Mittwoch, April 24, 2024

Rempelnder FPÖ-Demonstrant kandidiert bei AK-Wahl

Während einer FPÖ-Demo wurde ein Kameramann von PULS 24 attackiert. Der auslösende Rempler kam von einem Jungpolitiker der Freiheitlichen, der auch bei der AK-Wahl kandidiert.

Am Wochenende herrschte viel Aufregung rund um einen Vorfall auf einer FPÖ-Demonstration in Wien-Favoriten: Videos zeigen, wie ein Team des Senders PULS 24 am Rande der Kundgebung attackiert und beschimpft wird, nachdem sich die Reporterin und ihr Kameramann einer Gruppe aus dem Umfeld der rechtsextremen Identitären näherten und um ein Interview baten.

Physischer Angriff

Wie die Aufnahmen zeigen, stieß einer der Demonstranten den Kameramann unliebsam weg, auch ein Tritt eines danebenstehenden Identitären ist dokumentiert. In der Folge drängten und schubsten weitere aufgebrachte Demo-Teinehmer gegen das Reporter-Team, sodass schließlich sogar Vertreter der FPÖ dazwischen gehen mussten.

Rempler ist FPÖ-Mitglied

Was bislang nicht beleuchtet wurde: Der Demonstrant mit den gegelten Haaren, der den Kameramann als Erstes körperlich angriff, ihn wegstieß und damit die Rangelei auslöste, ist kein Unbekannter, sondern selbst Jungpolitiker bei den Freiheitlichen. Es handelt sich um Jan Staudigl, der im Jänner 2020 in die Bezirksparteileitung der FPÖ Landstraße gewählt wurde.

Quelle: Instagram-Beitrag “Freiheitliche Jugend Wien”

Der 26-Jährige ist außerdem aktives Mitglied in der Freiheitlichen Jugend, die vergangenes Jahr mit einem umstrittenen Video auffiel, das schließlich sogar zu einer Anzeige seitens des Verfassungsschutzes führte. Und: Staudigl kandidiert für die Freiheitlichen auf der Kandidatenliste für die kommenden Wiener Arbeiterkammerwahlen im April. Dort ist er zwar auf dem wenig aussichtsreichen Listenplatz 36 gereiht – dennoch ein Beleg dafür, wie umtriebig und aktiv der Jungpolitiker mit Identitären-Connection in der Partei ist.

https://wien.arbeiterkammer.at/ueberuns/wahl/AK_wahl2024_kundmachung_broschuere_99x210_web.pdf

Nur einen AK-Listenplatz hinter Staudigl liegt übrigens Leo Kohlbauer, Pressesprecher der Wiener FPÖ, der bei der Rangelei selbst dazwischen gehen musste. Kohlbauer twitterte nach dem Vorfall zunächst noch schaumgebremst, dass der Kameramann „leider gerempelt und beschimpft“ wurde: „Ein junger Hitzkopf hat sich bemüßigt gefühlt, den Kameramann zu stoßen.“ Dass der „junge Hitzkopf“ sein eigener Parteikollege ist, verschwieg der Pressesprecher.

ZackZack wartet auf eine Stellungnahme Jan Staudigls und der Freiheitlichen Jugend. Wir wollten wissen, warum er den Kameramann gestoßen hat und wie das mit der Pressefreiheit vereinbar sei.

Blaue Umdeutung

Vielmehr blies die FPÖ wenig später voll zum Gegenangriff: Ein weiterer Videoausschnitt wurde von FPÖ-Accounts veröffentlicht, auf dem man den PULS 24-Kameramann in einer ganz anderen Situation sieht: Dort tritt ein älterer Mann an ein Transparent von Gegendemonstranten heran, der Kameramann eilt daraufhin zu der Szene – und nähert sich dem Mann filmend bis auf wenige Zentimeter. Etliche FPÖ-Kanäle, allen voran der Account Herbert Kickls, bauschten diesen Ausschnitt anschließend zu einem angeblichen „Skandal der Sonderklasse“ auf. Auch grub man ein Foto vom Instagram-Account des Kameramanns aus, das ihn gemeinsam mit SPÖ-Chef Andreas Babler zeigt. Dieses Foto nahmen Kickl und Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp zum Anlass, den Kameramann als „linksradikalen rabiaten Mitarbeiter“ darzustellen.

Es sei dahingestellt, ob die Praxis der Nahaufnahme üblich, noch im Rahmen der gebotenen Professionalität oder ein handwerkliches NoGo ist – eines ist sie jedoch nicht: Ein körperlicher und tätlicher Angriff, wie ihn der FPÖ-Jungpolitiker und seine Identitären-Kontakte gegenüber dem Medienvertreter verübten. Hartnäckiges bis lästiges Verhalten sind keinerlei Entschuldigung oder Erklärung für einen physischen Übergriff. Diese Grenzüberschreitung und die Involvierung ihres eigenen Politikers versucht die Partei nun mit dem Gegenangriff auf PULS 24 umzuframen.


Titelbild: Screenshot “Puls24” https://twitter.com/puls24news/status/1768376483867754753

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17 Kommentare

  1. Ist das nicht faszinierend? Kein rechter User schreibt hier etwas. Ok… ausser Kritiker, aber der is unwichtig.
    Grosses Schweigen bei rechts……

    Gut so.

  2. Grausig. Massive Grenzüberschreitung. Was kommt als nächstes? Findet man zuhause eine Machete und kommt dann mit selbiger zurück? Man möchte nicht meinen, wie eine solche Gewaltbereitschaft in gewissen Zirkeln geschult wird. Dann “passieren” solche Übergriffe recht schnell.

    Und es fragt sich: wozu? Wozu dient eine derartige Aggressivierung?

    • Brauchen Sie den Zuspruch eines Milliardärs um zu wissen, dass man die AFD nicht wählen soll? Der wegen Steuerhinterziehung vorbestrafte Würth ist ein Fan von Blackrock-Friedrich Merz, der schon signalisiert hatte mit der AFD ein Abkommen in Erwägung zu ziehen.
      Ob zur Parteienlandschaft oder zu sonst irgendwas: Auf die Ergüsse aus Milliardärsbüros können wir verzichten. Oder ist der jetzt ein guter Kapitalist? Gibt es gute Kapitalisten? Milliardär-Philantropen?

        • @Fritzi

          Danke für Ihren Link. Würth stellt sich darin gegen die AFD und somit gegen Rechts.
          Darum wird er von Rechten Recken hier im Forum gleich mal schlecht gemacht.

  3. Es ist total beschämend wenn man sieht, welches primitive Xsindl hinter der FPÖ steht.

    Es muss einfach alles unternommen werden um diese primitiven rechten Recken zurück zu drängen.
    Wo ist der öster. Journalismus?
    Seht ihr das nicht?
    Wo sind die Artikel, Kommentare etc. die zeigen welche Art von Menschen hier agieren?

    • Wieso hinter?
      Ist die 1. Reihe nicht schlimmer??
      P.s.: ohne 🍺 im Parlament hat braunschwürkies eine Mehrheit…

  4. Den Burschis muss man entgegen treten, so wie die es auf Anweisung vom kleinen Redenschreiber machen.
    Keinen Meter für rechts rechte Buberln.

  5. Nun, mir sind diese Typen auch nicht sympathisch.
    Ich möchte aber explizit darauf hinweisen, dass es dem Kameramann nicht zusteht, jemandem in der Intimdistanz vor dessen Gesicht mit der Kamera herumzufuchteln.
    Man stelle sich vor, der Kameramann eines rechten Senders (FPÖ-TV ?) würde sich so bei einer Veranstaltung der Antifa verhalten …
    Diese Berichterstattung führt nur zu noch mehr Polarisierung.
    Nichts, worauf man stolz sein könnte.

  6. No, er hätt’ sich halt nur “benehmen” müssen, der Gute von der “linksradikalen” Journaille, dann wär’ bestimmt genau nix passiert…
    Den Rechtsauslegern im Boulevard ist’s wohl gar nicht sooo unangenehm, etwas Hemdsärmeligkeit auf dem siegesicheren Weg in eine angepeilte Systemänderung zu beweisen. Ein best practice Beispiel nachgewiesener Hands-on Mentality in der Vita dieser schmissigen Typen… 😉 (A best practice is a standard or set of guidelines that is known to produce good outcomes if followed.)

    • Und dann spricht ein gewisser Kohlbauer
      ( wahrscheinlich nächster Schwiegersohn vom Lugner) lächelnd von Verharmlosung.
      Und was passiert? Die öster. Journalisten schweigen…..
      Gute Nacht Österreich

      • Samui – Vertretern der “Lügenpresse” eine in die Fresse zu hauen wurde für viele eine Art feuchter Traum seit den gewaltsamen Unruhen im Osten Deutschland (2015) wo man bestaunen durfte wie Pegida Vertreter Jagd auf Kamerateams machten. Da dürfte auch so einigen AfDlern und Identitären ein Achterl in die Hose gangen sein. Zweitgenannte nützten dann ausgiebig die Lock Down und anti -Impf Aufmärsche in Wien um Solches andeutet und auch umgesetzt gleich zu tun. Wenn Presseleute und Kamerateams sich dann auch noch vor intensiv aufgehetzten Normalbürgern fürchten müssen, ist ja auch gleich mal ein wesentlicher Schritt, wegweisend in eine Rechtsdiktatur wo das Recht der Politik zu folgen hat, getan und der Abzwickte kann sich schon mal vorbereiten für seine erste Brandrede als Vokaki ans Volk.

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