Freitag, Februar 23, 2024

Baustelle ÖBB

Die ÖBB kämpfen derzeit mit massiven Verspätungen und Zug- und Waggonausfällen. Während der Unmut der Fahrgäste wächst, verweisen die ÖBB auf Lieferschwierigkeiten bei bestellten Fahrzeugen.

„Reise Wien Zürich mit Sitzplatzreservierung, Wagon nicht vorhanden.“

„1.Klasse Platzreservierung, kein Zug mit 1. Klasse vorhanden, (angeblich mehrere Railjet Garnituren beschädigt) kein Speisewagen, kein reservierter Platz in einem heillos überfüllten uralten Zug.“

„Die Verkehrsmittel zwischen Graz und Lienz sind generell eine Zumutung.  Mit dem Bus nach Klagenfurt, dann weiter mit der Bahn, umsteigen, oder kompliziert über Bruck an der Mur. Es ist schon oft vorgekommen, dass mein Mädel mit ihrem Klimaticket aus überfüllten Bussen oder Zügen geschmissen wurde, weil sie nicht reservieren konnte. Es sind immer wieder Züge ausgefallen. Da würde ich das Verkehrsministerium schon gerne fragen, wie die Menschen in Österreich Öffis nutzen sollen und auf die Bahn umsteigen können, wenn das System seit Erfindung des Klimatickets aus allen Nähten platzt.“

Schilderung von Passagieren wie diese erreichen ZackZack seit Monaten immer wieder. Seit dem Wintereinbruch 2023 hat sich die Situation noch weiter verschärft, besonders in Oberösterreich und in der Ostregion. In Oberösterreich waren die Züge im Dezember besonders unpünktlich.

Andrang nicht gewachsen

Seit dem Ende der pandemiebedingten Maßnahmen nimmt des Fahrgastvolumen bei den ÖBB wieder kontinuierlich zu. Im Nahverkehr waren seit 2022 stets mehr als 210 Millionen Passagiere pro Jahr mit den ÖBB unterwegs. Doch das führt auch zu Problemen: „Seit es das Klimaticket gibt ist jede Zugsfahrt eine Tortur! Komplett überfüllte Züge! Und das haben wir Frau Gewessler zu verdanken, die ÖBB hat nämlich nicht genügend Garnituren für diesen Andrang“, bringt ein Passagier seinen Ärger gegenüber ZackZack zum Ausdruck.

Neben Oberösterreich machen auch Pendler im Großraum Wien seit Monaten schlechte Erfahrungen mit der Pünktlichkeit der Züge. Viele kommen zu spät oder fallen ganz aus. Um trotzdem pünktlich in die Arbeit zu kommen, sind einige wieder auf das Auto umgestiegen oder planen bis zu zwei Züge früher ein, als eigentlich vorgesehen.

Christof Hermann, für den Nahverkehr der ÖBB zuständig, entschuldigte sich im “Ö1-Morgenjournal” am Montag bei den Fahrgästen und rechnete mit Verbesserungen ab Anfang März. Grund für die Verspätungen sei vor allem der hohe Instandhaltungsaufwand der Züge, der sehr personalintensiv sei. Zwar widersprach er der Gewerkschaft “vida”, der zufolge es einen Personalmangel in den Werkstätten der ÖBB gibt, gab jedoch gleichzeitig zu, dass mehr Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt gesucht würden.

Teuerung beim Nightjet

Trotz mangelnder Leistungen ist der Fahrplanwechsel im Dezember vor allem bei den begehrten Nightjets teilweise mit massiven Teuerungen einhergegangen. Zwar sind schwächer nachgefragte Angebote wie Nachtreisen auf Sitzplätzen und in 6er Schlafwägen teilweise billiger geworden. Die komfortableren Reisearten auf stark nachgefragten Routen sind aber teilweise mehr als doppelt so teuer wie zuvor. Das bestätigen Daten des schweizer Portals “night-ride.ch”. Auf ZackZack-Nachfrage sprach die ÖBB von einer „breitere Spanne an Preisen“, um „noch besser auf die unterschiedliche Nachfrage unserer Kund:innen reagieren zu können. Es gibt sowohl Preise, die günstiger sind und unter den alten Preisen liegen, als auch Preise, die darüber liegen.“

Als Beispiel für günstigere Preise führte die Presseabteilung der ÖBB an, man könne von Wien nach Zürich im Schlafwagen mit 2er-Belegung um 99,90 Euro fahren. Unter 169 Euro fanden wir jedoch kein Angebot.

Die teilweise teuren Preise kommen zu einem für die Bahn ungünstigen Zeitpunkt, da es auch bei Nachtzügen zu Waggon- und Zugausfällen kommt: „Bin letztes Jahr mit Familie nach Italien gefahren und es hat ein ganzer Waggon mit Abteilen gefehlt. Hin und Retour.“ Mit dieser Schilderung ist die Passagierin nicht allein. Auch im Nachtverkehr gibt es scheinbar zu wenige einsatzbereite Fahrzeuge.

Verzögerungen bei Bestellungen

ZackZack wollte in einer Anfrage an die ÖBB wissen, warum es zu den massiven Verzögerungen und Ausfällen kommt. Einer der Hauptgründe sei neben dem großen Instandhaltungsaufwand die Verzögerungen bei bereits bestellten Zuggarnituren. Außerdem gebe es auch bei Ersatzteilen eine „Lieferketten-Problematik. Uns fehlen elektronische und mechanische Ersatzteile. Wir kämpfen mit abgenützten Radsätzen, die kürzer als geplant im Einsatz bleiben können sowie mit Ausfällen von Elektronikbauteilen. Dies führt zum Einsatz von Kurzzügen oder gleich Zugausfällen.“  

So wurden schon 2018 mehrere Railjets bestellt, die allerdings immer noch nicht eingetroffen sind.

Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich sagt dazu in “ORF1”: „Man hätte schon frühzeitiger modernes Wagenmaterial bestellen müssen, dann hätte es auch heute nicht diese Probleme und diese Ausfälle gegeben.“

In den nächsten Jahren sollte sich Situation allerdings verbessern. Zumindest, wenn die bestellten Züge diesmal rechtzeitig geliefert werden. Schon 2025 sollen 27 weitere moderne Garnituren für die Strecken Graz – Linz und Graz – Salzburg einsatzbereit sein.

Für die Ostregion sind 62 zweistöckige Cityjet-Garnituren bestellt worden. Es folgen 2028 16 Akkutriebzüge, die auf der Kamptalbahn unterwegs sein werden.

Auch gegenüber ZackZack bedauern die ÖBB die Verspätungen und Ausfälle: „Die Situation entspricht nicht unseren ÖBB Qualitätsansprüchen, jeder Fahrgast, der nicht rechtzeitig an sein Ziel kommt, schmerzt.“

Gut für die ÖBB, dass es auch positive Rückmeldungen gibt: „Ich erledige seit einem Jahr den Großteil meiner Dienstreisen mit der Bahn und hatte bisher keine nennenswerten Probleme“, schreibt uns ein zufriedener Passagier. Die ÖBB wird darum kämpfen müssen, dass das auch so bleibt.

Titelbild: pixabay, Montage ZackZack

Daniel Pilz
Daniel Pilz
Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.
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18 Kommentare

  1. Solange die Roten bei der ÖBB das Sagen hatten, passte es. In meiner Kindheit konnte man die Uhr nach dem Einfahren des Zuges in die Bahnstation in unserem kleinen Kaff stellen.
    Lüssel machte den obersten Straßenfrächtervertreter für Öbb Cargo zuständig.
    Man rate, was die Folgen waren/sind.

  2. Schon vor über 30 Jahre gab es den erfolgreich gelebten Qualtitätsbegriff “Total Quality Management” oder solche Mindeststandards wie ISO 9.000. Jetzt hat man das alles anscheinend komplett vergessen?
    Kein Auto könnte man ohne solche Massstäbe auf den Markt bringen und weiß deshalb auch noch immer nicht, warum die Versicherungen, welche nur beispielsweise gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Produkthaftungen versicherten, nicht schon lange pleite gegangen sind? (Wahrscheinlich müssen hier ständig Konsumentenschutz, Gewerkschaften, Ak und zahlreiche weitere hier verantwortliche Bewußtseinsträger dazu auch dauerhaft wegschauen?)

    Für mich ist das deshalb alles nur wieder eine künstliche Beschäftigung und ein weiteres Ablenken von den zahlreichen Politverbrechen, ganz ähnlich auch dem Gendern und vielen solchen weiteren Unfasslichkeiten…

  3. Nachdem wir momentan eine Umwelt- und Verkehrsministerin haben die diesen Namen auch verdient, finde ich es unfair ihr die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte anzuhängen. Rauch-Kallat, Bartenstein, Pröll, Molterer, Köstinger sind nur einige der Kapazunder die dieses Amt ausgeübt haben, gruselig alle ÖVP. So was wie Umweltschutz war denen unbekannt. Nicht anders die trübe Bilanz im Verkehrsministerium wo ein Norbert Hofer überhaupt nur mit Postenschacher beschäftigt war und mit der Frage, wie gut lässt sich Tempobolzerei auf der Autobahn wahlkampftechnisch verkaufen. Unglaublich was Gewessler in dieser kurzen Zeit vollbracht hat. Selbst solche Herkulesaufgaben (die Frau ist ein weiblicher Herkules im Gegensatz zum plärrenden möchtegern Vokaki), wie das Klimaticket an dem alle Verkehrsbetriebe österreichweit teilnehmen. Sorry die vernachlässigte ÖBB auszubauen und zu modernisieren, damit sie dem jetzigen Massenansturm gerecht wird, das war da wohl nicht mehr möglich. Schade, wirklich schade dass dieser weibliche Vollprofi im Herbst Geschichte ist. Aber im Gegenzug bekommen wir lt. Herrn Nehammer dann ein Genderverbot im öffentlichen Dienst, das ist ja auch so was wie eine Herkulesaufgabe (allerdings eine für Cretins).

    • Nicht zu vergessen die wertvollen Energiespartipps vom weiblichen Vollprofi wie Deckel auf den Topf beim Kochen etc.. Dass die Vorgänger besondere Flaschen waren ist schon richtig und das Klimaticket kann man auch als Plus verbuchen. Das war’s aber auch schon in bald vier Jahren. Sonst ist der weibliche Vollprofi mehr durch eher fragwürdige Aufträge in nicht unbeachtlicher Höhe an diverse Personen aus dem näheren Partei- und Freundeskreis aufgefallen, man hilft sich halt. Und durch doch recht häufiges Herumfliegen (kaum ein Politiker fliegt soviel wie Gewessler), am liebsten an den Golf um dort die Scheichs zu umgarnen, damit die ein wenig Gas verkaufen. Naja, wenn das das Beste ist, was Sie sich im Umweltministerium vorstellen können, bitte sehr, ich stelle da schon höhere Ansprüche an weibliche, männliche oder diverse Vollprofis.

      • Ist eh traurig genug, dass es Leute gibt, denen man sagen muss, dass sie bei Kochen einen Deckel draufgeben sollen. Und was den Golf betrifft, würden sie gerne in der Kälte sitzen wenn kein Gas mehr da ist? Ich wette sie wären der erste der sich beschwert weils kalt ist und er keine Arbeit mehr hat#, weil die Industrie aus Mangel an Gas still steht. Ah so, ihnen wärs lieber, wir würden uns dem verrückten russischen Zaren ausliefern? Und nein, ich bin nicht dafür, dass Unsummen von den Ministerien für Propaganda ausgegeben werden aber leider ist das wahrscheinlich notwendig um auch die weniger Schlauen im Lande vom Klimaschutz zu überzeugen.

  4. Kleine Korrektur vielleicht:
    Gewessler diese Problematiken in der mangelhaften Infrastruktur im öffentlichen Verkehr umhängen zu wollen, bedeutet das Faktum zu ignorieren (oder schlicht nicht zu kennen), dass einzelne ministerielle Etats !ausschließlich im FMI (ausgeschrieben “das Finanzministerium”) beschlossen / genehmigt / zugewiesen werden. Ist nicht in Grüner, sondern schon Jahrzehnte in Vauper Hoheit, welche wie bekannt lieber auf den Individualverkehr auf der Straße setzt(e). (IV, Automotive-Cluster, Magna, Wolf, Mitterbauer und Konsorten)

    Wer glaubt, dass die Beschaffungszeiten von Zugsflotten vom Beschluss über die Bestellung bis zur Auslieferung unter mind. 4-5 Jahre liegen, sollte weiter “glauben”. (zB an “dieses Österreich” mit dem Adlerblick aus dem rechten Eck ins linke!) Die Ausstattung und Ersatzteilmengen im Lieferumfang richten sich nach dem bestellten Rahmen, welche ebenfalls die Qualität (zB Standfestigkeit etc.) bestimmend beeinflussen, wie auch die techn. Spezifikationen. Gesetzl. vorgeschriebene kilometerleistungsabhängige Wartungszyklen und -Umfänge (korrektiv und präventiv) werden in diesen Paketen bereits MITverkauft! (sogen. LCC – Life cycle costs – liegen um ein Vielfaches höher als der Anschaffungspreis) D.h. sich jetzt auf Lieferkettenprobleme, mangelhafte Ersatzteilhaltung bzw. minder vorhandene Werkzeugausstattung die einen reibungslosen bedarfsgetriggerten Betrieb gewährleisten – rauszureden, ist reine PR-Show. Ein Fachkräfteproblem gibt’s aber auch da so wie überall anders auch. Es war bereits vorausgesehen, vorausgerechnet – und doch geduldet. Die ÖBB kann nur das bewegen, was das Ministerium an Fuhrpark- bzw. Personalkapazitäten bezahlen will. (und dazu gibt’s sehrwohl langfristig detailierte Planungen und Bedarfsrechnungen!) Radsätze werden im übrigen nicht im Inland produziert, die wenigen zugelassen zertifizierten Radsatzhersteller in Europa (de facto ein Oligopol-Markt) haben aber für Flotten weltweit zu produzieren / zuzuliefern und Bestellungen in demgemäßen Lieferzeiten (Kapazitäten) abzuarbeiten.

    … und nein: bin kein ÖBB’ler oder sonstig in der Verkehrstechnik tätig… 😉

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