Mittwoch, Mai 29, 2024

Teil 12: „Aufenthaltsort des Geldes verschleiert“

Sigi Wolf „habe Teile dieser Gelder teils in Gold erhalten (bzw. teils in bar oder Namensschecks erhalten und dann in Gold umgetauscht) und bis zur Rückgabe an den Erstangeklagten in der Schweiz verwahrt. Damit sollte (unter anderem) der Aufenthaltsort des Geldes verschleiert werden.“ Das ist der Kern der WKStA -Anklage gegen Sigi Wolf.

Wien | Sigi Wolf ist von Beruf „Werkzeugmacher“. Vieles deutet darauf hin, dass Magna-Vorstand Hubert Hödl sein wirkungsvollstes Werkzeug war. Aber warum soll Wolf für Hödl Geld versteckt haben?

Die Hödl-Geschichte spielt in der Etage der „Broker.“ Sie kaufen und verkaufen ganze Geschäfte und, im Fall „Eurofighter“ – Gegengeschäftsbestätigungen. Eine Etage darüber sitzen die Chefs – die CEO´s, die Minister und Männer wie Sigi Wolf. Seit 1995 stand Wolf als Präsident an der Spitze der Magna Europe AG im niederösterreichischen Oberwaltersdorf und wurde bald zur rechten Hand von Magna-Eigentümer Frank Stronach.

Mit Grasser bei Eurofighter

Am 11. Juni 2001 nahm Sigi Wolf den damaligen Finanzminister zu einem Besuch ins Eurofighter-Werk im bayrischen Manching mit. Karl Heinz Grasser erinnerte sich im U-Ausschuss: „Siegfried Wolf hat mich angerufen und hat gesagt: Du, es steht ja im Regierungsübereinkommen drin, dass die Beschaffung von Abfangjägern das Ziel ist  – und Herr Bischoff, einerseits Daimler-Chrysler-Vorstand und damit mitverantwortlich für Milliardenaufträge, die an den Automobil-Cluster nach Österreich gehen, und damit für Wertschöpfung und für Arbeitsplätze, will dich in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender von EADS kennen lernen und will mit dir über diese Beschaffung reden!“

Nur wenigen war zu diesem Zeitpunkt klar, dass mit dem Einstieg von Daimler-Chrysler und Magna aus der Eurofighter-Beschaffung plötzlich ein Automobil-Geschäft geworden war. Der österreichische „Automobil-Cluster“ bestand vor allem aus einem Konzern: der Magna AG.

„Warum macht der Herr Wolf einen Termin mit dem Herrn Bischoff oder sagt mir: Mach’ doch bitte den Termin mit dem Herrn Bischoff! –, ich meine, das ist relativ einfach nachvollziehbar.“

Grasser machte den Abgeordneten klar, dass es um den „Automobilcluster“ ging: „Wenn dort ein Vorstand von Daimler-Chrysler sitzt – das habe ich schon gesagt, dass Bischoff damals vor allem Vorstand von Daimler-Chrysler war und in zweiter Linie Aufsichtsratsvorsitzender von EADS – und sie haben dort eine Menge Aufträge, Österreich Automobilcluster, aber auch MAGNA, von Daimler-Chrysler, dann wird man wahrscheinlich mit seiner Kundschaft freundlich umgehen im Interesse des Unternehmens – und als Finanzminister im Interesse des Standorts, im Interesse der Beschäftigten, weil MAGNA einfach eines der Unternehmen ist, die halt Tausende Mitarbeiter beschäftigt und einen guten Job gemacht haben über die letzten Jahre.“

So einfach war das: Magna wollte Aufträge für die Autoproduktion, und Auto-Hersteller „Daimler“ wollte den Eurofighter-Auftrag für seine Tochter EADS.

Die letzte Frage

Am 8. Mai 2015 saß ein hoher Vertreter der „Plattform Gegengeschäfte“ der WKÖ bei zwei Beamten der Kontrolle im Verteidigungsministerium. Das EADS-Problem war bekannt: Der Konzern hatte sich vertraglich verpflichtet, „Gegengeschäfte“ in Wert von 200 Prozent des Eurofighter-Kaufpreises zu liefern. Für jede fehlende Million wären fünf Prozent Pönale zu zahlen.

Der WKÖ-Vertreter berichtete über eine Gruppe, die sich rund um Eurofighter-Lobbyisten gebildet hatte: „Dieser Personenkreis hatte die „phantastische Idee“, EADS anzubieten, die in deren Büchern stehende Rückstellung der 5 Prozent-Pönale eines 4 Milliarden Gegengeschäfts-Volumens gegen die Summe von glaublich 120 Millionen abzulösen.“

Die „phantastische Idee“ scheint Wirklichkeit geworden zu sein. Knapp 120 Millionen Euro sind von EADS an Vector Aerospace geflossen. Eine der Personen, die in dem Gespräch im Verteidigungsministerium genannt wurden, war Hubert Hödl.

Im Magna-Konzern arbeitete Hödl für Wolf. In der Regierung hatte Wolf mit Grasser ein Rückkehrrecht zu Magna vereinbart. Stronach vertraute Wolf und überließ ihm wesentliche Teile des Geschäfts. Egal, von welcher Seite man sich der Eurofighter-Affäre nähert, man stößt immer wieder auf Siegfried Wolf. Bei ihm schließen sich viele Kreise.

„Unser Mann hat es geschafft!“

Der Wiener Geschäftsmann Richard Drasche-Wartinberg erinnert sich:

„Am 2. Juli 2002 traf ich Magna-Vorstand Siegi Wolf im Bristol in Zusammenhang mit einer geschäftlichen Angelegenheit, die nichts mit der Causa „Eurofighter“ zu tun hat. Herr Wolf lud mich auf einen Champagner ein. Ich fragte nach, was der Grund dafür sei, ich sei ja keine Dame und er meinte: „Heute ist ein wichtiger Tag für uns, weil die Regierung die Eurofighter beschlossen hat. Unser Mann hat es geschafft!“

Im Lauf des Gesprächs sagte Wolf unmissverständlich, dass es sich bei „unserem Mann“ um den damaligen Finanzminister Karl Heinz Grasser handelt.“

Den möglichen kriminellen Teil der Wolf/Hödl-Geschichte wird jetzt ein Strafgericht zu klären versuchen. Politisch ist längst geklärt, dass zwei Parteien die Verantwortung für den größten Korruptionsfall der letzten Jahrzehnte tragen: ÖVP und FPÖ.

Titelbild: FRANZ NEUMAYR / APA / picturedesk.com, GERARD CERLES / AFP / picturedesk.com, Montage ZackZack

Peter Pilz
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Peter Pilz ist Herausgeber von ZackZack.
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Dealer
4.7.2023 9:24

Für mich sind diese vier Berichte über diesen Skandal ein historischer weiterer Beweis, dass wir eben MINDESTENS und schon lange eine Wahldemokratie sind, aber vermutlich eben auch noch überhaupt weiter bleiben wollen?

plot_in
5.7.2023 1:04
Antworte auf  Dealer

Und wie helfen Sie uns da wieder raus? Abgesehen davon, halte ich IHren Beitrag an dieser Stelle für eine Themenverfehlung. Ja, die Demokratie kracht an allen Ecken und Enden. Wie kommen wir da wieder raus?

Dealer
5.7.2023 8:04
Antworte auf  plot_in

Das ist die und eine gute Frage…

Themenverfehlung meinen sie? – Damit sind wir wohl wieder bei der offenen Frage? (Es wäre aber auch denkbar, dass das alle ganz NORMAL ist?)

bad_MF
4.7.2023 1:26

Julian Assange wird 52 und ist seit mehr als 4.000 Tagen in Haft.

bad_MF
4.7.2023 12:46
Antworte auf  bad_MF
Dealer
4.7.2023 9:23
Antworte auf  bad_MF

Unfassbar und ein schwerer Beweis für die faschistoid gewordene Welt!

4.7.2023 5:10
Antworte auf  bad_MF

Und ZZ, angeblich so um die Pressefreiheit besorgt, findet kein einziges Wort zu seiner Verteidigung.

plot_in
5.7.2023 1:03
Antworte auf 

Das ist weniger verwunderlich, als Sie denken. Die Leaks waren damals so konzertiert getaket, dass sie Trump nützten. Es gibt Protokolle, die belegen, dass das Wahlkampfteam von Trump mit den Veröffentlichern zusammenarbeitete. Auch Tonbänder. Und ähnliche Protokolle führen zu rus Mittelsmännern.

Assange und WikiLeaks können durchaus auch unterwandert worden sein, wovon Assange nichts wusste. Dafür spricht, dass er nicht wie andere in RU Asylant wurde.

Es würde Zeit werden, dass es zu Gerichtsverhandlungen kommt. Aber auch in den USA ziehen sich komplexe Verfahren hin.

plot_in
3.7.2023 22:05

Die Geschichten liegen 20 Jahre zurück. Es ist nahezu unmöglich sich die Malversationen über einen Zeitraum von 20 Jahren bildlich vorzustellen. Seit 20 Jahren ist die Justiz mit den Fällen beschäftigt, seit 20 Jahren grätscht die ÖVP rein. Nichts tut sich. Seit 20 Jahren ist der Eurofighter-Skandal kein wirkliches Thema für die Medien, weil es komplex ist, kaum verständlich darstellbar. Darum danke für die Darstellung, auch wenn mr die rus Verbindungen darin abgehen.

Währenddessen fabuliert Rauscher im Standard von Schüssel als letztem herausragenden Kanzler in Österreich.

Dealer
4.7.2023 9:26
Antworte auf  plot_in

Mir hat ein schwer verdächtiger Anwalt einmal direkt ins Gesicht gesagt, die Komplexität mag man bei der Justiz nicht, deshalb muss man es komplex und skuril machen, denn dann glauben es die Menschen auch nicht und die Medien wollen dann schon gar nichts mehr und vor allem in dieser Zeit damit zu tun haben…

Dealer
4.7.2023 9:28
Antworte auf  Dealer

Die Komplexität ist faktoriell ! und deshalb auch (wenn man will) ganz leicht strukturell auf- und abzuarbeiten und vor allem wieder zu reduzieren!

AntonYm
4.7.2023 10:48
Antworte auf  Dealer

Geh-nau! Deshalb wählt auch FPÖ
weil die erklärt uns dann ganz schnö’
wie’s einfach geht; man muss nur glauben
und scheissen wie am Dach die Tauben
auf’s Denken, weil es reicht ein Satz
und halten in der Hand den Spatz!
Egoismus wird doch viel bequemer
ist Pragmatismus Rechtsextremer!
Das Leben ist nicht bunt, gefährlich
wir Effen sind doch IMMER ehrlich!!!

Danielle Durand
4.7.2023 7:15
Antworte auf  plot_in

Raucher der ewige Opportun ist.

plot_in
5.7.2023 0:56
Antworte auf  Danielle Durand

Ich hab zuerst geglaubt, dass er nicht mehr alle Sinne beieinander hat. Doch dann, beim Lesen, ist mir dunkel klar geworden, er GLAUBT an eine redliche ÖVP. Immer noch. Der gesamte Text war (s)ein Glaubensbekenntnis.

AntonYm
3.7.2023 16:25

Wie meinte doch der Leit-Wolf kryptisch:
“Von Wirtschaft hat wohl niemand Ahnung,
wie es wirklich funktioniert” – denn nur politisch
läuft BigBusiness rund und wie geschmiert
gekauft, geduldet von versteckten Namen
Millionen schäbig schiebend fraktioniert…
In der Justiz beamten kleine Diener
im Vergleich, erpressbar einen Teufel tun
anzuklagen, um zu richten die Schlawiner.
Ein Amtsgeheimnis-Schwur hilft opportun!

Jetzt: der Pilnacek Laptop!

Denn: ZackZack bist auch DU!