Freitag, Februar 23, 2024

ÖVP Tirol überschritt angekündigte Wahlkampfkosten deutlich

Die ÖVP Tirol überschritt bei der Landtagswahl die vereinbarte Wahlkampfkostenobergrenze von 1,5 Millionen Euro um rund 900.000 Euro.

Innsbruck | Rund ein halbes Jahr nach der Tiroler Landtagswahl im Herbst erstellen die Landtagsparteien wie vereinbart ihre Abrechnungen für den Landesrechnungshof. Dabei kam zutage, dass die ÖVP die vereinbarte, aber nicht in Gesetzesform gegossene, Wahlkampfkostenobergrenze von 1,5 Millionen Euro um rund 900.000 Euro überschritten hat, berichtete die “Tiroler Tageszeitung” am Donnerstag. Auch die SPÖ lag um 80.000 Euro über den selbst angegebenen Kosten.

Die Klubobleute der damaligen schwarz-grünen Landesregierung, Jakob Wolf (ÖVP) und Gebi Mair (Grüne), hatten vor dem Wahlkampf angekündigt, nicht mehr als 2,85 Euro pro Wahlberechtigtem ausgeben zu wollen. Dadurch kam die Summe von 1,5 Millionen Euro zustande. Wie der ehemalige ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun angab, wollte die ÖVP diese Obergrenze ausschöpfen, die anderen Parteien legten sich die Wahlkampfkosten-Latte tiefer.

“Kostenintensiver als geplant”

Der nunmehrige ÖVP-Manager und Malaun-Nachfolger Sebastian Kolland argumentierte die 900.000 Euro an Mehrausgaben damit, dass “erstmals auch alle Kosten unserer Bünde vollumfänglich” miteingerechnet wurden, und dies ab dem Stichtag 27. Juni. “Die Abrechnung hat gezeigt, dass vor allem die Aktionen zur Mobilisierung in den letzten beiden Wahlkampfwochen wesentlich kostenintensiver als geplant waren”, gab Kolland an. Er erwartete sich von den anderen Parteien, “dass sie Diskussionen über die Finanzierung von Wahlkämpfen nicht polemisch, sondern sachlich und offen führen”. “Fakt ist, dass sich die Größe und Struktur einer Partei und die bei der Tiroler Volkspartei große Anzahl an Abgeordneten und Kandidatinnen und Kandidaten auch auf die Wahlkampfkosten niederschlägt”, meinte der Parteimanager. Kolland versprach, dass die ÖVP ihren, mit seinem Amtsantritt “eingeschlagenen ehrlichen, offenen und transparenten Weg unbeirrt weitergehen wird”.

SPÖ: “Müssen uns nicht genieren”

Die SPÖ, die nun mit der ÖVP die Landesregierung bildet, hatte mit Wahlkampfkosten von 550.000 bis 600.000 Euro gerechnet, am Ende wurden es dann 680.000 Euro. “Für die zusätzlichen Aufwendungen am Ende des Wahlkampfes müssen wir uns nicht genieren”, sagte SPÖ-Landesgeschäftsführer Lukas Matt der “TT”. Die Freiheitlichen blieben unter den selbst veranschlagten 850.000 Euro, die Liste Fritz mit 463.666 Euro ebenfalls. Eingeplant hatte die Liste Fritz nämlich 590.000 Euro. Die Grünen wiederum kamen statt der angenommenen 505.000 Euro bei 496.792 Euro zu liegen. Die NEOS überschritten die auferlegte Obergrenze um 13.000 Euro und rechnen nun mit 543.000 Euro ab. Der Grund dafür liege bei angefallenen Überstunden, hieß es von den Pinken.

“Die Kostenüberschreitung der ÖVP ist mehr als unser gesamter Wahlkampf gekostet hat”, stellte FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger fest. Die Schwarzen seien “die teuersten Verlierer Tirols”. “Die ÖVP hat nichts kapiert. Angesichts ihrer einschlägigen Vergangenheit und der massiven Teuerung ist das eine pure Verhöhnung der Tiroler”, kritisierte der FPÖ-Chef. “Das erinnert stark an das System Kurz: Geplant überzogen, betrogen, gelogen”.

Grüne und NEOS mit scharfer Kritik

Der grüne Klubobmann Gebi Mair verwies auf einen damaligen Beschluss im Landtagsausschuss, die 1,5 Millionen Euro nicht zu überschreiten – eine Einigung im Landtag war dann aber gescheitert. Dass die ÖVP “ungeniert” gegen die Obergrenze verstößt, “schlägt dem Fass den Boden aus”, sagte Mair. Er erwarte sich, “dass alle Tiroler Parteien diesen unfairen Schritt der Volkspartei nicht akzeptieren”, auch die SPÖ sei hier gefordert. “Die Tiroler Volkspartei glaubt, dass sie sich mit ihren unfairen Methoden einfach durchschwindeln kann, aber das wird sich nicht spielen”, sagte Mair. Er verwies zudem auf die Diskussion um Corona-Hilfen für Seniorenbund und Bauernbund-Teilorganisationen. Dies habe “deutlich gezeigt, dass die Volkspartei hier Zahlungsströme vermische”, so der grüne Klubchef.

Die NEOS bezeichneten die Wahlkampfausgaben der ÖVP indes als “schamlos”. Diese habe eine Wahlkampfkostenobergrenze von einer Million Euro abgelehnt und sich selbst “gönnerhaft eine Kostenobergrenze von 1,5 Millionen Euro für den Wahlkampf” gesetzt. Eine weitere Überschreitung passiere nicht einfach, “so etwas ist geplant”, meinte Klubobmann Dominik Oberhofer.

Titelbild: EXPA / APA / picturedesk.com

Redaktion
Redaktion
Die ZackZack Redaktion
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

11 Kommentare

  1. Wenig überraschend. Uns Wähler*innen ist das schon ziemlich egal – offensichtlich! Ich frage mich oft welche Art von “Ehre” oder auch Unrechtbewusstsein diese Menschen noch haben? Keine? Jedenfalls haben diese Menschen in meinem Augen jeden Anspruch auf Glaubhaftigkeit oder Hochachtung verloren. Nur mehr Geld und Macht vor Augen, nutzen sie die jeweiligen Positionen für sich und die jeweiligen “Freunde” … Zum Fremdschämen!!

  2. Diese Kostenüberschreitung durch die ÖVP ist wegen der zu erwartenden Spenden der dankbaren Wirtschaft für die steuerlich verhätschelten und Coronaüberförderten Großunternehmen ohne Risiko möglich.

    “Eine Hand wäscht die andere” ist das System ÖVP in Reinkultur.

  3. Ja jetzt bin ehrlich nicht überrascht es ist halt die führende Wirtschaftspartei Österreich, da spülts das Geld schon rein.🙈

  4. Gott sei Dank sind wir so nicht…
    …sagte irgendwann einmal ein sehr prominenter Nichtstuer in diesem Land…

  5. Es müssten fixe Wahlkampfkosten vorgeschrieben werden und ein Überschreiten Mandatsverluste zur Folge haben.

    Mehr Werbung, mehr Manipulation und mehr gekaufte Stimmen. Ein solches Missverhältnis ist an der Grenze zum Betrug, der bisher nicht nur nicht bestraft sondern mit besseren Wahlergebnissen belohnt wird.

    • Ah, nicht böse sein. Dass ist der ÖVP ja insgesamt in Ö “zum ersten Mal passiert”! Und beim ersten Mal geht ja viel in die Hose?

      • Ich bin nicht böse:-) Nicht einmal überrascht. Einfach nur daran gewöhnt, dass die ÖVP die Richtlinien nicht einhält und den Pöbel verhöhnt und ihm die Augen auswischt.

  6. | Kolland versprach, dass die ÖVP ihren, mit seinem Amtsantritt “eingeschlagenen ehrlichen, offenen und transparenten Weg unbeirrt weitergehen wird”. |

    … nicht einmal mehr eine Drohung, sondern ein unverhohlenes Versprechen …

    Einfach ein “-” vor diese KernSyntax setzen, dann heisst es in die Alltagssprache übersetzt: “Ihr könnt uns alle mal! Es wird kosten was es braucht, um adäquat weiter drüber zu fahren.”

    -> Es erinnert nicht nur an ein “System Kurz”, es ist DAS BündeSystem top down RBI-IV-WKO-BB-ÖAAB, welches es u.a. auch mit Kurz & Co einmal kurz probierte, und für Hanger noch nicht bewiesen werden konnte.

    Aber! Sobald die RBI ihre Hose nicht mehr um den Arsch bringen wird (auch Volksbank, Oberbank, Erste usw. wird’s dann bald mit-zerreissen), wird eine lokale Tsunami-Walze unser Land fluten. Was dann noch systemrelevant immer noch zu gebrauchen sein wird, werden wir uns zu gegebener Zeit ansehen… -> Und NIEMAND wird vorab etwas erahnt haben können!!!

Kommentarfunktion ist geschlossen.

ZackZack gibt es weiter gratis. Weil alle, die sich Paywalls nicht leisten können, trotzdem Zugang zu unabhängigem Journalismus haben sollen. Damit wir das ohne Regierungsinserat schaffen, starten wir die „Aktion 3.000“. Wir brauchen 3.000 Club-Mitglieder wie DICH.