Mittwoch, Juli 24, 2024

Baustelle ÖBB

Die ÖBB kämpfen derzeit mit massiven Verspätungen und Zug- und Waggonausfällen. Während der Unmut der Fahrgäste wächst, verweisen die ÖBB auf Lieferschwierigkeiten bei bestellten Fahrzeugen.

„Reise Wien Zürich mit Sitzplatzreservierung, Wagon nicht vorhanden.“

„1.Klasse Platzreservierung, kein Zug mit 1. Klasse vorhanden, (angeblich mehrere Railjet Garnituren beschädigt) kein Speisewagen, kein reservierter Platz in einem heillos überfüllten uralten Zug.“

„Die Verkehrsmittel zwischen Graz und Lienz sind generell eine Zumutung.  Mit dem Bus nach Klagenfurt, dann weiter mit der Bahn, umsteigen, oder kompliziert über Bruck an der Mur. Es ist schon oft vorgekommen, dass mein Mädel mit ihrem Klimaticket aus überfüllten Bussen oder Zügen geschmissen wurde, weil sie nicht reservieren konnte. Es sind immer wieder Züge ausgefallen. Da würde ich das Verkehrsministerium schon gerne fragen, wie die Menschen in Österreich Öffis nutzen sollen und auf die Bahn umsteigen können, wenn das System seit Erfindung des Klimatickets aus allen Nähten platzt.“

Schilderung von Passagieren wie diese erreichen ZackZack seit Monaten immer wieder. Seit dem Wintereinbruch 2023 hat sich die Situation noch weiter verschärft, besonders in Oberösterreich und in der Ostregion. In Oberösterreich waren die Züge im Dezember besonders unpünktlich.

Andrang nicht gewachsen

Seit dem Ende der pandemiebedingten Maßnahmen nimmt des Fahrgastvolumen bei den ÖBB wieder kontinuierlich zu. Im Nahverkehr waren seit 2022 stets mehr als 210 Millionen Passagiere pro Jahr mit den ÖBB unterwegs. Doch das führt auch zu Problemen: „Seit es das Klimaticket gibt ist jede Zugsfahrt eine Tortur! Komplett überfüllte Züge! Und das haben wir Frau Gewessler zu verdanken, die ÖBB hat nämlich nicht genügend Garnituren für diesen Andrang“, bringt ein Passagier seinen Ärger gegenüber ZackZack zum Ausdruck.

Neben Oberösterreich machen auch Pendler im Großraum Wien seit Monaten schlechte Erfahrungen mit der Pünktlichkeit der Züge. Viele kommen zu spät oder fallen ganz aus. Um trotzdem pünktlich in die Arbeit zu kommen, sind einige wieder auf das Auto umgestiegen oder planen bis zu zwei Züge früher ein, als eigentlich vorgesehen.

Christof Hermann, für den Nahverkehr der ÖBB zuständig, entschuldigte sich im “Ö1-Morgenjournal” am Montag bei den Fahrgästen und rechnete mit Verbesserungen ab Anfang März. Grund für die Verspätungen sei vor allem der hohe Instandhaltungsaufwand der Züge, der sehr personalintensiv sei. Zwar widersprach er der Gewerkschaft “vida”, der zufolge es einen Personalmangel in den Werkstätten der ÖBB gibt, gab jedoch gleichzeitig zu, dass mehr Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt gesucht würden.

Teuerung beim Nightjet

Trotz mangelnder Leistungen ist der Fahrplanwechsel im Dezember vor allem bei den begehrten Nightjets teilweise mit massiven Teuerungen einhergegangen. Zwar sind schwächer nachgefragte Angebote wie Nachtreisen auf Sitzplätzen und in 6er Schlafwägen teilweise billiger geworden. Die komfortableren Reisearten auf stark nachgefragten Routen sind aber teilweise mehr als doppelt so teuer wie zuvor. Das bestätigen Daten des schweizer Portals “night-ride.ch”. Auf ZackZack-Nachfrage sprach die ÖBB von einer „breitere Spanne an Preisen“, um „noch besser auf die unterschiedliche Nachfrage unserer Kund:innen reagieren zu können. Es gibt sowohl Preise, die günstiger sind und unter den alten Preisen liegen, als auch Preise, die darüber liegen.“

Als Beispiel für günstigere Preise führte die Presseabteilung der ÖBB an, man könne von Wien nach Zürich im Schlafwagen mit 2er-Belegung um 99,90 Euro fahren. Unter 169 Euro fanden wir jedoch kein Angebot.

Die teilweise teuren Preise kommen zu einem für die Bahn ungünstigen Zeitpunkt, da es auch bei Nachtzügen zu Waggon- und Zugausfällen kommt: „Bin letztes Jahr mit Familie nach Italien gefahren und es hat ein ganzer Waggon mit Abteilen gefehlt. Hin und Retour.“ Mit dieser Schilderung ist die Passagierin nicht allein. Auch im Nachtverkehr gibt es scheinbar zu wenige einsatzbereite Fahrzeuge.

Verzögerungen bei Bestellungen

ZackZack wollte in einer Anfrage an die ÖBB wissen, warum es zu den massiven Verzögerungen und Ausfällen kommt. Einer der Hauptgründe sei neben dem großen Instandhaltungsaufwand die Verzögerungen bei bereits bestellten Zuggarnituren. Außerdem gebe es auch bei Ersatzteilen eine „Lieferketten-Problematik. Uns fehlen elektronische und mechanische Ersatzteile. Wir kämpfen mit abgenützten Radsätzen, die kürzer als geplant im Einsatz bleiben können sowie mit Ausfällen von Elektronikbauteilen. Dies führt zum Einsatz von Kurzzügen oder gleich Zugausfällen.“  

So wurden schon 2018 mehrere Railjets bestellt, die allerdings immer noch nicht eingetroffen sind.

Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich sagt dazu in “ORF1”: „Man hätte schon frühzeitiger modernes Wagenmaterial bestellen müssen, dann hätte es auch heute nicht diese Probleme und diese Ausfälle gegeben.“

In den nächsten Jahren sollte sich Situation allerdings verbessern. Zumindest, wenn die bestellten Züge diesmal rechtzeitig geliefert werden. Schon 2025 sollen 27 weitere moderne Garnituren für die Strecken Graz – Linz und Graz – Salzburg einsatzbereit sein.

Für die Ostregion sind 62 zweistöckige Cityjet-Garnituren bestellt worden. Es folgen 2028 16 Akkutriebzüge, die auf der Kamptalbahn unterwegs sein werden.

Auch gegenüber ZackZack bedauern die ÖBB die Verspätungen und Ausfälle: „Die Situation entspricht nicht unseren ÖBB Qualitätsansprüchen, jeder Fahrgast, der nicht rechtzeitig an sein Ziel kommt, schmerzt.“

Gut für die ÖBB, dass es auch positive Rückmeldungen gibt: „Ich erledige seit einem Jahr den Großteil meiner Dienstreisen mit der Bahn und hatte bisher keine nennenswerten Probleme“, schreibt uns ein zufriedener Passagier. Die ÖBB wird darum kämpfen müssen, dass das auch so bleibt.

Titelbild: pixabay, Montage ZackZack

Autor

  • Daniel Pilz

    Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.

LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

18 Kommentare

18 Kommentare
Meisten Bewertungen
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Jetzt: Die Ergebnisse der Pilnacek-Kommission

Nur so unterstützt du weitere Recherchen!