Freitag, Mai 17, 2024

Sobotkas »Mann fürs Grobe« im U-Ausschuss

Am Donnerstag ist es soweit: Michael Takàcs, einst Wolfgang Sobotkas „Mann fürs Grobe“ und nun zweithöchster Polizist Österreichs, wird befragt. Für die Opposition und die Grünen ist er ein Paradebeispiel für eine steile Karriere durch Postenschacher.

Wien, 20. Oktober 2022 | Der Donnerstag im ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss dreht sich stark um das Beweisthema 4, “etwaige Begünstigungen bei der Personalauswahl”. Geladen ist Michael Takàcs, der, so vermuten Opposition und Grüne, vor allem dank ÖVP eine steile Karriere bis hin zu seinem aktuellen Posten als Bundespolizeidirektor gemacht hat.

Danach wird eine pensionierte Abteilungsleiterin aus dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung befragt werden, unter anderem zur schwindenden Personaldecke in der Behörde.

Michael Takàcs: Mann fürs Grobe mit steiler Karriere-Leiter

Auf der Website der ÖVP Groß Enzersdorf, wo Takàcs Gemeinderat ist und 2019 bis 2021 Obmann war, heißt es, er hätte „sein politisches Handwerk“ als Kabinettsreferent bei den Innenministern Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Sobotka (beide ÖVP) gelernt. Nicht nur das, er hat den Ruf, Sobotkas „Mann fürs Grobe“ gewesen zu sein.

Ein Chat-Verlauf mit dessen Kabinettschef Michael Kloibmüller aus dem Jahr 2016 belegt das. Darin verspricht Takàcs Kloibmüller, er würde Blut sehen wollen (ZackZack berichtete), weil jemand nicht nach den Vorstellungen von Innenminister Sobotka gehandelt hatte.

Erste Schritte im Innenministerium (BMI) machte der Wiener Polizist in der Öffentlichkeitsarbeit unter Maria Fekter (ÖVP). Danach ging es im BMI steil nach oben: 2013 bis 2017 Polizeireferent, 2015 bis 2017 stellvertretender Leiter der Verkehrsabteilung – unter anderem unter Sobotka –, 2018 bis 2019 Büroleiter im BMI-Staatssekretariat unter Karoline Edtstadler (ÖVP), 2020 bis 2022 stellvertretender Kabinettschef.

2017 bis 2022 war er außerdem Leiter der Landesverkehrsabteilung der Wiener Polizei, eine Besetzung, die umstritten und von Vorwürfen des Postenschachers begleitet war, weil Takàcs als einziger Bewerber kein Polizeioffizier war. Bis zu seinem Amtsantritt als Bundespolizeidirektor im Juli 2022 war Takàcs zuletzt Flüchtlingskoordinator.

Jetzt ist er der zweithöchste Polizeibeamte Österreichs, auf einem Posten, der im Rahmen der jüngsten Polizeireform neu geschaffen wurde. Auch bei dieser Bestellung meldete sich die Opposition zu Wort. „Einmal mehr wird ein Mitglied der ÖVP-Familie in einen höchstrangigen Job im österreichischen Sicherheitsapparat gehievt“, sagte SPÖ-Mandatar Reinhold Einwallner in einer Aussendung und schwor, Takàcs genau auf die Finger zu schauen.

Kürzlich machte Einwallner sein Versprechen mit einer parlamentarischen Anfrage wahr, in der er wissen wollte, wer genehmigt hatte, dass in einem Hof der Rossauer Kaserne ein Straßenschild mit der Aufschrift „Michael Takàcs Hof“ angebracht worden war.

Übrigens: Michael Takàcs war es, der nach dem unfreiwilligen Bad Michael Kloibmüllers Handys das Gerät zur Datensicherung an den Verfassungsschutz übergab. Die Inhalte des Handys (BMI-Chats) haben seitdem tief in die Verstrickungen des BMI mit der ÖVP blicken lassen.

Martina K.: Pensionierte Korruptions-Bekämpferin

Martina K. war bis zu ihrer kürzlichen Pensionierung Leiterin der Abteilung für Prävention, Edukation und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK). Von ihr erwarten sich NEOS, SPÖ, FPÖ und Grüne Einblicke in das BAK. Die Befragung von K.s ehemaligem Vorgesetzten Otto Kerbl hat NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper dafür genützt, die personellen Zustände im BAK aufs Tapet zu bringen.

Das Direktorat war 2020 bis 2022 interimistisch besetzt, ebenso wie andere leitende Posten in der Behörde, die als polizeiliches Gegenstück zur Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gilt, länger schon nicht oder nur interimistisch besetzt sind. Andere Stellen sind bereits länger gar nicht besetzt. Der Verdacht von NEOS und Grünen: Das BAK wird unter Federführung des türkis besetzten BMI systematisch lahmgelegt.

UPDATE: Der Artikel wurde um 18.30 Uhr korrigiert um die Information, dass das BAK-Direktorat mittlerweile permanent besetzt ist.

Dieser Artikel wurde um 19.16 Uhr dahingehend korrigiert, dass Michael Takàcs bis 2019 im Staatssekretariat tätig war.

(pma)

Titelbild: GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Pia Miller-Aichholz
Pia Miller-Aichholz
Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

16 Kommentare

  1. T., vom kleinen Pressesprecher der PolDionWien, wurde von der Familie zum formal zweitmächtigsten Polizisten der Republik gemacht. Eine Liga, in die der willenlose Parteilemming nicht gehört. Mit solch devoten und zu jeder Schandtat bereiten Soldaten ist die schwarze Borgata gewohnt zu korrumpieren. Die Dankbarkeit für solche Beförderungen gepaart mit Inkompetenz, garantieren eine unmittelbare und unwidersprochene Umsetzung, von aus dem Parteisekretariat geäußerten Wünschen. Erst unlängst wurde T. des Nächtens dabei gesehen, wie er in schwer illuminiertem Zustand sein DienstKfz vorschriftswidrig in einer Diplomatenzone abstellte. Kurze Zeit später wankte er, nachdem er sich an einem in der Nähe befindlichen Würstelstand gütlich getan hatte, zu seinem Fahrzeug mit ketchupbeflecktem Kragen zurück und nahm selbiges (offensichtlich noch stärker illuminiert…) wieder in Betrieb…
    Es sollte dringend heller werden!

  2. Der Mann war als Flüchtlingskoordinator weder besonders präsent noch erfolgreich wie die “Asylzelte” beweisen. Für eine Karriere bei der ÖVP scheints gereicht zu haben, vielleicht war er ja besonders “führbar” wie die meisten dieser Marionetten.

  3. Wieder ein Beispiel für die immergleiche Masche. Vielleicht sollten wir Wähler*innen jetzt doch einmal “das Beil schwingen” ? Natürlich bleibt Demokratie anfällig für Postenschacher, Korruption und Machtmissbrauch. Aber wenn wir Wählerinnen der “Hydra” den jeweils mächtigsten Kopf abhacken lernen die nachwachsenden vielleicht doch ein bissl was??? — Die Hoffnung muss als letztes sterben, bevor irgendeine rechte Partei wieder einen kranken Nationalstaat begründet.

    • Liebe Summa summarum, weil Sie gerade die Seefahrt und den ausgezeichneten Film ansprechen. Für selbigen wäre wohl eher die nachgeordnete Rolle des Moses geeignet…
      Es muss dringend heller werden!

  4. “Postenschacher”, das schlimme Wort. Einfach nur zur richtigen Zeit in der richtigen Partei gewesen, die richtigen Leute kennengelernt, immer brav gegrüßt und zu allen nett gewesen, die einem nützlich sein können. Das ist wie Weihnachten: die bravsten Kinder kriegen die größten Packerl.

  5. “Der Mann fürs Grobe”?! Ihr seids wieder nur negativ liebes ZackZack – wie wärs mal mit einem positiven Spin: “Stabil wie ne Dienstfahrt zum Würschtler” zet be.

    • Die Mutter, die ihm übrigens unglaublich ähnelt, hat den Buben auch ordentlich erzogen. Dennoch es stimmt, ein Paradebeispiel eines ÖVPlers. Das besagte Handy wurde als Beweismittel geführt und da mehrere Beamte in die Amtshandlung involviert waren, wäre es vermutlich schwieriger gewesen es verschwinden zu lassen, zu mal Herr Takacs in diesem Moment noch gar nicht die Brisanz des Smartphones kennen konnte. Ich denke, er würde mit dem Wissen von heute “anders amtshandeln”. Kampfsportler ist er obendrein, vielleicht geht es rund im Untersuchungsausschuss…..

Kommentarfunktion ist geschlossen.

Jetzt: der Pilnacek Laptop!

Denn: ZackZack bist auch DU!