Dienstag, Februar 27, 2024

Mit der Porno-Brille durchs Museum – Pornhub sorgt erneut für Wirbel

Pornhub sorgt erneut für Wirbel

Die Porno-Webseite “Pornhub” bietet einen Touren-Guide durch ein paar der weltweit bekanntesten Museen an und interpretiert große Kunstwerke auf schlüpfrige Art und Weise. Mittlerweile sind zahlreiche Werke wieder offline – und Pornhub hat Klagen der Museen am Hals.

Wien, 20. August 2021 | Die Plattform „Pornhub“ ist eine der weltweit größten Pornoseiten. Sie gelangte bereits mehrfach massiv in die Kritik – zuletzt nach Berichten über Kinderpornos und Vergewaltigungsvideos. Erst im Juni haben 34 Frauen Klage eingereicht – dabei geht es in den meisten Fällen darum, dass ihre Geschlechtspartner sie ohne ihr Wissen beim Sex filmten und die Videos auf Pornhub veröffentlichten.

Mittels Aktionen versucht Pornhub, sein Image aufzupolieren: Darunter Strand-Säuberungsaktionen oder Engagement gegen Brustkrebs. Zuletzt wagte Pornhub sich in die Szene der Kunstliebhaber vor und lud zu geführten Touren durch sechs der größten Museen weltweit – mit Blick durch die Porno-Brille. Unter dem Titel „Classic Nudes“ lancierte die Plattform einen „interaktiven Guide“ zu erotischen Gemälden und Skulpturen der Kunstgeschichte:

“Welcome to Classic Nudes, Pornhub’s interactive guide to some of the sexiest scenes in history at the world’s most famous museums“.

Kunst mit Blick durch die Porno-Brille

Die Werke, die im Guide vorgestellt wurden, wurden unterhaltsam und immer wieder mit Bezug auf Pornhub interpretiert. So heißt es beispielsweise über Boticellis „Geburt der Venus“: “Das Gemälde wurde vom Renaissance-Playboy Lorenzo de Medici in Auftrag gegeben, der eine so große Sammlung von Aktbildern hatte, dass man ihn als erstes Pornhub-Premium-Mitglied bezeichnen könnte.”

Wo auch immer Wasser in den Gemälden sichtbar ist, wird es als Metapher für Sperma interpretiert:

“But, because this is art and everything means something else – and usually something naughty – water has often been used by artists throughout history to represent sperm. And that’s why many of us refer to the ocean as God’s bukkake.“,

so beispielsweise die Pornhub-Interpretation von Gustav Courbet’s „Frau in den Wellen“, das immer noch im Guide zu finden ist. Eines der wenigen, denn viele Bilder sind bereits wieder verschwunden.

Louvre und Uffizien klagten

Die Tour führte durch sechs der weltweitbekanntesten Museen – darunter der Louvre in Paris, die Uffizien in Florenz oder das Metropolitan Museum of Art in New York, das Prado in Madrid, die Londoner Nationalgalerie und das Musee d’Orsay in Paris. Ziel sei es, “die Öffentlichkeit zum Besuch, Erkunden und zur Liebe (und Lust) zu diesen Kulturinstitutionen zu stimulieren”, so Pornhub in einer Presseaussendung zur Aktion. Werke wie etwa Botticellis “Geburt der Venus” oder Gustave Courbet’s „Der Ursprung der Welt“ (Titelbild) waren darunter – doch nicht lange.

Die Uffizien und der Louvre haben rechtliche Schritte gegen Pornhub eingeleitet. Für eine kommerzielle Nutzung der Bilder müsste Pornhub den Museen nämlich Rechte dafür abgelten.

Zahlreiche Inhalte sind daher aus der„Classic Nudes“-Serie verschwunden. Übrig ist ein Gerüst auf der Webseite, Links zu Video-Guides führen allesamt ins Nichts (darin sollen die klassischen Werke mit Porno-Darstellern nachgestellt worden sein, in denen es oft sehr explizit zur Sache ging), übrig geblieben sind Audiospuren zu ein paar Gemälden sowie Texte.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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4 Kommentare

  1. Brauch ich echt nicht, solche Aufhängerbilder. Fand das schon vor 20 Jahren deplatziert….sorry zackzack….Das wird als Belästigung empfunden, neben all den anderen Inhalten….

  2. Hoffentlich wehren sich alle Museen und bitten ordentlich zur Kasse. So weltberühmte Meisterwerke zu verunglimpfen ist ein starkes Stück, ohne Zustimmung der Besitzer und ohne Gebühr ist dreist.
    Zum obigen Gemälde wäre eine Beschreibung, Künstler, Titel bzw. Museum, gut.

  3. Fotoauswahl: geschmacklos. Ein typisch männlicher heterosexueller Blick auf das Objekt “Frau”. Zackzack.at – die Tageszeitung mit Haltung? Voll daneben.

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