Dienstag, Juni 18, 2024

Während Du schliefst – Trump, Xi, Erdogan: Die internationale Woche auf ZackZack

Trump, Xi, Erdogan: Die internationale Woche auf ZackZack

ZackZack beschäftigt sich gerne mit dem Wahnsinn österreichischer Innenpolitik. Doch auch andere Länder haben Populisten, Korruption oder hoffnungsvolle Persönlichkeiten.

Wien, 20. Juni 2020 | Man wundert sich, was alles möglich ist. Akten schreddern lassen inklusive Vorabweisungen, um bestimmte Ermittlungen zu verhindern („ein ganz normaler Vorgang“); bei Kurz zuhause die Futtertröge der Republik zwischen Türkis und Blau aufteilen; des Kokainkonsums verdächtig zu sein, aber – statt zurücktreten zu müssen – die freche Kurz-Absolution über eine 0,9-Promille-Fahrt einer integren Ex-Kanzlerin lesen.

Das alles geht in Österreich. In anderen Ländern oder Weltregionen geht aber noch mehr.

China vs. Indien: Tödlicher Konflikt der Milliardenländer

Zum Beispiel im chinesisch-indischen Grenzgebiet des Himalaja, wo sich Militärs der beiden Milliardenländer verfeindet gegenüberstehen. Aufeinander schießen dürfen sie nicht, das ist eine Anweisung von beiden Seiten. Am Dienstag gab es hier dennoch das erste Mal seit 1975 tödliche Opfer: indische und chinesische Soldaten waren heftig aneinandergeraten, hatten sich mit Steinen beworfen und geprügelt. Zu Tode.

Auf indischer Seite gibt es 20 Todesopfer, über die chinesische Zahl der Toten schweigt das Land der Mitte. Als „Akt des guten Willens“, wie es heißt. Eine „neue“ Strategie, kommunikativ mit Zuckerbrot, auf dem Feld mit Peitsche? Indien ist jedenfalls klarer und rührt die Trommel des Nationalismus in den heimischen Medien. Bahnt sich da ein gefährlicher Konflikt an? Zu dieser Frage gibt es morgen ein spannendes Interview auf ZackZack mit Professor und Politikwissenschaftler Heinz Gärtner.

Der US-Präsident hatte übrigens wieder mal keinen Genierer und bot seine „Hilfe“ als „Vermittler“ an – obwohl klar ist, dass die USA auf der Seite Indiens stehen, um die chinesische Macht in Asien einzudämmen.

Trump beendet Corona und macht Wahlkampf

Bleiben wir bei den USA. Donald Trump steht unter Druck, doch das allein ist keine Neuigkeit. Neu ist, dass er deshalb im mit Brasilien am stärksten von Corona betroffenen Land die Epidemie für beendet erklärt hat. Das macht angesichts der Zahlen – 2,2 Mio. Infizierte und rund 120.000 Tote – weit fassungsloser als ähnlich lautende Töne von „Corona-Besieger“ Sebastian Kurz. In einem Video posaunte Trump: “Es war eine interessante Zeit, es war schrecklich, so viele Leben sind verloren gegangen, wir werden diese unglaublichen Menschen nie vergessen. Aber sie werden nicht umsonst gestorben sein.”

„Interessant“ und schrecklich ist die Zeit immer noch, auch für ihn: die Karten für die Wiederwahl stehen schlecht, trotz eines schläfrig wirkenden Kontrahenten Joe Biden. Die Angst vor neuen Corona-Höchstwerten wird daher vom Präsidenten als Fake News abgetan, während er im Angesicht der landesweiten Anti-Rassismus-Proteste ausgerechnet in der Stadt Tulsa Wahlkampf macht. Seine rechten Anhänger campieren teilweise schon seit Tagen in der Stadt, die vor allem für das schwarze Amerika große Bedeutung hat: vor 100 Jahren gab es hier die wohl schlimmsten rassistischen Massaker in den USA.

Das Land ist gespalten. Aber es gibt Hoffnung, ganz ohne Gewalt: die linke Demokratin Alexandria Occasio-Cortez überraschte mit einem starken Kampagnenvideo. Inhaltlich und dramaturgisch klar, positioniert sie sich als Nachfolgerin von Bernie Sanders – und könnte anders als letzterer auch beim liberalen Establishment abgrasen. Allerdings erst in ein paar Jahren: sie ist mit 30 Jahren noch zu jung für eine Präsidentschaftskandidatur.

CDU-Hoffnung Amthor ist keine mehr

Endlich! Auch in Deutschland gibt es offenbar Probleme mit Korruption und mächtigen Lobbys, die erfolgreich Einfluss auf Politik ausüben. Wer hätte das gedacht? Dennoch: Der erzkonservative „Jungstar“ der CDU, Philip Amthor, wird wohl vorerst nicht die Piefke-Variante von Sebastian Kurz. Zu viele Fehler macht er schon, bevor er überhaupt in einer Position ist, um Berichterstattung über etwaige Missstände kontrollieren zu können.

„Augustus Intelligence“ heißt ein amerikanisches Unternehmen, für das Amthor sich bei seinem Parteifreund Altmaier im Berliner Wirtschaftsministerium ganz offiziell stark gemacht hat. Gab es im Gegenzug Direktorenposten, Aktienoptionen, versteckte Zahlungen und Luxusflüge? Eine Frage, die man hierzulande nur zu gut kennt. „Augustus Intelligence“, das beschreiben „Die Zeit“ und „der Spiegel“ eindrucksvoll, ist übrigens ein Unternehmen, das vorgibt, in Künstliche Intelligenz zu investieren – aber offenbar unauffindbar ist. Die „FAZ“ titelte richtig: Weder Augustus, noch intelligent.

Erdogans Bomben – und niemanden interessiert‘s

Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan macht derweil mal wieder gegen seinen Leibfeind, die Kurden, mobil. Wäre es nicht so dramatisch, wäre das leider keine Meldung. Laut kurdischen Medien wurden bei 81 Luftschlägen der türkischen Armee auch Flüchtlingscamps und Krankenhäuser bombardiert. Dass Erdogan dazu sagt, man gehe mit „höchster Vorsicht“ vor und beim Flüchtlingscamp handle es sich um ein Lager der kurdischen PKK, weist eigentlich auf einen Informationskrieg als Begleitmusik des Bombenhagels hin. Auch hier: ein “ganz normaler Vorgang”.

Doch wozu Informationskrieg, wenn große Teile der Welt ohnehin mit sich selbst beschäftigt sind? Oder haben Sie all die vergessenen Kriege auf dem Schirm? Syrien, Jemen, Irak – alles schlimm, doch bei uns ist Krise. Moment, der Kanzler hat Corona ja beendet. Jetzt heißt es konsumieren! Also bitte buchen Sie endlich Urlaub in Österreich. Wenn Sie zufällig arbeitslos sind, sollten Sie einfach ein wenig fleißiger sein. Aber auch nicht so wie die rumänischen und bulgarischen Helfer, die das Coronavirus zum Fleischpriester und Schalke-Oligarchen Clemens Tönnies gebracht haben sollen. Das zumindest behauptet Armin Laschet, CDU-Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Schwierig: Fleißig sein kann auch falsch sein. Ausbeuten geht aber immer.

Benjamin Weiser

Titelbild: APA Picturedesk

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