Samstag, Juni 15, 2024

Wien: Tausende bei Lichtermeer in Gedenken an Lisa-Maria Kellermayr

Wien:

Montagabend kamen Tausende Menschen in Wien vor dem Stephansplatz zusammen, um der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr zu gedenken. Sie hatte sich vergangene Woche das Leben genommen. 

Wien, 02. August 2022 | Montagabend haben am Wiener Stephansplatz Tausende Menschen der verstorbenen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr gedacht. Um 20.45 Uhr läuteten die Glocken des Stephansdoms für mehrere Minuten, ein Lichtermeer erleuchtete den Domplatz. Auch in Linz, Wels und Graz fanden Mahnwachen statt.

Die Landärztin Kellermayr war am Freitag in ihrer Praxis tot aufgefunden worden. Sie war im November 2021 zur Zielscheibe konkreter Drohungen seitens Corona-Maßnahmen-Gegner und Verschwörungstheoretiker geworden. Um sich und ihre Patienten zu schützen, investierte sie Zehntausende Euro in Sicherheitsmaßnahmen. Sie hatte sich mehrfach an Politik und Polizei gewandt, bekam aber bis zuletzt keine nachhaltigen Unterstützungsmaßnahmen gestellt.

Zuerst gedenken, dann aufarbeiten

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Musiker und Bildungsaktivisten Daniel Landau, der bereits mehrfach Gedenkveranstaltungen organisiert hat. Im Dezember hatte er etwa unter dem Motto „Yes We Care“ zum stillen Gedenken an alle Corona-Opfer aufgerufen – als Gegenveranstaltung zu den lauten Anti-Maßnahmen-Demonstrationen. „Für heute Abend erwarte ich mir, wie bei ‚Yes We Care‘, dass wir gemeinsam gedenken, gemeinsam trauern, gemeinsam innehalten“, sagte Landau gegenüber ZackZack. Dompfarrer Toni Faber sagte, die Versammlung setze ein Zeichen für Mitmenschlichkeit.

Ab Dienstag müssten die Vorfälle aber aufgearbeitet werden, forderte Landau. Die oberösterreichische Polizei, die Ärztekammer und die Politik müssten untersuchen, wieso Kellermayr den Eindruck gewonnen habe, ihr wäre wiederholt nicht Hilfe gewährt worden. „Die Politik muss sich fragen, betreiben wir vielleicht manchmal ein bisschen zu viel Appeasement-Politik, um es uns nicht zu verscherzen mit den Falschen“, so Landau.

Lieder für Friede und Mut

Es müssten klare gesellschaftliche Grenzen gesetzt werden, damit nicht einige glauben könnten, sie hätten das Recht, „einem anderen Menschen so auf den Kopf zu steigen“. Klare gesellschaftliche Grenzen forderte auch eine Ärztin, die mit einem Schild auf den Stephansplatz gekommen war, auf dem geschrieben stand: „Mehr Schutz für Frauen im Internet und im realen Leben.”

Sie stimmte nach dem mehrminütigen Schweige-Moment das Lied „Dona nobis pacem“ (Gib‘ uns Friede) an, das auch außerhalb der Kirche als Forderung nach Frieden gesungen wird. Danach sangen die Gedenkenden gemeinsam das Lied „We Shall Overcome“. Der Song war für die US-Bürgerrechtsbewegung bedeutend und gilt heute als Protestlied gegen soziale Ungerechtigkeiten. In einer Strophen-Variation sangen die Menschen auch: „We are not afraid!“

(pma)

Titelbild: ZackZack/Pia Miller-Aichholz

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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