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Wien:

Tausende bei Lichtermeer in Gedenken an Lisa-Maria Kellermayr

Montagabend kamen Tausende Menschen in Wien vor dem Stephansplatz zusammen, um der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr zu gedenken. Sie hatte sich vergangene Woche das Leben genommen. 

Wien, 02. August 2022 | Montagabend haben am Wiener Stephansplatz Tausende Menschen der verstorbenen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr gedacht. Um 20.45 Uhr läuteten die Glocken des Stephansdoms für mehrere Minuten, ein Lichtermeer erleuchtete den Domplatz. Auch in Linz, Wels und Graz fanden Mahnwachen statt.

Die Landärztin Kellermayr war am Freitag in ihrer Praxis tot aufgefunden worden. Sie war im November 2021 zur Zielscheibe konkreter Drohungen seitens Corona-Maßnahmen-Gegner und Verschwörungstheoretiker geworden. Um sich und ihre Patienten zu schützen, investierte sie Zehntausende Euro in Sicherheitsmaßnahmen. Sie hatte sich mehrfach an Politik und Polizei gewandt, bekam aber bis zuletzt keine nachhaltigen Unterstützungsmaßnahmen gestellt.

Zuerst gedenken, dann aufarbeiten

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Musiker und Bildungsaktivisten Daniel Landau, der bereits mehrfach Gedenkveranstaltungen organisiert hat. Im Dezember hatte er etwa unter dem Motto „Yes We Care“ zum stillen Gedenken an alle Corona-Opfer aufgerufen – als Gegenveranstaltung zu den lauten Anti-Maßnahmen-Demonstrationen. „Für heute Abend erwarte ich mir, wie bei ‚Yes We Care‘, dass wir gemeinsam gedenken, gemeinsam trauern, gemeinsam innehalten“, sagte Landau gegenüber ZackZack. Dompfarrer Toni Faber sagte, die Versammlung setze ein Zeichen für Mitmenschlichkeit.

Ab Dienstag müssten die Vorfälle aber aufgearbeitet werden, forderte Landau. Die oberösterreichische Polizei, die Ärztekammer und die Politik müssten untersuchen, wieso Kellermayr den Eindruck gewonnen habe, ihr wäre wiederholt nicht Hilfe gewährt worden. „Die Politik muss sich fragen, betreiben wir vielleicht manchmal ein bisschen zu viel Appeasement-Politik, um es uns nicht zu verscherzen mit den Falschen“, so Landau.

Lieder für Friede und Mut

Es müssten klare gesellschaftliche Grenzen gesetzt werden, damit nicht einige glauben könnten, sie hätten das Recht, „einem anderen Menschen so auf den Kopf zu steigen“. Klare gesellschaftliche Grenzen forderte auch eine Ärztin, die mit einem Schild auf den Stephansplatz gekommen war, auf dem geschrieben stand: „Mehr Schutz für Frauen im Internet und im realen Leben.”

Sie stimmte nach dem mehrminütigen Schweige-Moment das Lied „Dona nobis pacem“ (Gib‘ uns Friede) an, das auch außerhalb der Kirche als Forderung nach Frieden gesungen wird. Danach sangen die Gedenkenden gemeinsam das Lied „We Shall Overcome“. Der Song war für die US-Bürgerrechtsbewegung bedeutend und gilt heute als Protestlied gegen soziale Ungerechtigkeiten. In einer Strophen-Variation sangen die Menschen auch: „We are not afraid!“

(pma)

Titelbild: ZackZack/Pia Miller-Aichholz

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36 Kommentare
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Schoenebner
3. 08. 2022 14:42

Für alle, die immer noch glauben, dass die “Coronaleugner” die arme Frau in den Tod getrieben haben: https://report24.news/suizid-aerztin-stand-auch-seitens-pharmaindustrie-unter-druck/?feed_id=19863

Oarscherkoarl
3. 08. 2022 22:46
Antworte auf  Schoenebner

Opfer-Täterumkehr. Ihr seid so was von Scheixxe und merkt es nicht.
(Solche Links werden generell nicht angeklickt) Ein “Report” der von einer !!Suizid-Ärztin!! schreibt ist von Haus aus letztklassig und nicht wert geteilt zu werden.
Ich kann ihnen nicht mit Worten sagen wie ich Typen wie sie verachte

maruh
3. 08. 2022 17:25
Antworte auf  Schoenebner

report24

😂

accurate_pineapple
3. 08. 2022 10:58

Traurig dass sie keinen anderen Ausweg sah.
Heuchlerisch das Lichtermeer. Institutionelles Versagen im schwarzen IM ist leider nicht neu.
Unfähige, inkompetente Parteisoldaten an den entscheidenden Stellen haben leider immer negative Folgen…..

Oarscherkoarl
3. 08. 2022 23:08
Antworte auf  accurate_pineapple

Sie unterstellen mir dass ich ein Heuchler wäre? Begründen sie das!
Ich habe für mich Anteilnahme bekundet, -für einen Menschen der im Stich gelassen wurde und nur noch eine Möglichkeit sah das zu beenden.
Und sie unterstellen Heuchlerei?
Sie sind ein armseliges – das ohne Koarl…

Dr.B.C.
3. 08. 2022 10:35

Und es wäre doch alles so einfach gewesen:
Wenn man die Cobra-Beamten nicht bei diesen Nehammers, sondern bei der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr postiert hätte, wäre sie noch am Leben, ihre Praxis wäre nicht finanziell ruiniert worden und sie würde weiterhin kranke Menschen behandeln!

habedere
3. 08. 2022 7:02

Sie wird also heilig gesprochen.

Ich verstehe, dass die Geschichte ein katatstrophales Zeugnis für die beteiligten ausstellt, die der Frau nicht geholfen haben. Ich bin auch entsetzt, dass es Deppen/Kriminelle gibt, die glauben, drohen zu müssen. Aber diese Geschichte lässt mich doch mit dem Gefühl zurück, dass wir die ganze Wahrheit nicht kennen. Der 180° Schwenk der Frau und ihre Äußerung, keine Gesundheitspolitik (sic!) mehr machen zu können – für mich passt das nicht recht zusammen.

Und ja, Mitgefühl ist das eine, die Sache wird aber extrem politisiert – man darf auch das ansprechen!

Zuletzt bearbeitet 16 Tage zuvor von habedere
Unbekannt
3. 08. 2022 8:28
Antworte auf  habedere

Dass die Dame begonnen hat, ihre Patienten auch ohne das heilige Experiment zu behandeln, kann sie durchaus ins Fadenkreuz der Pharma gebracht haben. Auch die Inhalte der Drohbriefe klingen ganz und gar nicht nach den angeblich “ungebildeten Impfgegnern”. Und dass die deutsche Polizei, die ja sonst recht schnell beim Eindringen in Wohnungen ist, wenn jemand verdächtigt wird “rechts zu sein, einfach so die Ermittlungen einstellt, ist ebenfalls äusserst verdächtig.
Hier könnten echte Journalisten einige interessante Fragen stellen.

accurate_pineapple
3. 08. 2022 10:53
Antworte auf  Unbekannt

Was hat die deutsche Polizei mit einem Freitod in Seewalchen in Ö zu tun?

bmtwins
3. 08. 2022 11:06
Antworte auf  accurate_pineapple

“Unbekannt” versucht wie gewohnt von den rechten Recken abzulenken und will andeuten, dass die Pharmaindustrie hinter all dem steckt und sich Dr Kellermaier deshalb das Leben genommen hat

nordenberg
3. 08. 2022 12:32
Antworte auf  bmtwins
nordenberg
3. 08. 2022 12:36
Antworte auf  nordenberg
Summa summarum
2. 08. 2022 18:24

Die ÖVP dürfte auf Grund des Multiorganversagens im IM in den Panik-Raum zu Sachslehner geflüchtet sein zwecks Erarbeitung einer Strategie, wie bei Vorbringen – auch behutsamer – Kritik auf Twitter vorzugehen sei:
Philip Hartig, ÖVP-Klub, an Daniel Landau (Organisator des Gedenkens):
“Du hast was Unterstellungen gegen die ÖVP betrifft eine bei Dir bisher nicht beobachtete neue Qualität erreicht: pauschal und abwertend. Traurig”.

wolfi
2. 08. 2022 18:05

Ein wunderschönes unter die Haut gehendes Gedenken! Sollte man nicht eine Strasse nach ihr benennen? Oder einen Saal im renovierten Parlament? Wäre doch das Mindeste!

Schoenebner
3. 08. 2022 14:48
Antworte auf  wolfi

Man müsste dann wohl nach jedem Opfer der “Maßnahmen”, also nach hunderten Menschen, die aufgrund der Politik in den Selbstmord getrieben wurden und auch nach jenen, deren Leben nach einer Impfung plötzlich und unerwartet endete, eine Straße benennen. Ich glaube nicht, dass die Gewessler es zulässt, dass wir so viele neue Straßen bauen ….

Danilo
3. 08. 2022 20:19
Antworte auf  Schoenebner

Wenn sich in Wien jemand vor die U Bahn stürzt, lautet die Durchsage: „Auf Grund eines technischen Gebrechens kommt es zu längeren Intervallen auf der Linie U1.“
Würde man die U Bahnstationen nach diesen bedauernswerten gebrochenen Menschen benennen, wäre das Wiener U Bahnnetz mittlerweile perfekt, von Eisenstadt, Wr. Neustadt, St.Pölten, über Krems bis Mistelbach ausgebaut!

Zuletzt bearbeitet 15 Tage zuvor von Danilo
hr.lehmann
2. 08. 2022 19:36
Antworte auf  wolfi

Oida, echt jetzt? 😑

Helmut1931
4. 08. 2022 0:24
Antworte auf  hr.lehmann

Jo man, echt oid!

nordenberg
2. 08. 2022 18:01

“dona nobis pacem” – ein schönes lied. traurig finde ich aber, dass diejenigen, die versucht haben an den krieg, den wir in europa real haben, eher so heranzugehen, sofort wieder diffamiert worden sind. der friede sollte einmal damit beginnen, dass man andere meinungen aushält, auch wenn man sie micht teilt, ohne dem andern gleich verbal an die gurgel zu gehen. dann wäre es auch mit frau dr kellermayer nicht soweit gekommen.