Spott für türkise PR

Nach vermeintlichem “Kinderbrief” an Kurz

Wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Brieflein her! Zum Nikolo hat die ÖVP wieder zu einer offenbar bewährten PR-Masche gegriffen: Sebastian Kurz soll einen Kinderbrief erhalten haben. Das Netz macht sich über ihn lustig.

Wien, 07. Dezember 2020 | Sebastian Kurz (ÖVP) soll einen Brief erhalten haben. Unterzeichnet vom 7-jährigen Jakob, der dem Kanzler sein Unverständnis über ein mögliches Besuchsverbot durch Krampus und Nikolo ausdrückt – und um eine Ausnahme bittet. Die gewährt der Kanzler großzügig. Die Inszenierung ist perfekt, der Brief wurde gestern via Social Media-Kanälen verbreitet.

Hohn im Netz: Bewerbung als Kinderbrief-Autor bei ÖVP

Dafür erntet die Kanzler-Partei nun Hohn, insbesondere aus der Twitter-Community. Für Stimmungsmache für die eigene Politik würde entweder der echte Brief eines Kindes instrumentalisiert – oder eben einfach selbst geschrieben, so der Tenor. Die PR-Masche brachte der ÖVP auch die Initiativbewerbung eines Twitter-Users ein:

Kritik: „Kinder schreiben dem Anführer Propaganda“

Es sei auffällig, dass „immer, wenn der Bundeskanzler nicht weiter weiß oder gerade in der Kritik steht“, ihm ein Kind einen lieben Brief schreiben würde, „den er dann mit allen teilt. Zufälle gibts.“, twittert Albert Steinhauser, ehemaliger Grüner Nationalratsabgeordneter.

Paul Schuierer-Aigner, sonst eher mit exzellenten US-Analysen auf Twitter aktiv, bezeichnet die Kurz-PR als Propaganda, bei der es gelte, vorsichtig zu sein:

Briefe an den Kanzler: „Ich hätte auch gern 210 Millionen Taschengeld für Eigenlob“

Der veröffentlichte Kinderbrief sorgte für eine regelrechte Flut an handgeschriebenen „Kinderbriefen“ an den Kanzler im Netz. Darunter auch Marco Pogo, Bierpartei-Chef:

Eine weitere Twitter-Userin wünscht sich mehr Taschengeld vom Kanzler und spielt damit auf die Vervierfachung seines veranschlagten PR- und Reisebudgets für 2020 an:

Immer wieder Kinderbriefe

Kinderbriefe sind keine Seltenheit im türkisen PR-Repertoire – ob sie nun echt sein mögen oder nicht. Und sie kommen immer irgendwie gelegen: Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) war im August immer mehr in Bedrängnis wegen intransparenter Corona-Einreise-Politik und seiner Fake News-Kampagne gegen Wien geraten. Da tauchte plötzlich der Brief des vermeintlich 9-jährigen Paul an den Minister auf: via “Kronenzeitung” wurde der Brief für türkise PR-Zwecke veröffentlicht.

Kritische Stimmen stellten sogleich die Echtheit des Briefs in Frage – ZackZack berichtete, die Redaktion selbst erhielt damals einen „Kinderbrief“, den wir öffentlich machten. Auch Sebastian Kurz hatte im Vorjahr einen Brief in einer schwierigen Lage erhalten: Eine sechsjährige „Linda“ hatte ihm in Lateinschrift geschrieben, weil sie „traurig und wütend“ über dessen Abwahl als Kanzler gewesen sei.

ZackZack hat heute einen weiteren Brief veröffentlicht. Diesmal von Sebastian an seinen Professor.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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