Der Bonus-Jackpot

Millionen für Kurz-Vize, Teil 4

Am 1. Juli 2017 wird Bettina Glatz-Kremsner Stellvertreterin von Sebastian Kurz an der Spitze der ÖVP. Zwei Jahre später ist sie Generaldirektorin der Casinos – und um Millionen reicher. Dazwischen liegt eine türkise Karriere – aus Intrigen, Parteibuchwirtschaft und Privilegien.

Wien, 25. Jänner 2020 / Drei Jackpots hat Kurz-Stellvertreterin Bettina Glatz-Kremsner am Weg zur Casinos-Chefin bereits geknackt:

  • die Jackpot-Pension von weit mehr als einer halben Million Euro
  • das vierfache Bundespräsidentengehalt
  • und die Abfertigung von 1,7 Millionen Euro für ihre Beförderung zur Casinos-Chefin.

Aber Glatz-Kremsner schafft als stellvertretende ÖVP-Vorsitzende noch einen vierten Hauptgewinn: den Bonus-Jackpot.

Jackpot 4: der Bonus

Glatz-Kremsner hat 2018 als CASAG-Vorstand 400.000 Euro Gehalt und für 2018 und die ersten vier Monate 2019 noch einen Bonus von 670.000 Euro kassiert. Im neuen Vertrag legt die CASAG noch einmal drauf: „Einvernehmlich“ wird ein „Bonus für das Jahr 2018 festgelegt“: 1.297.254 Euro. So kommen zu den 670.000 Euro Bonus noch einmal 627.254 Euro für 2018 und 288.418 Euro für die ersten vier Monate 2019 dazu. Glatz-Kremsner hat nach dem Abfertigungs-Jackpot auch den Bonus-Jackpot geknackt.

Aber wie kann die CASAG bereits im April 2019 einen Bonus für das laufende Geschäftsjahr 2019 errechnen? Wie kann es vier Mal „Jackpot“ heißen? Ganz einfach: Glatz-Kremsner hat auf die richtige Farbe gesetzt. Und die ist auch bei den Casinos seit der Machtübernahme von Sebastian Kurz immer türkis.

Binnen zwei Tagen hat sie so den Casinos-Jackpot vier Mal geknackt:

  • 700.000 Euro Jahresgehalt
  • 1.742.284 Euro Abfertigung
  • 915.672 Euro „einvernehmlichen Bonus“ für 2018 und für die ersten vier Monate 2019
  • und eine Firmenpension von mehr als 400.000 Euro jährlich.

Harte Arbeit lohnt sich, zumindest an der Spitze der ÖVP.

Türkis volltanken

„Das Vorstandsmitglied hat Anspruch auf Beistellung eines Dienstwagens der Oberklasse, den das Vorstandsmitglied auch privat benutzen darf.“ Das entspricht den üblichen Vorstands-Privilegien in staatsnahen Betrieben. Im Fall „Glatz-Kremsner“ kommt nach „Vorstandsmitglied“ allerdings noch eine Person in Klammer hinzu: „ihr Ehegatte“. Die ÖVP ist eine Familienpartei – und die Vorstandslimousine der Kurz-Stellvertreterin ein Familienauto.

Aber ans Steuer lässt die CASAG-Chefin lieber einen Chauffeur. Sie setzt durch, dass sie als einzige einen von den Casinos erhält: „Fahrer nur BGK“.

„Fahrer nur BGK“

Aber kann sich die Familie Glatz-Kremsner den Betrieb des teuren Familienautos leisten? Der Vertrag beantwortet auch diese Frage: „Die Treibstoffkosten und Kosten für sonstige Betriebsmittel für Privatfahrten werden insoweit von der Casinos Austria AG getragen, als diese Kosten in Österreich entstanden sind.“

Wenn Glatz-Kremsner mit ihrer Familie auf Urlaub fährt, muss sie nur auf eines aufpassen: dass sie kurz vor der Grenze tankt.

„Bettina auf unserer Seite“

Am 20. Februar notiert Rothensteiner in einer Sitzung des CASAG-Aufsichtsrats über „BGK“ – Bettina Glatz-Kremsner: „BGK immer im System, nie im freien Markt“. Die Kurz-Stellvertreterin beherrscht das politische Geschäft in einem Monopolbetrieb. Für die neue harte Konkurrenz auf dem Glücksspielmarkt bringt sie weniger Vorkenntnisse mit.

 

Eines steht für Glatz-Noch CASAG-Vorstand Labak informiert im Februar 2019 CASAG-Aufsichtsratschef Rothensteiner, dass die Casinos nicht mehr als zwei Vorstände brauchen: „Bettina ist mit mir einig, dass eine darüber hinaus gehende Anzahl nicht zweckmäßig ist.“

 

E-Mail von Labak an Rothensteiner

Labak hat recht. Aber es geht nicht um Zweckmäßigkeit für das Unternehmen, sondern für die ÖVP. Und die ist ihrem Regierungspartner FPÖ im Wort.

Am 16. Jänner 2019 um 7.35 Uhr schickt Novomatic-Chef Neumann Vizekanzler Strache eine i-message: „Bettina Glatz-Kremsner ist auf unserer Seite.“ Eine Minute später antwortet Strache: „Danke dir, lieber Harald. Alles liebe HC.“

Labak hat recht. Aber es geht nicht um Zweckmäßigkeit für das Unternehmen, sondern für die ÖVP. Und die ist ihrem Regierungspartner FPÖ im Wort.

Am 16. Jänner 2019 um 7.35 Uhr schickt Novomatic-Chef Neumann Vizekanzler Strache eine i-message: „Bettina Glatz-Kremsner ist auf unserer Seite.“ Eine Minute später antwortet Strache: „Danke dir, lieber Harald. Alles liebe HC.“

Aber warum interveniert Glatz-Kremsner jetzt für einen Dreiervorstand? Und warum mischt sie sich als Vorstandsdirektorin in Angelegenheiten des Aufsichtsrats ein?

Die Antwort ist ganz einfach: ÖVP-Chef Kurz hat einen Proporz-Deal mit FPÖ-Chef Strache. Dieser Deal wird jetzt in der CASAG umgesetzt. Und auch für Bettina Jackpot gilt die alte Regel: Parteibücher dienen der Partei.

(red)

Die Casino-Affäre:

Teil 1: Millionen für Kurz-Vize – Bettina Jackpot

Teil 2: 4 Van der Bellen für Bettina – Millionen für Kurz-Vize

Teil 3: Millionen für Kurz-Vize: Die Abfertigung

Glatz-Kremsner klagt ZackZack – Peter Pilz kommentiert

Nach Pensions-Enthüllungen: Casinos drohen ZackZack

Titelbild: APA Picturedesk

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