Donnerstag, April 25, 2024

Die E-Auto Reichweitenlüge

Elektroautos liegen im Trend. Doch sie sind für viele Strecken vollkommen unbrauchbar. Oftmals wird von den Herstellern bei der Reichweite scheinbar getrickst. Nach ersten Gerichtsurteilen mussten Händler E-Autos deshalb zurücknehmen.

Das Oberlandesgericht Linz entschied in einem vielbeachteten Urteil 2022, dass der Händler eines VW E-Golfs das Auto zum beinahe vollen Preis vom Käufer zurücknehmen müsse. Der Grund: Das Auto konnte die versprochene Reichweite bei Weitem nicht einhalten. Anstelle der versprochenen 230 Kilometer Reichweite, konnte das Auto nur 120 Kilometer zurücklegen.

Solche Urteile sind in Europa bisher selten. Das Urteil aus Linz war eines der ersten im deutschsprachigen Raum.

Problemfall WLTP-Test             

Das Urteil vom Oberlandesgericht Linz wird voraussichtlich nicht das letzte seiner Art sein. Denn die Reichweitenangabe nach dem international angewandten WLTP-Test ist oftmals mangelhaft und weist starke Abweichungen zwischen Laborbedingungen und Realität auf.

WLTP steht für “Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure”. Nur noch Autos, die sich dem WLTP unterzogen haben, werden zugelassen. Ziel des von der EU-Kommission entwickelten Testvorgangs ist es, realistische Verbrauchsangaben für die Nutzer bereitzustellen.

Innerhalb von 30 Minuten werden 23,25 Kilometer zurückgelegt. Die mittlere Geschwindigkeit beträgt 46,5 km/h, kurzzeitig wird auch auf bis zu 131 km/h beschleunigt.

Die Crux: Viele Autohersteller optimieren die Autos für den WLTP-Test so, dass die Leistung während des Tests unrealistische Daten zutage fördert. So sind die Autos etwa oftmals mit einer Innenausstattung versehen, die deutlich leichter ist, als beim Kauf des Autos. Außerdem ist beim WLTP die Außentemperatur, die für die Reichweite von E-Autos besonders relevant ist, mit 23 und 14 Grad Celsius eine für die Autos günstige.

Gutachten verheerend

Nun könnte bald ein weiteres, ähnliches Urteil aus Oberösterreich folgen. Eine Familie kaufte sich einen elektrischen Citroën, der laut Autohändler 400 Kilometer weit fahren sollte. Er schaffte unter realen Bedingungen nicht einmal die Hälfte davon. Die Familie zog deshalb vor Gericht, will die Kosten für das Auto ersetzt haben. Der Gutachter meint zu dem Auto laut „Krone“: „Ich weiß nicht, wie der Autohersteller auf die angegebene Reichweite kommt. Das kann sich nicht ausgehen“. Die verbaute Batterie könne diese Reichweite niemals einhalten. Gute Nachrichten für die oberösterreichische Familie, die den Citroën womöglich zum fast vollen Kaufpreis zurückgeben kann.

Anwalt: Oberster Gerichtshof gefragt

Alexander Holzleitner, Geschäftsführer der „Poduschka Anwalts mbH“, die die Kläger in beiden genannten Fällen vertritt, hofft ein baldiges Urteil des Obersten Gerichtshofs. Zu klären sei, ab wann eine Abweichung von der WLTP-Angabe ein beeinträchtigender Mangel ist, der zur Rückgabe des Autos berechtigt. Holzleitner hoffe im Gespräch mit ZackZack auf einen „OGH-Spruch bezüglich einer 10- oder 15 Prozent Schwelle“. Damit ist gemeint, dass eine Abweichung zwischen Realität und WLTP um zehn oder 15 Prozent, einen ernsthaften Mangel bedeutet.

Holzleitner weist aber auch darauf hin, dass man Realität und WLTP nicht eins zu eins vergleichen könne. Vielmehr gilt es, den WLTP-Test selbst in der Realität durchzuführen. Denn „der Prüfwert ist oft schon falsch“. Oft würde sich dann herausstellen, dass die Reichweite laut WLTP-Test unrealistisch ist.

Der Anwalt sieht auch die Verkäufer in der Pflicht. Die „Händler sind in der Bringschuld, besser aufzuklären, den Kunden bei E-Autos klarzumachen, die Fahrweise zu verändern.“

Denn schließlich bleiben die Händler bei den bisherigen Urteilen die Geschädigten. Für die Hersteller gibt es bei Abweichungen zwischen Realität und Test noch nichts zu befürchten.

Titelbild: pixabay

Daniel Pilz
Daniel Pilz
Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.
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18 Kommentare

  1. E-Auto-Ernüchterung

    Große Mitwagenvermieter geben tausende Stromer zurück: zu teuer, zu umständliche Ladetechnik, zu hohe Reparaturkosten, von den Kunden nicht angenommen.

    Ein großer Tankstellenbetreiber muß feststellen, dass für tausende geplante Ladestationen das bestehende Netz bei weitem nicht ausreicht.

    Die Politik kümmert das alles nicht, da wird mit Förderungen Geld verbrannt für eine Technologie, die noch gar nicht massenmarktfähig ist.

    Gewessler hat eine Geldmaschine angeworfen, die nur dazu dient, Firmenchefs günstig zu einem PS starken Zweitauto zu verhelfen.

    Die Masse der privaten Autokunden meiden größtenteils diese Technologie. Zu viele Risiken, Unsicherheiten und zu hohe Kosten.

    Vom kalkulierbaren Restwert und von der gefälschen Umweltbilanz ganz zu schweigen.

  2. Die grössten Schummler wieder mal
    …Trommelwirbel…..
    Die Deutschen Autohersteller….VW führt im Trixen….

  3. ZackZack hat also korrekt berichtet – und ergänzt mit dieser Mitteilung seinen Bericht.

    Wieder erfolgreich ein Verfahren daschlong ???

    • Macht es Sinn, ständig, immer und bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Vertrauen in die Justiz zu daschlogn? Wird davon irgend etwas besser????? Der Frust kleiner? Die Justiz gerechter? Die Grünen eine bessere Partei?

      • Welches vertrauen in die Justiz ….
        Grün werden besser….wenn sie sie sich auflösen und in schwurkisblau umfärben….ihre Reale Farbe. .

  4. Wann wird man solchen Tricksereien endlich einen Riegel vorschieben? Besonders bitter wird es ja dann, wenn der Kunde nicht nur betrogen wird sondern auch noch gesundheitlich geschädigt oder gar Leib und Leben in Gefahr sind. Da entwickelt sich dann z.B. die unter Laborbedingungen vermeintlich “schwer entflammbare” Wärmedämmung unter realen Bedingungen zu einer Flammenhöllen mit giftigem Rauch.

    • Spalten werden abgeklebt, Höherer Luftdruck in den Reifen, Rechter Spiegel abmontiert, Werkzeuge bis Teile sogar ausgebaut um Gewicht einzusparen, dann fahren speziell geschulte Leute die wissen wie sie am besten sparen, massive Umbauten u d betrügeien sind sogar legal….

      • Ist eine eigene Wissenschaft wie man solche Produktprüfverfahren zu Ungunsten der Konsumenten beeinflussen kann. Deshalb sollte ein Produkt verpflichtend einen Realitytest bestehen müssen.

  5. | Denn schließlich bleiben die Händler bei den bisherigen Urteilen die Geschädigten. Für die Hersteller gibt es bei Abweichungen zwischen Realität und Test noch nichts zu befürchten. |

    So ist das im “postfaktischen” Zeitalter. In früheren Zeiten, vor dieser “Moderne”, musstest dich ggf. einer Betrugsanklage (in diesem Fall gewerblich) stellen und wurdest “faktisch” dafür kriminalisiert und abgestraft – bis geächtet. Heutzutage wird in diesem global durchorganisierten Netzwerk so lange ein “Schuldiger” oder eine kleine Gruppe jener gesucht, die nur mehr einer einzelnen “Entscheidung zur Vorgangsweise” wegen bestenfalls überführt und verurteilt werden. Selten ein mit AberMillionen vergüteter (vertrauenswürdig besetzter) Spitzen-Manager.

    “Realitäten” wider alltäglicher Erfahrungen neu beschreibend “zu schaffen”, indem man “alternative Fakten” propagiert, ist das moderne Konzept unserer Weltenlenker und -Denker, den Herausforderungen zu begegnen, akuten Lösungsbedarf zu prokrastenieren. Wie wurde denn das aufgeklärte Verständnis des Funktionierens von Demokratie mangels Einsicht bzw. geistiger bzw. pragmatischer Flexibilität umfunktioniert?

    Die Wähler*innen ursprünglich
    1. sammelten Fakten,
    2. zogen Schlussfolgerungen aus den Fakten,
    3. bildeten auf der Grundlage dieser Schlussfolgerungen Positionen zu bestimmten Themen und
    4. wählten dann eine politische Partei, die diese Positionen teilt,
    5. tragfähige Lösungen dafür in Aussicht stellte.

    Aktuelle Erkenntnisse aus der Politikwissenschaft zeigen, dass dieser Prozess nun fast genau umgekehrt abläuft:
    Die Wähler*innen heute
    1. wählen eine Bewegung oder eine Partei auf der Grundlage von propagierten Wertvorstellungen,
    2. übernehmen die Themenpositionen dieser Gesinnungsgemeinschaft,
    3. entwickeln Argumente, die diese Positionen unterstützen, und
    4. wählen(!) Fakten, um diese Argumente zu untermauern
    5. erheben es zur allgemeingültigen Wahrheit.

    Damit entsteht eine stark polarisierte Gesellschaft, in der Kompromisse zwischen Parteien (WeltANSICHTEN, die als REALITÄTEN verkauft werden) immer weniger bis nicht mehr möglich sind. Jede Partei (Lobbyist*innen und bezahlte Huren) beansprucht dabei im Vorhinein die totale DEUTUNGshoheit für sich, was trotziges Oppositionsverhalten erzeugt, das zu immer extremeren politischen Positionen führt und nur in Verbindung mit radikalem Gruppendenken möglich wird, da Gruppenzugehörigkeit für die Meinungsbildung und das daraus resultierende Wahlverhalten wichtiger werden als Tatsachen. Die demokratische Legitimierung von Herrschaft auf Grundlage von diskursivem Wissen wird mit einer nicht-diskursiven Legitimierung von Wissen (“Wir sind die Mitte!”) auf Grundlage von Gruppenzugehörigkeiten kontrastiert, vorzugsweise emotional polarisiert.

    Nicht einer angestrebt möglichst breit gefächerten Lösung wegen zur maßgeblich übergeordnet gesamtkulturellen Gesellschaftsentwicklung, um kollektiv Resilienzen zu kultivieren (oder wenigstens Teil-Schritte auf dem Weg zu Lösungen hin zu setzen), nein, der Begriff „postfaktisch“ und verbunden damit die Idee einer postfaktischen Welt oder Politik (an eine neoliberale Wirtschaftspolitik adaptiert und dieser untergeordnet) waren lange vor dem Jahr 2016 schon im Umlauf. Diese “Idee” ist schon seit ihrer Geburt als Bedrohung der Demokratie verstanden worden und nicht erst Donald Trump, Putin, Wickl, Orban, Xi, Erdogan, Kurz-Christlich-Soziale & Co entwickelten diese inzwischen “gesellschaftsfähig” unter Zuhilfenahme digitaler Medien – hier im kleinen, seit jeher stockkonservativ erzkatholischen Österreich auch noch mit unverschämt subventionierter Printlandschaft. Schließlich kennt man in der Philosophie z. B. die Unterscheidung zwischen Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten -> weil nicht alle Wahrheit nämlich in Fakten aufgehen muss, sondern oft genug repetitiv bemüht auch “zum Gefühl” übernommen GLAUBHAFT werden kann …

    • 🤔Danke, jetzt weiß ich endlich warum ich mit bestimmten WählerInnengruppen nicht zu Rande komme. Ich bin einzelgängerisch dem ursprünglichen Wahlverhalten zugetan, denn mein kluger Vater prägte den Satz: “Auch wenn alle von der Klippe springen musst du ja nicht hinterherspringen….”!

      • Nachtrag: Was mein Vater damals aber bestimmt noch nicht wusste war, dass sich die Leute Realitäten schaffen und argumentieren würden, die einen Sprung von der Klippe in die Nähe eines familienfreundlichen Freizeitvergnügens rücken würden…..

  6. Die Reichweite ist eine für die Autos günstige.
    Bitte, ersparen Sie mir diesen Bastineusprech.
    Schreiben Sie doch einfach:
    Die Reichweite ist für die Autos günstig.
    Danke.

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