Millionen für Kurz-Vize

Bettina Jackpot

Am 1. Juli 2017 wird Bettina Glatz-Kremsner Stellvertreterin von Sebastian Kurz an der Spitze der ÖVP. Zwei Jahre später ist sie Generaldirektorin der Casinos – und um Millionen reicher. Dazwischen liegt eine türkise Karriere – aus Intrigen, Parteibuchwirtschaft und Privilegien.

Wien, 21. Jänner 2020 / Am 20. Februar 2019 trifft Casinos-Vorstand Glatz-Kremsner – von Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Rothensteiner meist „Bettina“ genannt – Rothensteiner in der Zentrale der Uniqa. Der Raiffeisen-Manager weiß: Glatz-Kremsner hat ihre Pflicht für die Partei erfüllt und FPÖ-Mann Peter Sidlo in den Casinos-Vorstand geholfen. Jetzt wird für ihre Zukunft gesorgt.

Jackpot 1: die Pension

Bettina Glatz-Kremsner denkt an die Zukunft. An ihre. Und unterschreibt am 30. April Punkt XII ihres Vorstandsvertrags: die „Betriebliche Altersvorsorge“.

Der erste Teil der Bemessungsgrundlage für ihre Pension ist „der letzte Jahresbruttobezug“. Das sind 700.000 Euro. Dazu kommt der Durchschnittsbonus der letzten fünf Jahre. Das sind noch einmal bis zu 700.000 Euro. Die Pension beträgt vom ersten Tag an 54 Prozent der Bemessungsgrundlage, also bis zu 756.000 Euro.

In ihrem alten Vorstandsvertrag hätte Glatz-Kremsner „nur“ 36 Prozent der Bemessungsgrundlage bekommen. Aber ein anderes Detail ist weit wichtiger: Im alten Vertrag ist der Pensionsanspruch gedeckelt – mit der Höhe des Fixums von 400.000 Euro. Im neuen Vertrag fehlt der Deckel. Die Pension ist nach oben weit offen.

Deckel „vergessen“

ZackZack konfrontiert die CASAG mit Dokumenten und Recherchen – und erhält Dienstagvormittag eine überraschende Auskunft: die fehlende Deckelung der Glatz-Kremsner-Pension sei ein „Schlampigkeitsfehler“, man habe im Vertrag auf das Wort „Deckelung“ vergessen.

Wörtlich bestätigt Glatz-Kremsners Sprecher außerdem:

„Der Grundvertrag ist nach wie vor gültig, mit einer Ergänzung aus dem Jahr 2019 zur angesprochenen Reduktion des Pensionsanspruchs. Die Systematik zur Berechnung des Pensionsanspruchs ist demnach auch gleichgeblieben.“

Aber: Glatz-Kremsner habe aufgrund der „wirtschaftlichen Gesamtsituation“ der CASAG ihren Pensionsanspruch nach dem Vorbild ihres Vertrags vom 15. Dezember 2015 nachträglich deckeln lassen – mit 400.000 Euro pro Jahr. Die Vertragsänderung sei von Walter Rothensteiner unterschrieben worden. Der Sprecher weigert sich, das Datum der Nachdeckelung bekanntzugeben. Die behauptete Vertragsänderung wird unter Verschluss gehalten. Damit verstärkt sich ein Eindruck: Als die CASAG-Spitze erfuhr, dass Medien wie ZackZack der Vertrag und die Pensionsregelung durch die Sidlo-Affäre vorliegen könnten, wurde versucht, den Vertrag nachträglich zu entschärfen – mit einer Luxuspension von 400.000 Euro.

Raiffeisen-General Walter Rothensteiner ist Aufsichtsratspräsident der Casinos Austria. Der Vertrag seiner Parteifreundin Bettina Glatz-Kremsner trägt ebenso seine Unterschrift wie die von der CASAG geheim gehaltene Nachdeckelung ihrer Pension. Bild: APA Picturedesk

Auf 400.000 Euro Pension kommt man bei den vertraglich vereinbarten 54 Prozent auf eine Bemessungsgrundlage von 740.740 Euro – also mehr als die 700.000 Euro Fixgehalt von Glatz-Kremsner. Normale Pensionisten erhalten einen Teil ihres Aktivbezugs und sonst nichts. Jackpot-Pensionistinnen erhalten weiter einen Teil des Erfolgs-Bonus – obwohl sie nichts mehr zum Erfolg beitragen. In der ÖVP ist auch die Pension ein Glücksspiel.

Keine Sonderregelung für Sidlo und Skopek

Von dieser Jackpot-Pension kann der geschasste FPÖ-CASAG-Vorstand Peter Sidlo nur träumen. Ihm genehmigte der Aufsichtsrat laut Vertrag vom 02. Mai 2019 „nur“ die übliche Pensionskassenregelung der CASAG-Mitarbeiter. Der Trost für Sidlo: „Ein Eigenbeitrag des Vorstandsmitglieds und eine Wartezeit ist nicht vorgesehen.“

Dasselbe gilt auch für den vom tschechischen Mehrheitseigentümer entsandten Vorstand Martin Skopek. Glatz-Kremsner ist also das einzige Vorstandmitglied mit Jackpot-Pension.

Aber wie lange muss Glatz-Kremsner noch arbeiten? Ab wann kassiert sie ihre Luxuspension? Auch diese Frage beantwortet der Vertrag: Pensionsantrittsalter ist 60 Jahre. Die stellvertretende ÖVP-Chefin hat eine Kurz-Hacklerregelung ausverhandelt.

Der Vertrag stellt noch etwas klar: Die CASAG-Pension ist nur eine Zusatzpension. „Die nach dem Vertrag gebührende Pension ist keine Gesamtpension, sodass insbesondere Leistungen aus der gesetzlichen Pensionsversicherung auf die Betriebspension nicht angerechnet werden.“

Glatz-Kremsner kann beruhigt in die Zukunft schauen: Zur Luxuspension der Casinos bekommt sie auch noch ihre ASVG-Pension.

Aber das ist nur der Anfang. Bettina Glatz-Kremsner hat noch drei weitere Jackpots geknackt. Fortsetzung folgt: Lesen Sie hier Teil 2.

(red)

Die Casino-Affäre:

Teil 1: Millionen für Kurz-Vize – Bettina Jackpot

Teil 2: 4 Van der Bellen für Bettina – Millionen für Kurz-Vize

Teil 3: Millionen für Kurz-Vize: Die Abfertigung

Nach Pensions-Enthüllungen: Casinos drohen ZackZack

Titelbild: Bettina Glatz-Kremsner war von Juni 2017 bis April 2019 Sebastian Kurz‘ Stellvertreterin als ÖVP-Bundesparteiobfrau. Mit ihrem Aufstieg vom Finanzvorstand zur Generaldirektorin der CASAG legte sie ihre Partei-Spitzenfunktion zurück. Bild: APA Picturedesk

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