPÖ Mitgliedern / Wählern, wie jene zu seiner, wie Sie es beschreiben, Erpressungspolitik stehen.

  5. Defakto ist sowohl PRW als auch Dosko als First Person zu stark beschädigt um in die nächsten NR Wahlen zu gehen. Spannend ist wer der Unbekannte Held wird. Vermutlich wird dieser dann aus dem Wiener Umfeld gestellt.

    • Die oder der lachende Dritte? Hoffe da stark auf Kern. Julia Herr wäre mir aber persönlich am sympathischten, doch dürfte sie wohl chancenlos sein wenn die rote Machopartie es geschafft hat PRW los zu werden.

  6. Am Deutsch und Wimmer seiner choreografierten Vorgangsweise ist zu erkennen das man Doskozil anpatzen und diskreditieren möchte. Die Rendi Wagner hat es mit der Brief Einladung nicht geschafft weil Doskozil zugesagt hat und man ihn wegen Nichtkommens nicht schimpfen und schlechtmachen konnte. Jetzt wird eben vordergründig die Mitgliedsgeld Karte gezogen. Ärger als die Kurz Partie!

    • Was ist denn das für eine Tatsachenverdrehung? Lüge als Prinzip? Dann braucht man nichts mehr miteinander reden, weil auch alles, was wahr ist, Lüge sein kann, man jemandem sowieso mal nichts glauben kann.

      Doskozil ist der Akteur und der Erpresser, der in Aussicht stellen ließ, die Zahlungen einzustellen. Das ist Erpressung. Und wenn man eine Analogie zu Kurz ziehen kann, dann die, dass offenbar beide Erpressungspolitik betreiben.

    • Doskozil anpatzen? Es stimmt ja alles, was über ihn gesagt wird und geschwiegen wurde dazu ohnehin viel zu lange. Die Mitgliedsgelder hat die Doskozil-Partie ins Spiel gebracht, nicht die Bundespartei. Der Kurz-Vergleich trifft hier Doskozil, der geglaubt hat, sich durch fortwährende Obstruktion kampflos den Parteivorsitz holen zu können. Nachdem Rendi Wagner ihm klar gemacht hat, dass diese Rechnung nicht aufgeht, kann Doskozil sich nicht einmal zu einer Deklaration durchringen, ob er er antritt oder nicht. Da gesellt sich zu Narzissmus und Hinterhältigkeit auch noch Feigheit, ganz genau wie bei Kurz.
      Doskozil ist der Letzte, den Österreich für eine moralische Erneuerung gebrauchen kann.

  7. Seit 2018 lässt sich Fr.PRW vom Hr. Doskozil verbal abwatschen. Endlich spricht sie aus was Sache ist , das Hr.D und seine Freunde hinterfotzige Genossen sind. Und wie immer feig dazu. Frei nach dem Film Männer in Strumpfhosen, vorbei die waren Helden😂😂.

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