Sonntag, Juni 16, 2024

Nach ZackZack-Recherche: Schubhaftzentrum-Mitarbeiter wenden sich an WKStA

Nach ZackZack-Recherche:

Nach einem ZackZack-Bericht zu mutmaßlich nicht geleisteten Stunden im Schubhaftzentrum Vordernberg, haben sich Mitarbeiter nun an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gewandt. In einem fünfseitigen Schreiben weisen sie sogar auf weitere Missstände hin.

Stefanie Marek

Wien/Vordernberg/Graz, 04. November 2022 | Das Schubhaftzentrum Vordernberg in der Steiermark untersteht dem Innenministerium (BMI) und wird von der Polizei und der privaten Sicherheitsfirma G4S betrieben. Über mehrere Jahre sollen insgesamt 12.500 vertraglich vereinbarte Stunden von G4S nicht erbracht, aber vermutlich trotzdem verrechnet worden sein. ZackZack hatte berichtet.

Jetzt haben sich ehemalige und aktive G4S-Mitarbeiter mit einem anonymen Schreiben und dem beigelegten Artikel von ZackZack an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gewandt. Darin fordern sie die Ermittler auf, sich die Situation im Anhaltezentrum genauer anzusehen.

Vorwürfe gegen AHZ-Leitung, G4S-Führung und Polizei

Auf den fünf Seiten, die ZackZack vorliegen, sprechen die Mitarbeiter bezüglich der fehlenden G4S-Stunden von „der Spitze eines großen Eisbergs“. Sie erzählen von großem Druck, schlechten Arbeitsbedingungen, ständigen Kündigungen und konstantem Personalmangel.

„Das mit den Leistungsstunden in diesem Artikel können wir nur noch einmal bestätigen“, heißt es im Schreiben und: „Diese konstante Stundenunterschreitung der G4S ist nicht schwer nachzuvollziehen“, da es „mit unserer Mitarbeiteranzahl gar nicht möglich ist, das alles zu schaffen“.

Zu lesen ist darin nicht nur massive Kritik an den G4S-Führungspersonen vor Ort sowie an der generellen Führungsriege im Anhaltezentrum, sondern auch Kritik an fragwürdigem Umgang dortiger Polizeibeamter mit Schubhäftlingen und von Missmanagement von seiten der Polizei – auch hier auf Kosten der Steuerzahler, so der Vorwurf.

Auch Polizisten seien mit der Situation unzufrieden, es traue sich aber niemand, etwas zu sagen, weil man dann „gleich weggemobbt“ werde. Auf den Leitungsebenen soll wegeschaut worden sein. Wie stichhaltig diese Vorwürfe sind, ist Gegenstand weiterer Recherchen von ZackZack.

Staatsanwaltschaft Graz ermittelt

Auf Nachfrage teilte die WKStA mit, dass sie das Schreiben erhalten und an die Staatsanwaltschaft Leoben weitergeleitet habe, da die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaften ortsgebunden sei. Die Staatsanwaltschaft Leoben teilte auf Nachfrage wiederum mit, dass sie die Sache an die Staatsanwaltschaft Graz übergeben habe, da diese bereits ein Ermittlungsverfahren in Zusammenhang mit dem Schubhaftzentrum führe.

Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Graz, das Schreiben sei aber dort noch nicht eingelangt. Man werde sich die Vorwürfe ansehen. Auch ZackZack wird dranbleiben.

Titelbild: ERWIN SCHERIAU / APA / picturedesk.com

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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