Samstag, Juni 22, 2024

ÖVP-Bürgermeister kann »Jammern« über Teuerung nicht verstehen

Nachdem eine ÖVP-Abgeordnete in einer Rede die Teuerung nur als „Gefühl“ bezeichnete, sorgte auch ein ÖVP-Bürgermeister mit seinen Aussagen für Verwunderung.

Ziersdorf, 01. Dezember 2022 | In der kleinen Markgemeinde Ziersdorf im Weinviertel (Niederösterreich) herrschte nach einer Ausgabe der ORF-Sendung „Am Schauplatz“ Aufregung. Der Bürgermeister Hermann Fischer (ÖVP) musste sich sogar nach der Ausstrahlung entschuldigen.

Die Peter Resetarits-Sendung hatte sich dem Thema steigender Energiekosten gewidmet. Um die finanzielle Belastung für die Bevölkerung zu zeigen, besuchte man auch die 3.400-Seelen-Gemeinde Ziersdorf. Bei einem Informationsstand des Energieanbieters EVN hatte sich bereits eine Menschentraube, vorrangig aus älteren Personen, gebildet, die sich über den niederösterreichischen Strompreis-Rabatt schlau machen wollte. Im TV-Beitrag wollte auch der Bürgermeister zu Wort kommen und gab seine Meinung über die Teuerung kund.

Zuerst sparen, dann jammern

Fischer könne das „Jammern“ wegen der Energiepreise oft nicht nachvollziehen. Einer Dame die ihn fragte, was sie angesichts der steigenden Energiekosten tun solle, entgegnete er: „Sie werden am wenigsten betroffen sein.“ Er wisse bei manchen das Einkommen – „was natürlich niemanden etwas angeht“ – seiner Einschätzung nach werden die gestiegenen Energiekosten „viele nicht wirklich treffen“. Auf Nachfrage der „Am Schauplatz“-Reporterin, ob das heißt, dass viele nicht so arm sind wie sie tun, bejahte Fischer: „Genau der Meinung bin ich.“ Man solle lieber „selbst bei sich anfangen, was man einsparen kann und dann jammern.“ Seine Meinung: Die Mehrzahl, die jammert, der geht’s gar nicht so schlecht.“

Schriftliche Entschuldigung

Von FPÖ und SPÖ der Gemeinde folgte Kritik, wie „Neue Zeit“ als erstes berichtete. „Viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Bezirk kämpfen ums finanzielle Überleben. Die Teuerung ist ein massives Problem, dass sich bei einer Inflationsrate von aktuell 11 Prozent sicher niemand einbildet“, so Esma Öztürk und Stefan Hinterberger. Die Freiheitlichen forderten den Rücktritt Fischers.

Der ÖVP-Bürgermeister ruderte allerdings mit einer schriftlichen Entschuldigung zurück: Es war nicht meine Absicht, andere mit meinen Aussagen zu beleidigen und ich möchte mich selbstverständlich bei allen entschuldigen, die sich beleidigt fühlen.“

ÖVP-Abgeordnete: Teuerung nur “Gefühl”

Nicht nur Fischer sorgte von ÖVP-Seite für Verwunderung mit Teuerungsaussagen. Die ÖVP-Abgeordnete Angela Baumgartner bezeichnete in einer Parlamentsrede, über die ZackZack als erstes berichtete, die Teuerung als „Gefühl“. Dieses „Gefühl“ habe man der Opposition zu verdanken: „Aber warum haben wir dieses Gefühl, dass wir uns gewisse Sachen nicht mehr leisten können? Dank Ihnen, liebe Opposition. Weil sie nur Hetze betreiben und nur ungute Stimmung betreiben.“

(bf)

Titelbild: Screenshot ORF

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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