Sonntag, Juli 14, 2024

Mbappé bläst zum Angriff gegen Le Pen

Vor dem ersten Spiel der Équipe Tricolore bei der Fußball Europameisterschaft gegen Österreich am Montagabend beherrscht WM-Finalist Frankreich vor allem ein Thema: Die Politik.

Frankreichs Fußball-Kapitän Kylian Mbappé beweist auch abseits des Platzes seine Angriffsqualitäten: „Heute sieht man sehr gut, dass die Extreme vor den Türen der Macht stehen und wir haben die Möglichkeit, die Zukunft unseres Landes zu wählen. Ich hoffe, dass wir auch am 7. Juli noch stolz sein können, das Nationaltrikot zu tragen“, sagte Frankreichs Starstürmer auf einer Pressekonferenz am Sonntag.

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Frankreich-Kapitän Kylian Mbappe bei der Presskonferenz des französischen Nationalteams. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=lGTSiVxr2ho&t=396s

Das Statement der französischen Sportikone ist heute Thema Nummer eins in Frankreich. Der Vizepräsident der rechtsaußen-Partei „Rassemblement National“ (RN), Sébastian Chenu, sah sich aufgrund der Pressekonferenz Mbappés zu einem Statement gezwungen.

„Durchmischung, Toleranz, Respekt“

Mbappé richtete sein Pressestatement vor allem an die jungen Wählerinnen und Wähler in Frankreich. Sie sollten am 7. Juli bei den französischen Parlamentswahlen ihr Stimmrecht gegen die Partei Le Pens, den RN, nutzen. Nur so könne man die Werte des Landes retten. Der Fußballstar identifizierte typisch französische Werte wie etwa „Durchmischung, Toleranz und Respekt“. Sollte die Partei Le Pens am 7. Juli bei den Parlamentswahlen gewinnen, könne er das Nationaltrikot nicht mehr mit Stolz tragen.

Einen Tag zuvor preschte Offensivmann Marcus Thuram vor und forderte die jungen Menschen in Frankreich ebenfalls dazu auf, wählen zu gehen, um eine Machtergreifung des RN zu verhindern. Nachdem es tags zuvor viel Kritik und eine öffentliche Verlautbarung des französischen Fußballbundes gegeben hatte, wonach der französische Verband keine politischen Äußerungen tätigte, stärkte Mbappé Thuram den Rücken: „Ich teile dieselben Werte wie Marcus. Er ist nicht zu weit gegangen.“

Mbappé betonte, dass er als Staatsbürger betroffen von den derzeitigen Ereignissen in Frankreich sei. Nationaltrainer Didier Deschamps wollte seinem Superstar und anderen Spielern auf der Pressekonferenz keinen Maulkorb umhängen: „Natürlich sind sie Fußballspieler aber sie sind vor allem französische Staatsbürger“, sagte der Weltmeistertrainer.

RN muss reagieren

Der vor allem von jungen Menschen bewunderte Mbappé genießt in Frankreich enorme Popularität. Deswegen sah sich der Vizepräsident des Rassamblement Nationals, Sébastian Chenu, zu einem vorsichtigen Statement gezwungen: „Ich mag Mbappé als Spieler, aber ich erwarte nicht von ihm, dass er mir eine politische Lektion erteilt.“

Neuwahl nach Macron-Debakel

Die vorgezogenen Parlamentswahlen am 30. Juni und 7. Juli kamen überraschend. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte nach der Wahlniederlage seiner Partei bei den Europawahlen an, die Nationalversammlung aufzulösen. Die Wahlen hatte Le Pens Partei mit 31,4 Prozent der Stimmen klar vor Macrons liberalem Lager mit 14,6 Prozent gewonnen. Die Sozialisten erreichten knapp dahinter mit 14 Prozent Platz drei.


Link zu Ausschnitten des Interviews auf Französisch: https://www.t-online.de/tv/sport/id_100428784/frankreichs-fussballer-mbappe-macht-sich-sorgen-um-sein-heimatland-video.html

Titelbild: FRANCK FIFE / AFP / picturedesk.com

Autor

  • Daniel Pilz

    Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.

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