Mittwoch, Juli 24, 2024

SPÖ: Wer auf wessen Seite steht

Ob es nun bei den drei prominenten Kandidaten – Rendi-Wagner, Doskozil und Babler – bleibt oder noch ein paar Außenseiter hinzukommen, die Fronten bei der SPÖ-Mitgliederbefragung werden klarer.

Wien | Sowohl Pamela Rendi-Wagner als auch Hans Peter Doskozil und Andreas Babler konnten in den vergangenen Tagen mehr oder weniger bekannte Unterstützer lukrieren. Die Amtsinhaberin wird stark vom Establishment und den Frauen gestützt, die beiden anderen Bewerber ringen darum, als Kandidaten der Basis wahrgenommen zu werden.

Rendi-Wagner: Frauen und prominente SPÖ-Granden

Das Team um Rendi-Wagner spielt ganz eindeutig den Frauen-Joker. Die Vorgabe der 30 Unterstützungserklärungen wurde mit 100 weiblichen Mitgliedern übererfüllt. Zwar wurde betont, dass hier Sympathien aus allen Bereichen der weiblichen Sozialdemokratie bekundet werden, doch sticht die hohe Zahl prominenter Frauen hervor. Dazu zählen mit u.a. der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures Vertreterinnen Wiens, etwa mit Eva Maria Holzleitner Repräsentantinnen der Frauenorganisation und mit AK-Präsidentin Renate Anderl politische Schwergewichte aus der Gewerkschaft.

Dazu kommen noch Parteilegenden wie die frühere Siemens-Chefin und Staatssekretärin Brigitte Ederer und Ex-Ministerin Hilde Hawlicek sowie Margit Fischer, Frau des ehemaligen Bundespräsidenten. Insgesamt finden sich unter den Unterstützerinnen sieben weibliche Abgeordnete aus dem Nationalratsklub, der 18 Frauen umfasst.

Doskozil: Abgeordneten, Cap und vielleicht Kern

Doch auch Doskozil hat in der Fraktion seine Anhänger. Das beginnt fast schon selbstverständlich mit den beiden burgenländischen Abgeordneten Maximilian Köllner und Christian Drobits. Dazu haben sich die Niederösterreicherinnen Petra Tanzler und Melanie Erasim als Unterstützerinnen geoutet. Zuletzt gesellte sich der ehemalige Bundesgeschäftsführer Max Lercher hinzu, dem im Fall eines Doskozil-Siegs in der Partei vermutlich eine wichtigere Rolle zufallen wird.

Altkanzler Christian Kern hat sich zwar nicht deklariert, diverse Aussagen in Interviews lassen aber vermuten, dass er sich im burgenländischen Boot befindet. Doskozil kann sich auch über weitere ehemalige Parteigranden in seinem Lager freuen. Besonders hervorgetan hat sich Ex-Innenminister Karl Schlögl. Aber auch der langjährige Klubchef Josef Cap äußerte Sympathien für den Landeshauptmann. Noch eindeutiger positionierten sich für ihn einige Bürgermeister aus größeren steirischen Städten wie Leoben und Knittelfeld. Landesorganisationen, die Doskozil nahe stehen, sich öffentlich aber zurücknehmen, sind Niederösterreich und Salzburg.

Babler: Mann der Basis

Dies versteht man vor allem bei den Niederösterreichern, ist doch auch ein Kandidat aus ihrem Bundesland mitten im Rennen. Der Traiskirchener Bürgermeister Babler wurde stets als Mann der Basis verkauft und verkauft sich nun in eigener Sache auch als solcher. Insofern schielt er gar nicht so sehr auf prominente Unterstützer. Einer kam dann am Wochenende von sich aus mit dem Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch. Freilich hat Babler durch seine Vorarlberger Frau ohnehin engere Bände ins Ländle. Das ändert freilich nichts daran, dass die dortige Landesvorsitzende Gabriele Sprickler-Falschlunger Rendi-Wagner unterstützt. Der einzige Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Reinhold Einwallner wiederum meint, dass sich etwas in der Spitze ändern müsse, sagt aber nicht was.

Fans hat der Traiskirchener Bürgermeister auch in Wien, war eine Veranstaltung der Ottakringer Sozialdemokraten mit ihm zuletzt doch überlaufen. Wohl nicht zufällig auf Instagram gepostet wurde ein Traiskirchen-Besuch aus dem Burgenland, von der Ortspartei Hirm, die Delegation angeführt von der früheren Bundesratspräsidentin Inge Posch-Gruska, die freilich per Erklärung Rendi-Wagner unterstützte.

Als Babler seine Kandidatur ankündigte, gab es auch “Gefällt mir”-Angaben von der Nationalratsabgeordneten Julia Herr und von der Innsbrucker Stadträtin Elisabeth Mayr, aber auch von Wiens Stadtrat Jürgen Czernohorszky. Das sind zwar keine öffentlichen Unterstützungserklärungen, aber immerhin Sympathie-Bekundungen. Einer stellte sich ganz offen hinter den Bürgermeister, nämlich der Innsbrucker Stadtparteiobmann Benjamin Plach.

Insgesamt herrscht aber in der Partei viel Zurückhaltung sich zu outen – entsprechende Bekenntnisse könnten sich ja im Fall einer Niederlage des eigenen Favoriten strategisch als ungünstig erweisen. Dennoch wird wohl der ein oder andere noch sein Stimmverhalten kundtun, je näher die Befragung rückt.

Titelbild: APA / picturedesk.com

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