Freitag, Februar 23, 2024

Diesmal sei es ohne uns

Die Diskussion über einen NATO-Beitritt Österreichs ist keine Diskussion, sondern eine außerparlamentarische Werbekampagne in der Presse. Vom Schreibtisch aus ist Kriegsgeschrei einfach. Es gibt aber auch noch Menschen in unserem Land, die sagen: »Diesmal sei es ohne uns!«

Mit der Ablehnung des Beitrittsansuchens der UdSSR zur NATO im Jahr 1954 setzte der Westen im Kalten Krieg ein bewusstes Zeichen der Spaltung. In weiterer Folge kam es 1955 zur Gründung des Warschauer Pakts. Die Spaltung war völlig unnötig. Sie kam kurz nach Stalins Tod, in einer Zeit, als eine maßgebliche Entspannung des Ost-West-Verhältnisses möglich gewesen wäre, in einer Zeit, in der Nikita Chruschtschow mit einer Öffnung der Sowjetunion, mit Entstalinisierung und liberalisierenden Reformen in allen politischen und gesellschaftlichen Bereichen begann. Stattdessen kam es aber zu einer weiteren Verhärtung der Blöcke.

Viele, ja wahrscheinlich eine Mehrheit der Menschen im Westen, dachte in den Jahren 1989 bis 1992, dass diese Blockbildung bald der Vergangenheit angehören würde. Wie sehr sie sich geirrt haben, war wohl schon in den Neunzigerjahren in der Ära Jelzin erkennbar. Weder die fehlende Demokratisierung Russlands, noch die Umwandlung der meisten früheren Republiken der UdSSR in von Russland abhängige totalitäre Pseudo-Demokratien, noch die Verschleuderung des Volkseigentums zur Schaffung einer Oligarchie hat damals hörbaren Widerstand im Westen hervorgerufen.

Das alte Feindbild Russland

Noch weniger verändert hat sich der Westen selbst. Das alte Feindbild Russland (und man beobachte, wie oft Russland und die UdSSR in unseren Medien als miteinander identisch behandelt werden) hat nicht aufgehört, ein ausreichendes Motiv für die eigenen Handlungen zu sein. Das trifft besonders für die Militarisierung des Westens zu.

Es war seit 1955 in Österreich keine Frage, dass man sich in Zeiten der Neutralität mit seinem Heer allein für einen Angriff der UdSSR zu rüsten hatte. Im Jahre 1986 sagte ein Bauer in dem kleinen Dorf im Mittelburgenland, wo ich aufgewachsen bin, zu mir: »Der Kommunismus ist nicht aufzuhalten.« Hat er das, kurz vor dem Zusammenbruch des Kommunismus, wirklich geglaubt? Ich sage: Nein. Es ist eine tief in des Österreichers Hirn verpflanzte Rechtfertigung für rechte Politik. Und just im selben Jahr, noch vor dem Ende der UdSSR, ist in Österreich ein Politiker aufgetreten, der den Beitritt Österreichs und die Abschaffung der Neutralität für unabdingbar hielt und zu seinem Programm machte: Jörg Haider.

Rechte Propaganda

Haider, der früher auch gestandenen Konservativen als unmöglicher Partner galt, hat nicht lange genug gelebt, um mitzuerleben, wie heute alle Punkte seiner Politik längst von einer angeblich konservativen Partei umgesetzt wurden. Ein kleines Stück fehlt noch: der NATO-Beitritt. Wie weit Österreich bereits nach rechts gerückt ist, wie weit vor allem seine Konservativen in den letzten fünfundzwanzig Jahren nach rechts gerückt sind, beweist, dass heute nicht nur jene Medien, die deutlich rechtslastig sind und rechte Propaganda machen, für den NATO-Beitritt werben, sondern auch liberale Medien.

Am 1. Februar schrieb Thomas Mayer in Der Standard einen Artikel mit dem Titel: »Es ist Zeit, den Nato-Beitritt zu erwägen«. Als ob das nicht seit 35 Jahren permanent der Fall wäre. Mayer schreibt darin: »Der jüngste Bericht der Spitze des Bundesheeres spricht Bände. Das Land sei „nicht kriegsfähig“. Man hätte anders formulieren sollen: Österreichs Armee ist „nicht abwehrbereit“, die Verteidigung mit der Neutralität eine Schimäre.«

Landesverteidigung als Schimäre

Ja, die Verteidigung Österreichs war immer eine Schimäre. Weil das Land nie jemand  verteidigen wollte, sondern den Einmarschierenden schon zugejubelt hat, bevor sie einmarschiert waren. Als man die Landesverteidigung gebraucht hätte, im März 1938, hat kein einziger Soldat daran gedacht, Österreich zu verteidigen, sondern ist euphorisch mit den Nazis mitmarschiert. Interessant, dass man immer noch daran glaubt, Kriege gewinnen zu können. Interessant, dass die Bemühung um Frieden im ganzen Diskurs keine Rolle spielt, dass es immer nur gilt sich in bestehenden Konflikten auf »die richtige Seite« zu stellen. Nur: In einem Krieg gibt es keine richtige Seite. Hier wird längst praktisch befürwortet, wogegen man sich theoretisch noch verwehrt: Krieg als das einzige Mittel politischer Auseinandersetzung.

Nun will der Politpropagandist Mayer sich in ein Bündnis begeben, bei dessen Beitritt man vom Wohlwollen der Erpresser Orbán und Erdoğan abhängig ist. Erdoğans Türkei ist ein wesentlicher Unterstützer des Terrorismus der Hamas. Etliche NATO-Staaten liefern um Billionen Waffen an nicht-demokratische Staaten wie Saudi-Arabien und Qatar, die damit Terroristen und den IS ausrüsten, um Anschläge zu verüben und Kriege, wie den Bürgerkrieg im Jemen, in Gang zu halten. Von einer Einsicht der NATO ist hier keine Rede. Über solche Dinge wird geschwiegen. Auch Mayer schweigt dazu. Er weiß genau, dass in den NATO-Staaten der Kapitalismus politische Entscheidungen beherrscht – das gute Geschäft geht vor. Und Terroristen und Islamisten sind nun einmal die besten Kunden.

Keine demokratische Diskussionskultur

Österreich hat seine Geschichte niemals aufgearbeitet. Und damit meine ich nicht nur seine Geschichte im Nationalsozialismus, sondern auch seine Geschichte nach dem Nationalsozialismus. Die sogenannte Entnazifizierung war ein Prozess, der 1948 schon wieder aufgegeben worden war. Auch die Alliierten hat der Entnazifizierungsprozess nicht mehr interessiert, denn sie befanden sich bereits im Kalten Krieg.

Und so hat man es in Österreich gar nicht zum Entstehen einer demokratischen Diskussionskultur und einer freien, unabhängigen Presse kommen lassen. Die Journalisten der Nachkriegszeit waren alle deklariert auf einer Seite. So war es auch im Kulturjournalismus. Da wurden Friedrich Torberg und Hans Weigel von den USA eingesetzt, um Brecht an Theatern in Österreich zu verhindern, um den Kommunismus abzuwehren und um zu verhindern, dass die österreichische Avantgarde in der Kultur eine Rolle spielen konnte. Dabei bedienten sie sich derselben Definition entarteter Kunst wie die Nazis, was im wesentlich hieß: Kunst, die ihrem Auftraggeber nicht genehm war.

Werbung für den Krieg

Im Politjournalismus war es nicht anders. Und wenn ich von einer kurzen Zeit in den Achtziger- und Neunzigerjahren absehe, muss ich mich fragen, ob dieser Zustand nicht der normale Zustand in Österreich ist: die Presse als zu großen Teilen ein politisch abhängiger Apparat. So ist es auch zu erklären, dass Herrn Mayers Artikel, der kein einziges Für-und-Wider, keine dialektischen Überlegungen enthält, als Journalismus durchgeht. In Wahrheit handelt es sich um Werbung. Werbung, die sich an alten Feindbildern abarbeitet und eine beängstigende Normalisierung von Kriegsgebrüll und Aufrüstungspolitik zeigt: »In den nächsten zehn, zwanzig Jahren werden Aufrüstung und Kräfteaufteilung in der EU bestimmend werden.«

Wenn die ÖVP auf die NATO-Beitrittslinie einschwenkt, wird auch die FPÖ, wenn sie in der Regierung ist, auf diese Politik umschwenken. Das hat sie bereits beim CETA-Beitritt, beim Sicherheitspaket und in vielen anderen Fragen getan: Vor der Wahl und in der Opposition ist man dagegen; nach der Wahl und in der Regierung ist man dafür. Österreich kann keinen Krieg gewinnen. Im vergangenen Jahrhundert ist Österreich zweimal mitmarschiert. Abermillionen Tote, Verwundete und Vertriebene hat dieses Land auf dem Gewissen. Ich sage mit H. C. Artmann: »Diesmal sei es ohne uns!«

Titelbild: Miriam Moné

Daniel Wisser
Daniel Wisser
Daniel Wisser ist preisgekrönter Autor von Romanen und Kurzgeschichten. Scharf und genau beschreibt er, wie ein Land das Gleichgewicht verliert.
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52 Kommentare

  1. Bin zwar nicht immer Ihrer Meinung, Herr Wisser, aber das, was Sie hier geschrieben haben, kann ich nur vollinhaltlich unterschreiben.

    Das Schlimmste ist, dass die ehemaligen Linksliberalen die grössten Kriegstreiber geworden sind.

  2. Was wir dringend brauchen, ist eine starke Friedensbewegung in West und Ost und keine Aufrüstung.
    Manche Foristen hier sollten auch verbal abrüsten und z. B. nicht von “irren Zaren” retten. Man erinnere sich, dass Gedanken zu Worten und Worte zu Taten werden können. Statt Feindbilder aufbauen und fixieren, besser nach friedlichen Lösungen suchen.
    Und nicht zuletzt erneut die riesige Umverteilung von Vermögen von unten nach oben beachten. Nachdem in den vergangenen Jahren schon die grössten Vermögensverschiebungen nach oben stattgefunden haben (zur Gesundheitsindustrie und zum digital-finanziellen Komplex, findet aktuell gerade der nächste Raub an der Bevölkerung statt. Statt Inflationsbekämpfung und Sicherung eines würdigen Lebens für alle werden erneut Milliarden zum militärisch – industriellen Komplex umgeschichtet. Vier grosse Rüstungskonzerne bestimmen seit 3 Jahren die amerikanische Aussenpolitik. Biden scheint hilflos gegen diese Lobby. Und in Deutschland: Ein SP-Verteidigungsminister und eine FDP-Rüstungslobbyistin haben das Sagen, die Grünen sind natürlich begeisterten Mitläufer.

    • Biden ist leider die Sprechpuppe des Military Industrial Complex, auf dessen Gehaltsliste Demokraten wie Republikaner stehen. Wer deren Interessen vertritt, kann nicht die Interessen des durchschnittlichen amerikanischen Steuerzahlers vertreten. Bei jeder Kriegserklärung klatschen beide Seiten, doch auch bei den vielen Angriffskriegen ohne Kriegserklärung wie zum Beispiel der Irakkonflikt (die Weapons of Mass Destruction, die als Grundlage zum Krieg gegen den Terror dienten) oder Afghanistan.

      Dazu erleuchtend John Pilger, der die unselige Ehe zwischen Journalisten und Politik aufzeigt, den sogenannten embedded journalism.

  3. Diese Ansammlung von Scheinargumenten ist so generisch, dass man sie in fünf Sekunden in ein Plädoyer gegen die EU-Mitgliedschaft umbauen könnte: Die sind dort alle rechts und rechts ist nicht links und Ungarn ist auch dort drinnen und wer dafür ist macht nur Propaganda.
    Eine derart skurrile und inhaltsleere Argumentationskette habe ich hier überhaupt noch nicht gelesen – der Kommentarbereich natürlich ausgenommen.

    • Vorschlag zur Güte: Krempeln’S mal Ihre Ärmel hoch nachdem Sie sich Ihres Schlipses an der Uniform entledigten – dann steigt Ihnen auch niemand mehr drauf… Opportunistisches “Survival of the fittest Prinzip” hat uns hier die ganze Suppe nämlich eingebrockt, guter Mann… 😉

  4. Nein zur Nato ist so schnell mal dahin gesagt . Ich pers. glaube nicht dass unsere Neutralität irgendwen ( zb den irren Zar) von kriegerischen Aktivitäten abhält.
    Wir sind nicht die Schweiz mit unzähligen Konten für alle Verbrecher dieser Welt.

    Wir sollten uns sehr wohl einen Nato Beitritt überlegen, denn die Euro Armee wirds so schnell nicht geben. Ich denke da an Orban und Fico…….die da sicher blockieren.

    • Ich frage mich, ob eine Vergrößerung der Nato dem irren Zar den Wind aus den Segeln nehmen würde. Leider hat die USA aber mittlerweile auch keinerlei Stabilität und Berechenbarkeit mehr, Trump sei Dank. Dass Orban und Fico in eine EU Arme wollen würden, das glaub ich auch nicht aber in eine Nato mit einer USA unter Trump????

    • Den Verweis auf die hoffentlich bald existierende EU-Armee als Ablehnungsgrund für die NATO höre ich schon seit Ende der 1990er-Jahre. Ebenso wie das Bekenntnis zu einer fiktiven “aktiven Neutralitätspolitik” und die “nicht vorhandene Bedrohungslage”. Manchen genügt auch der Verweis auf “immerwährend” und das Dekret “Ende der Debatte”. Typisch österreichisch halt – opportunistisch, populistisch, antiintellektuell, verantwortungsresistent und im Ernstfall weinerlich.

  5. Was mich an diesem (lange schon vorhersehbaren!) militarisierten hochkochenden Getöse am meisten stört, ist dieses forciert radikalisierte Schwarz-Weiss-Denken, diese vorsätzlich reduktionistisch provozierte Polarisierung in gut / böse, Ideologie gegen Empirie, gestern gegen heute, West gegen Ost, links gegen rechts, “wir” gegen “die anderen”. Diese ideologiekulturelle Aneignung in aufgezwungen moralinsauer wertender Dichotomie, die global gesehen jedoch mit komplentär ergänzendem Konzeptdenken alternativ erweitert werden muss. Denn eines ist klar: Mit Technologie-Gläubigkeit und zynischer Endzeitstimmung alleine, bzw. heilsbringenden Versprechungen und Beteuerungen aus den Sünden, Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit genährt, werden keine Lösungen aus der globalen Krise führen. Die menschliche Natur in ihrer selbst aufgezwungenen Heterostase ist das Kernproblem. Intelligent behauptete Individuen (über)leben nicht gruppenzugehöriger Isolation, sondern nur mit / in und von einer gesamtheitlich umgebenden / eingebetteten Natur als demütige Symbionten. Die Ignoranz des bereits in breite Kenntnis gebrachte, wissenschaftlich konstatierten Artenverlustes / Massensterbens in allen miteinander rückkoppelnden Biosphären und den daraus folgenden desaströsen Konsequenzen in allen Belangen, sollte eigentlich jedem/r Einzelnen die gesamtheitliche SystemVerantwortung alarmierend wieder in Erinnerung rufen. Raus aus ideologisch glaubensbezogen, opportun parteipolitischen, entsolidarisierendem Gesellschaftsdenken, rein in einen global interagil überlebensfähigen Pragmatismus mit dem Ziel einer kollektiv angestrebten Resilienzerhöhung. Auch wenn da und dort bereits schon Kipppunkte in diesem emergenten, komplexen System Erde überschritten wurden, bzw. noch zu überschreiten versucht werden (“Neue Weltordnung” zB), intelligent ist das unterm Strich nicht. Ohne Kollateralschäden wird’s also nicht möglich sein. KI wird’s zB aber auch nur dann wieder neu (aus)richten können, wenn die sich tatsächlich intelligent parametriert entwickeln dürfen wird… Fangen wir bei den Kids an: Kümmern wir uns um eine gedeihlich möglichst allumfassende, empirisch gerichtete Bildung und nicht um anerzogene Konformität – um Fehler naturgemäß dann zu wiederholen. Lassen wir sie also ruhig raus aus beschaulich gestriger Idylle zB nach Wien (oder in eine andere Stadt) zum Studieren lernen, damit sie dann zB als “Grüne” zurück heimkehren, um bei der Zukunft dann mitanzupacken – Hr. Wöginger…

    • Ich glaub der Wöginger könnte ihren Texten nix entnehmen, sprich er verstünde sie in seiner Engstirnigkeit gar nicht. 😐 Hab heute gelesen, in unserer Gegend gibts ein Drogenproblem, wage aber zu bezweifeln, dass davon die nach Wien zum Studieren gegangenen “Nestbeschmutzer” betroffen sind. Habe eher den Verdacht, dass die daheimgebliebene Jugend sich aus Verzweiflung versucht weg zu beamen (manche sogar aus dem Leben). So sieht die idyllische ÖVP Welt am Land mittlerweile aus. Aber so lange noch ein par übrig bleiben für die JVP schläft der Wöginger bestimmt den Schlaf der (Selbst) Gerechten…..

  6. Ich verstehe ganz viele Punkte nicht.

    Die UdSSR in der NATO setzte eine demokratische UdSSR voraus. Das war sie nicht, das strebte sie auch nicht an, deswegen ging das nicht. Die Türkei ist das selbe Problem wie Ungarn: Sie waren beim Beitritt in die NATO leidlich demokratisch und ließen sich in die Autokratie gleiten/kippen, die lieber ihre eigene Spielchen spielen als in einer Gemeinschaft für eine Gemeinschaft einzustehen. Ebenso verhält es sich mit Ungarn in der EU. Dass eine Demokratie aus der Demokratie kippen kann, war zu NATO-Gründungszeiten undenkbar. Zu EU-Gründungszeiten ebenso. Darum sehen die Verträge so aus, wie sie aussehen. Aber deswegen die NATO zu verteufeln, weil damals daran nicht gedacht wurde, ist doch ziemlich ungerecht und einseitig. Aus dem selben Grund müsste man aus der EU austreten, weil sie es zur Gründung nicht gerafft hat, dass ein Orban kommen wird, der die Regularien der EU schamlos ausnutzt. Und da geht mir die NATO-Kritik fehl.

    Auch Österreich, das neutrale Österreich (!) exportiert Waffen. Und auch Österreich exportiert überalldorthin, wo die NATO auch Waffen exportiert. Die Neutralität sollte dies doch vielmehr verbieten/verhindern als eine NATO. Aber das tut sie nicht. Insofern ist die Neutralität Österreichs nicht sauberer als die NATO.

    Militärisch ist Österreich in Bezug auf die NATO in einer vergleichbaren Position wie Ungarn in der EU: Man ist Trittbrettfahrer und Nutznießer einer Verteidigungsallianz, die einen schützt und bewehrt. Wenns aber drauf ankäme sich solidarisch zu zeigen für all die Benefits, die man durch dieses Bündnis lukriert, zieht man den Ätsch-Bätsch-Neutralitätsjoker. Orban macht genau dasselbe mit der EU. Und das ist unerträglich.

    Zur Kriegstüchtigkeit fällt mir vieles ein, aber die militärische Befähigung als letztes. Kriegstüchtig sind wir, wenn wir anerkennen, dass es böse Menschen gibt, die an die Macht kommen können, böse Menschen, die uns Böses wollen. Es gibt böse Strukturen, das sind Diktaturen, sie bringen Unheil und Krieg. Und wenn eine böse Struktur vor unseren Toren steht und mit Gewalt Einlass begehrt, dann öffnen wir die Scheunentore und feiern eine Willkommenskultur, weil wir friedliebend sind? Das heißt, wir lassen böse Strukturen bei uns rein, damit wir genauso werden. Zu einem guten Teil haben wir das die letzten 20 Jahre so gemacht: Wir haben dem Feind, der sich 20 Jahre nicht als Feind deklarieren wollte, alle Scheunentore geöffnet – Zugang zu unseren Medien und Institutionen inklusive. Deswegen sind wir heute kriegsuntüchtig.

    Im Gegenteil würde ich das Erstarken der Rechten und immer extremer werdenen Rechten als das Ergebnis der Kriegsführung des Feindes betrachten. Dass die UdSSR den Faschismus einfach unter dem Label Kommunismus übernommen hat, kann man heute ganz gut nachvollziehen. Und dass unter Putins Regentschaft den Faschismus unter klerikaler Berücksichtung neu interpretiert und gestrafft hat, ist auch kein Geheimnis mehr. Dass der rus Faschismus unter Putin sich daran gemacht hat, den Faschismus im Ausland salonfähig zu machen, um das eigene faschistische System zu legitimieren und Verbündete in den feindlichen Ländern zu generieren, tritt jetzt erst offen zu Tage.

    Weil wir uns viel zu wenig über den Faschismus auseinandergesetzt haben, entging uns, dass der rus Faschismus Faschismus war und ist. Wir haben weggeschaut. Trollarmeen, Onlinezeitungen, TV-Stationen hat der rus Faschismus aufgebaut, übernommen und angeleitet. Russia Today, der Sender, der erst kürzlich verboten wurde, war immer dem rus Militärgeheimdienst unterstellt, um uns zu destabilisieren, immer war ein Oberst des GRU der Geschäftsführer, der rus Militärgeheimdienst investiert 1 Milliarde € jedes Jahr nur in Deutschland, um seine Propaganda mit dem Ziel der Destabilisierung der Demokratien voranzutreiben. Destabilisierte Gesellschaften sind kriegsuntauglich. Sie haben nicht verstanden, wer der Feind ist und woher der Feind kommt.

    Das faschistische Russland will ganz Europa übernehmen und zu einem faschistischen Superstaat umbauen, um “die Welt zu dominieren” (Zitat von Putin vom 28.11.2023). Für dieses Vorhaben kalkuliert man in Russland 5-10 Jahre in der Ukraine, bis alles dem Erdboden gleichgemacht ist, 20-40 Jahre um Europa in die Knie zu zwingen. So sagte zum Beispiel General Shamanow am 10.1.2024. Europa wird nicht primär militärisch in die Knie gezwungen werden, das ist klar.

    Kriegstüchtig sind wir, wenn wir den Versuchungen des Faschismus widerstehen, wenn wir der Spaltung widerstehen, wenn wir vorsichtig werden und sind, wem wir nützen und uns schaden, wenn wir dies oder jenes sagen oder tun. Kriegstüchtig sind wir, wenn wir die Demokratie verteidigen und demokratische Prozesse fördern, kriegstüchtig sind wir, wenn wir bereit sind bei Geschäften Abstriche zu machen, wenn sie dem Feind nützen. Kriegstüchtig sind wir, wenn wir klar und glaubwürdig für die Demokratie undRechtsstaatlichkeit eintreten können und so an der eurpäischen Sicherheitsarchitektur mitarbeiten. Sicherheit kann es nur in einer Demokratie geben und wenn alle um uns herum demokratisch gesinnt sind.

    Die Diskussion mit einem NATO-Beitritt stellt sich im Prinzip ja gar nicht, weil die NATO unter einem möglichen US-Präsidenten möglicherweise aufgelöst wird. Und wenn die NATO nicht aufgelöst werden würde, die NATO nimmt nur auf, wenn es die NATO, und Österreich wahrlich nicht sagen kann, worin es die NATO stärken würde. Weil wir alle nicht kriegstüchtig sind, um die Demokratie zu verteidigen, haben wir nichts, das wir anbieten können.

    Diese Soft-Power, die müssen wir uns erst aneignen. Dies wird auch dann der Fall sein müssen, wenn es zu einer europäischen Armee kommt. Zu 90% werden Kriege ohne Militärwaffen geführt. Und also haben wir viel Spielraum ohne Waffengewalt die Demokratie zu stärken und unsere Bündnispartner zu unterstützen.

    Wenn man gegen den russischen Faschismus aufsteht, ist man nicht “kriegsgeil”, wie viel und oft zwischen Zeilen vermittelt wird. Wenn man gegen den russischen Faschismus aufsteht, ist man für Freiheit, Frieden und Demokratie. Der russische Faschismus wird genannt, weil es im Moment der einzige Faschismus ist, der uns bedroht: von außen wie von innen gleichermaßen.

    • Aber dass Demokratie einen Krieg nicht verhindern, trotz massenhafter “Massenmedien” haben wir gerade gesehen. Wir werden gar nicht gefragt.

    • Gleiches gilt für mich, für den Verteidigungs- wenn nicht sogar Überlebenskrieg Israels gegen die Hamas.

      Gegen eine Hamas für die der Libanon ( Hisbollah) der Jemen ( Huthis) und nicht zuletzt der Iran all seine Kräfte mobilisiert um Israel zu vernichten.

      Den Sultan hätte ich beinahe vergessen……

      • Ja, sehe den Krieg in Israel ebenso als einen Überlebenskrieg. Der Krieg kommt ebenso von außen wie von innen. In Bezug auf Israel kann man die nächste Diaspora bereits erahnen, wenn die Verteidigung misslingt. Ein Migrationsschub mehr. Die Gefahr kommt auch aus dem Inneren. Lapid hat das schon ziemlich deutlich gesagt.

      • Kinder bombardieren ist kein Verteidigungskrieg. Es ist Teil eines Genozids. An den Palästinensern. Wer das gutheisst, kann nur als Verbrecher (an der Menschlichkeit) bezeichnet werden.

        • Kinder köpfen, Frauen schänden und verbrennen ist für Sie kein Grund sich zu wehren?

          Israel verteidigt sich gegen Terroristen. Die Zivilbevölkerung in Gaza steht hinter und vor der Hamas. Die schreien hysterisch vor der Kamera um Hilfe um anschließend Im Keller die Raketen der Hamas zu putzen, die diese dann auf israelische Kinder schießen.
          Und diese Raketen sind von Ihnen und mir unfreiwillig bezahlt.

        • Übrigens schreiben Sie da oben von verbaler Abrüstung………
          In Ihrem Posting bezeichnen Sie aber zb. mich als Verbrecher, da ich den Verteidigungskampf Israels gut heisse.
          Bissi nachdenken bevor Sie hier persönlich werden.

          • Habe nichts an Sie persönlich gerichtet. Aber geschreiben, wer Bombardierungen unschuldiger Kinder befürworte und Genozid an den Palästinensern, der sei ein Verbrecher. Ja, das sehe ich so. Israel hat das Recht die Hamas zu bekämpfen und zu vernichten, aber hat deswegen nicht das Recht, eine ganze Bevölkerung im Gaza zu vernichten. Erinnern Sie sich nur an die Terrorakte der NSU gegen türkische Kebabbuden in Deutschland, brutal mit Splitter- und Nagelbomben, eine ganze Serie an Terrorakten. Hat dann die Türkei das Recht Deutschland kaputt zu bombardieren ?

    • 👍 Nennen wir das Kind doch beim Namen, demokratiepolitische Interessen müssten vor den wirtschaftlichen stehen und wie das geht wissen wir auch.

    • Danke für Ihren Kommentar. Ich bedaure, dass die Redaktion damit nicht mithalten kann – und damit meine ich das Niveau und nicht die Ausrichtung.

    • Ich habe die meiste Zeit meines Lebens im Ausland gelebt und war deshalb nicht der NATO Propaganda ausgesetzt, sondern habe eine andere Perspektive.

      Hier der Link zu einem Interview mit Jeffrey Sachs, der nicht als Zuschauer politische Analysen erstellt, sondern als aktiv Beteiligter mit viel Insiderwissen: https://youtu.be/AP1vJ-56uyo?si=WQR4bngWXkQgo5BU

      • No, wenn dieser Jeffrey Sachs dieses “Interview” im Drexxpress (selbstverständlich russenlastig argumentiert, nonanet) tatsächlich so stattgefunden zur Veröffentlichung authorisiert hat 😂, dann passt’s auch zu Ihrem sonstig perspektivischen Schmus, den Sie tendenziell hier verbreiten – völlig egal und uninteressant wo Sie den Großteil Ihres Lebens verbrachten…

          • Ah so, das Märchen mit der Nato Osterweiterung die angeblich daran Schuld ist, dass Putin die eigene Bevölkerung unterdrückt, Oppositionelle einsperren oder ermorden lässt, ein Nachbarland überfällt, die dortige Zivilbevölkerung massakriert deren Kinder deportiert und umerzieht……. no na, Genozid ist ja nur die Sache mit den Israelis ….die Ukrainer hatten ja die Option gehabt sich einfach von einem Despoten schlucken zu lassen (offiziell oder inoffiziell als Scheindemokratie unter seiner Fuchtel).

  7. Bravo Daniel Wisser. Es gilt wirklich alles zu tun und sich dafür einzusetzen, dass Österreich neutral bleibt. Nein zur Nato.

  8. Kommunismusbekämpfung als Ausrede für Rechtspolitik? Gerade in ländlichen Gebieten wo ‘der Russ kommen is” nach Kriegsende, z.B. große Teile des Mühlviertels, fühlen sich die älteren Semester noch immer stigmatisiert wie traumatisiert, egal ob sich die Gräuelpropaganda im Vorfeld bewahrheitet hat oder nicht. Die meisten sahen ihr Heil in der Politik die untrennbar mit der Kirche verbunden war und sahen sich damit vor der Gefahr des Kommunismus beschützt. Jedoch auch ein Haider bzw. heute ein Haimbuchner is den Leuten da kein Dorn im Aug. Die Roten wählen in diesem Regionen nur “Quertreiber und Volksschädlinge”. Besonders ein Babler ist hier natürlich besonders verpönt.

    • Wie wahr. Darin sahen sie ihr “Heil”. Und dass die, die so gerne vom “Wiederaufbau” reden, vergessen haben, dass sie selbst den “Abriss” mitherbeigeführt haben und dass es ohne die UdSSR keine Befreiung von den Abreissern gegeben hätte, zeugt vom Unwissen oder absichtlichem Revisionismus.

      • Wer gibt schon gerne zu, dass er dem (Ver)Führer hinterhergerannt ist. Ein Opfermythos hat da schon seine Vorteile.

    • @lehmann, ich würde nicht sagen, dass die FPÖ bei der älteren Generation gar so beliebt ist, sondern eher bei den Jüngeren, Daheimgebliebenen, die in diesem konservativen Umfeld sozialisiert wurden. Da kann man schon mal einen “Knacks” davontragen.

  9. Das wundert mich bei den angstschürenden primitiven Meldungen auch immer, die für die FPÖ werben. Auch in den “liberalen” Medien

  10. Ganz genau…. Da schreiens alle nach der Rüstugsindustrie, die geldgeilen Arschlöcher. Anstatt dass man die scheinheilige Tour der FPÖ, von journalistischer Seite her aufblattelt…. Die FPÖ war naturgemäß immer für die Rüstungsindustrie.

    Alle, die weder einen Nato-Beitritt, noch eine florierende Rüstungsindustrie wollen, wählen bitte einfach rot oder dunkelrot. Danke.

    Weder rot noch dunkelrot sind linksextrem oder linksradikal. Es sind keine Gefahren von diesen politischen Richtungen zu erwarten, es sei denn man stuft soziale Stabilität als gefährlich ein.

  11. Mich wundert wie es möglich ist mit so niedrigen, und primitiven emotionalen Argumenten (jeder KIndergarten müsste unter diesen Umständen sofort schließen) in den letzten Jahren für einen / viele Krieg/e (!) (Ukraine, Taiwan, Afghanistan, Irak, Bosnien, etc.) zu werben. Auch in den” liberalen” Medien in Ö.

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