Freitag, Juli 19, 2024

Wiener Ärztekammer: auf SIGNA -Spuren

80 Millionen Euro für ein Haus am Wiener Graben – die Ärztekammer ist auf Immo-Einkaufstour… Die wenigen Wochen bis zu einem möglichen Konkurs und einem Preisverfall wollten die Ärzte-Funktionäre nicht abwarten. Das Meinl-Haus ist eine weitere Luxusimmobilie, in die die Pflichtbeiträge der Ärzt_innen wandern.

Der Kauf des Meinl-Hauses am Graben 19 für 80 Millionen Euro kam für die meisten überraschend. Ausgerechnet der zerbröselnden SIGNA-Gruppe kaufte die Ärztekammer das Haus für den beinahe vollen Verkehrswert ab.

Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer der Creditreform, sprach im Ö1-Morgenjournal vom Freitag, den 29.12., nach der SIGNA-Pleite von einem „Dominoeffekt“ bei Immobilienpreisen und einem „extremen Wertverfall“. Die einstigen Luxusimmobilien würden jetzt zum Schnäppchenpreis verschleudert werden. Der Verkehrswert der Grundstücke der nunmehr insolventen SIGNA-Development reduzierte sich etwa von 2,2 Milliarden Euro auf 296 Millionen Euro, wie das „profil“ berichtet. Nimmt man einen ähnlichen Wertverfall beim Objekt „Graben 19“ an, wäre auch das Meinl-Haus möglicherweise um einen Bruchteil der 80 Millionen erwerbbar gewesen.

ZackZack wollte von der Wiener Ärztekammer wissen, warum man nicht noch einige Wochen mit dem Kauf gewartet habe, um die Immobilie deutlich verbilligt aus der Konkursmasse zu kaufen. Doch auf zwei Presseanfragen kam von der Ärztekammer dazu keine Antwort.

Spekulation mit Pflichtbeiträgen

Die luxuriösen Immobilien, die sich in den Wiener Bezirken 1, 2, 3, 4, 6 und 7 befinden, werden hauptsächlich durch die Pflichtbeiträge von Wiener Ärztinnen und Ärzten über den Wohlfahrtsfonds der Ärztekammer Wien finanziert. Im Jahr 2023 mussten Ärztinnen und Ärzte, soweit sie nicht von den Beiträgen befreit waren, bis zu 14 Prozent ihres Bruttoeinkommens an den Fonds abliefern. Dazu kommt noch die Kammerumlage in Höhe von rund 2 Prozent. Die Pflichtbeiträge müssen zusätzlich zur normalen Pensionsversicherung bezahlt werden.

Der Wiener Arzt Dr. Christian Fiala kämpft offen gegen den Zwangscharakter der Zusatzpension. Mit seiner Ablehnung des Wohlfahrtsfonds ist er unter Ärzten und Ärztinnen nicht allein. Rund die Hälfte aller Wiener Ärztinnen und Ärzte lehnt die Pflichtbeiträge an den Wohlfahrtsfonds entschieden ab. „Ich sehe nicht ein, dass ich als Arzt zu einer Zusatzpension verpflichtet werde.“

Laut Angaben des Wohlfahrtsfonds selbst soll der Kauf der teuren Immobilien die Pensionen nachhaltig absichern. Zuletzt lief die Spekulation aber weniger gut. Im Jahr 2022 brach das Veranlagungsergebnis um 10,53 Prozent ein. Werden die Pflichtbeiträge der Wiener Ärzteschaft in schlechte Immobiliendeals investiert? Fiala findet klare Worte. Zum Wohlfahrtsfonds sagt er, dieser sei „keine Altersvorsorge, sondern eine Kapitalvernichtung“.

Mit Stichtag 31.12.2022 machte der Wohlfahrtsfonds rund 25 Millionen Euro Verlust. Durch den Einbruch der SIGNA verschlechtert sich die Wirtschaftslage für Immobilien weiter. Sollte der Markt für Ärztekammer-Immobilien weiter einbrechen, könnten die Zusatzpensionen nachhaltig in Gefahr geraten. 

Ausnahme für Funktionäre

Für die gut dotierten Tätigkeiten bei Ärztekammer und Wohlfahrtsfonds sind die Funktionäre von den Pflichtbeiträgen für den Wohlfahrtsfonds befreit. Denn nur für Einkommen aus ärztlichen Tätigkeiten, muss man Anteile an den Wohlfahrtsfond bezahlen. Die teuren Luxusimmobilien werden vorwiegend mit den Pflichtbeiträgen derjenigen Ärzte und Ärztinnen bezahlt, die tatsächlich hauptsächlich ärztliche Tätigkeiten ausüben.

Das Immo-Reich der Ärztekammer

Neben dem Meinl-Haus am Graben gehören noch 13 weitere Liegenschaften der Ärztekammer für Wien. 2021 sorgte der bisher größte Immobiliendeal der Kammer für Aufsehen, als der Grabenhof für 327,5 Millionen von der Österreichischen Beamtenversicherung zur Ärztekammer wechselte. Zwei anonyme Tippgeber, die der Ärztekammer von der Kaufoption des Grabenhofs berichteten, bekamen damals 900.000 Euro als Belohnung.

Grabenhof, Graben 14-15

Am Franziskanerplatz 6 in der Wiener Innenstadt steht das elegante „Haus zum Grünen Löwen“, das genauso wie die Adressen Kohlmarkt 12, Karlsplatz 2 und Rotenturmstraße 19 zum Immobilienimperium der Ärztekammer für Wien gehört. Zwei Liegenschaften am Franz-Josefs-Kai Nummer 13 und 65 runden das Immobilienportfolio des Wohlfahrtsfonds in der Wiener Innenstadt ab.

Dazu gesellen sich zwei Häuser auf der Landstraßer Hauptstraße 32 und 138, die Rechte Wienzeile 29 sowie zwei fast gegenüberliegende Immobilien auf der Mariahilferstraße 62 und 71.

Laut Jahresbericht des Wohlfahrtsfonds sollen die Kammer-Immobilien noch immer einen Wert von mehr als 812 Millionen Euro haben – mehr als 55 Prozent des Gesamtvermögens der Kammer.

Titelbild: EVA MANHART / APA / picturedesk.com, Montage: ZackZack

Autor

  • Daniel Pilz

    Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.

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