Strache am Weg zurück

Die Wiener FPÖ ist in der Sackgasse. Wird Strache ausgeschlossen, kommt es wohl zur Spaltung. Bleibt er drin, will sich der Ex-Chef wohl wieder an die Spitze der FPÖ Wien hieven.

Wien, 10. Dezember 2019 / „Die Büchse der Pandora ist geöffnet“, kommentierte Strache-Unterstützer Karl Baron gestern. Die Zeichen stehen auf Parteispaltung. Straches Unterstützer Karl Baron wurde gestern als Präsident der Freiheitlichen Wirtschaft abberufen. Baron fordert die Rückkehr Straches als Wiener FPÖ-Chef.

Kickls Ansage ignoriert

Mit der Abberufung stellt sich die FPÖ gegen diesen Wunsch und damit gegen Strache. Von einem Parteiausschluss ist man allerdings wieder weiter entfernt. Vor rund 10 Tagen sprach Herbert Kickl davon, dass der Ausschluss in wenigen Stunden über die Bühne gehen könnte. Passiert ist bisher nichts. Seit seinem Auftritt auf OE1 am 30. November ist der Ex-Innenminister aber still geworden. Offenbar kann sich auch Kickl nicht gegen seinen alten Chef durchsetzen.

Strache hält das Parteigericht für nicht zuständig.

„Das Schiedsgericht ist dafür nicht zuständig. Die Verantwortung liegt bei Dominik Nepp und bei der FPÖ Wien“,

sagt Strache.

Die FPÖ Wien widerspricht, unternimmt aber nichts. Diese behauptet noch immer, dass der Ausschluss kurz bevorstehe.

Strache völlig entfesselt

Aber offenbar fürchtet sich die FPÖ davor. Schließt man Strache aus, dann steht einer Strache-Partei nichts im Wege. Strache selbst würde lieber die Wiener FPÖ übernehmen. Klappt das nicht, dann versucht er es wohl mit einer eigenen Liste. In einem Interview mit dem Fellner-Blatt „Österreich“ schießt Strache scharf gegen seine ehemalige Partei:

„Seit geraumer Zeit wird in der Medienöffentlichkeit ­ein Ausschluss von mir gefordert und seit Monaten wurde mit mir nicht das Gespräch gesucht und auch nicht geführt.“

Ob er sich enttäuscht fühle von seiner alten Partei?

„Eine Enttäuschung ist das Ende einer Täuschung. Es bringt Klarheit. Ich schaue nach vorne und nicht zurück.“

Über die Anschuldigungen, die gegen ihn im Raum stehen – von Mandatskauf bis zur Casinos-Affäre – äußert sich Strache nicht. Er sieht „absurde Unterstellungen, die medial aufgebaut werden.“

Wenn sich die FPÖ Wien gegen den Ex-Vizekanzler ausspricht, dann „habe der Wähler das letzte Wort.“ Über die hohe Wahrscheinlichkeit einer neuen Partei für den ehemaligen Chef der Blauen, berichtete ZackZack.at bereits im Oktober.

Zieht Strache bald ins Rathaus ein?

Doch nach der Abberufung von Karl Baron eröffnet sich für Strache eine neue Option: Er könnte sogar mit eigenem Rathausklub in die Wien-Wahl gehen. Denn wenn Karl Baron auf sein Gemeinderatsmandat verzichtet, würde Strache nachrücken. Dann bräuchte er noch zwei weitere „abtrünnige“ Mandatare, die er in sein Team ziehen müsste. Mit drei Mandaten könnte er dann einen Klub gründen.

Damit würde Strache auch Klubförderung von der FPÖ abgreifen. Der Rathausklub der FPÖ kassierte 2017 rund 8,5 Millionen Euro. Mit drei Mandataren weniger würde das auch weniger Geld sein. Mit diesem könnte Strache dann Wahlkampf machen.

Still hält sich indes auch NÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl. Er forderte, man sollte sich von der FPÖ Wien als Ganzes trennen, wenn keine Ruhe in der Landespartei einkehre. Nach mehrmaliger Anfrage von ZackZack.at verweigerte Waldhäusl eine Stellungnahme.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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