Bei Mahrer-Wahl
Manchmal hilft wohl nur mehr ein Stoßgebet: Das dachte sich auch die ÖVP Wien. Bei der Obmann-Wahl Karl Mahrers betete man für ein “Ende der Korruption“. Wir bitten dich, erhöre uns.
Wien, 21. Mai 2022 | Karl Mahrer hat eine wilde Woche hinter sich. Der neue ÖVP-Wien-Obmann sorgte am Donnerstag mit seinen Aussagen über Homeoffice und die Tischbesetzung durch Kuchenbacken der Ehegattin für Stirnrunzeln: „Daheim sind die Kinder, daheim ist die Frau, manchmal ist der Wohnzimmertisch voll, weil dort der Kuchen gebacken wird. Da kann man nicht arbeiten.“
Wilde Woche für Mahrer
Kurz darauf warf Mahrer dem Journalisten, der das Interview mit ihm führte, vor, er hätte ihn falsch zitiert. Der „Krone“-Journalist zeigte sich empört und berief sich auf die Tonbandaufnahme: Das Zitat sei so gefallen.
Aus dem @KURIERat – ich wiederhole gerne: Es ist nicht falsch zitiert. Das Gespräch wurde auch aufgenommen. Mit Erlaubnis von @KarlMahrer veröffentliche ich den Ausschnitt auch gerne, da das Gespräch ursprünglich nur für interne Zwecke aufgenommen wurde. pic.twitter.com/uMDhnpJJbX
— Michael Pommer (@MichaelPommer) May 19, 2022
Am Freitagmorgen ging es dann gleich munter weiter. Ebenfalls durch die “Kronen Zeitung” wurde bekannt, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen Mahrer in der Causa Wienwert ermittle. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
ÖVP-Programm: Streichquartett und Priester
Wenige Stunden später traf sich Mahrer mit der versammelten ÖVP Wien in der Steffl Halle im 22. Bezirk. Dort sollte er offiziell als neuer Gernot Blümel-Nachfolger gewählt werden. Doch so ein Parteitag braucht natürlich auch ein spannendes Programm und nicht nur in die Länge gezogene Reden. Da hat sich die ÖVP Wien etwas ganz Besonderes überlegt. Neben einem Streichquartett, das vor einer überdimensionalen Kerze zu Ehren der verstorbenen ÖVPler spielte, wurde auch ein orthodoxer Priester eingeladen.
Ende der Korruption – “Wir bitten dich, erhöre uns”
Der Priester kam vorbereitet für das ÖVP-Hallenpublikum. Denn genauen Zuhörern wird eine gewisse Doppeldeutigkeit seines Gebetes nicht entgangen sein. Eigentlich befassten sich seine Worte auf den Ukraine-Krieg, so manche Bitte an das Überirdische wäre aber auch problemlos für die Volkpartei gültig.
Wer auch für ein Ende der Korruption mitbeten will, ab Minute 6:40 kann man sich anschließen
So bat er beim gemeinsamen Gebet mit der Wiener Volkspartei um ein „Ende der Korruption“ und auch „um das Licht der Weisheit für all jene deren Gedanken durch menschliche Schwachheit verfinstert sind“. Zudem solle denen Weisheit geschenkt werden, denen Macht gegeben ist: „Wir bitten dich, erhöre uns.“ Zur Erinnerung: Gegen rund 20 hochrangige ÖVP-Mitglieder ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Gewählt wurde übrigens auch. Karl Mahrer erhielt 94, 21 Prozent. Amen.
(bf)
Titelbild: APA Picturedesk